SEO-Grundlagen für den Mittelstand

Keyword-Recherche: Schritt für Schritt vom Thema zur Seitenstruktur

Die meisten Anleitungen hören auf, wo die Arbeit anfängt: beim Suchvolumen. Dieser Beitrag zeigt den vollständigen Ablauf — wie Sie Kandidaten finden, die Suchabsicht an der Suchergebnisseite ablesen, Nachfragezahlen richtig deuten und daraus eine Seitenstruktur bauen, die zu Ihrem Angebot passt.

Illustration: Ein Trichter auf einer Werkbank sortiert eine ungeordnete Wolke aus Wortzetteln über drei Siebebenen zu einem geordneten Seitenplan
6 von 10 Top-Treffern sind Tool-Seiten 12 Monate Durchschnitt im Suchvolumen 1 Keyword gehört auf genau 1 Seite

Keyword-Recherche heißt: herausfinden, mit welchen Wörtern Menschen nach Ihrem Angebot suchen, was sie dabei erwarten und welche eigene Seite diese Erwartung erfüllen soll. Sie besteht aus sechs Schritten — Kandidaten sammeln, Suchintention an der Suchergebnisseite prüfen, Suchvolumen einordnen, Wettbewerb bewerten, ein Keyword je Seite festlegen und daraus die Seitenstruktur ableiten.

1. Was Keyword-Recherche ist — und wo die meisten Anleitungen aufhören

Keyword-Recherche ist die systematische Suche nach den Begriffen, mit denen Menschen ein Bedürfnis in ein Suchfeld tippen. Sie ist kein Wortlisten-Wettbewerb, sondern eine Übersetzungsleistung: von der Sprache Ihres Unternehmens in die Sprache Ihrer Kunden. Das Ergebnis ist keine Tabelle, sondern eine Entscheidung darüber, welche Seiten Sie bauen.

Wer den Begriff heute googelt, bekommt allerdings vor allem eins: Werbung für Werkzeuge. Wir haben die Suchergebnisseite am 4. September 2026 für Deutschland abgefragt und ausgezählt — sechs der zehn organischen Top-Treffer sind Landingpages von Keyword-Tools, dazu kommen ein Lexikoneintrag, zwei Einsteiger-Ratgeber und eine Liste kostenloser Werkzeuge. Die KI-Übersicht über den Ergebnissen fasst den Ablauf in drei Punkten zusammen: Startbegriffe finden, Tools nutzen, auswerten.

Genau bei „auswerten" endet die verfügbare Anleitung. Was auszuwerten ist, wie eine Zahl zustande kommt und was sie über Ihre Chance aussagt, steht praktisch nirgends. Dabei entscheidet dieser Teil über Erfolg oder Fehlinvestition: Ein Keyword, dessen Absicht Sie falsch einschätzen, kostet Sie eine komplette Seite Arbeit für Besucher, die sofort wieder gehen.

Dieser Beitrag beschreibt den Ablauf, den wir selbst für Kundenprojekte fahren. Er ist ein Teilschritt aus einem größeren Ganzen: Wie Keyword-Recherche in Technik, Inhalt und Vertrauenssignale eingebettet ist, zeigt unser Leitfaden zur SEO-Optimierung. Welche Werkzeugkategorien Sie dafür brauchen und wo kostenlose Werkzeuge ausreichen, steht im Vergleich der SEO-Tools. Hier geht es um das Handwerk dazwischen.

Ein Hinweis zur Werkzeugfrage, weil sie fast immer zuerst kommt: Für diesen Ablauf reicht es, drei Kategorien zu unterscheiden. Erstens Ihre eigenen Daten, also die Google Search Console. Zweitens Marktdaten aus einer kommerziellen Keyword-Datenbank. Drittens kostenlose Werkzeuge für die grobe Orientierung, etwa Google Trends oder die Autovervollständigung. Welche Marke Sie in Kategorie zwei wählen, ist zweitrangig — die Denkweise ist dieselbe.

2. Schritt 1: Vom Thema zur Kandidatenliste

Am Anfang steht keine Bewertung, sondern eine ungefilterte Sammlung. Ziel ist eine Liste von Begriffen und Fragen, die Ihr Thema aus möglichst vielen Blickwinkeln beschreibt. Sechs Quellen decken zusammen fast alles ab, was Sie brauchen — und jede hat eine Grenze, die Sie kennen sollten, damit Sie ihr nicht zu viel zutrauen.

Sechs Quellen für Keyword-Kandidaten — mit ihrer jeweiligen Grenze. Stand: 4. September 2026
Quelle Was sie liefert Wo sie an ihre Grenze kommt
Vertrieb, Support und Angebotsanfragen Die Wörter, mit denen Kunden Ihr Angebot tatsächlich benennen — inklusive der Fehlannahmen, die Sie im Text ausräumen müssen. Verzerrt in Richtung Bestandskunden. Wer Sie noch nicht kennt, formuliert oft anders.
Google Search Console (eigene Suchanfragen) Reale Anfragen, mit denen Menschen bereits bei Ihnen landen, samt Klicks, Impressionen und durchschnittlicher Position. Sehr seltene Anfragen fehlen aus Datenschutzgründen vollständig, und die Oberfläche exportiert höchstens 1.000 Zeilen.
Autovervollständigung und „Ähnliche Suchanfragen" Formulierungen, die Menschen wirklich eintippen, inklusive Schreibweisen und Zusätzen, auf die intern niemand kommt. Keine Mengenangabe. Sie sehen, dass gesucht wird, aber nicht, wie oft.
Der Block „Ähnliche Fragen" in der Suche Fertig formulierte Nutzerfragen — die beste Vorlage für Zwischenüberschriften und den FAQ-Teil einer Seite. Der Block ist dynamisch und je nach Sitzung unterschiedlich. Zweimal prüfen lohnt sich.
Seiten des Wettbewerbs Themen, die andere bereits abdecken — und, aufschlussreicher, die Lücken dazwischen. Ein rankender Wettbewerber ist kein Beweis für Nachfrage. Er kann für sein Thema auch schlicht der Einzige sein.
Kommerzielle Keyword-Datenbanken Nachfragewerte, verwandte Begriffe und Vergleichsdaten in einem Rutsch — die Basis für eine Priorisierung. Zahlen sind Schätzungen aus Modellen. Sie sind für den Vergleich gut, für absolute Prognosen nicht.

Die wichtigste Quelle ist die unbequemste. In fast jedem Projekt zeigt sich, dass die interne Bezeichnung eines Produkts nicht die gesuchte ist. Unternehmen benennen Dinge aus der Perspektive dessen, der sie herstellt: nach Bauteil, Verfahren oder Produktlinie. Kunden benennen sie aus der Perspektive dessen, der ein Problem hat. Zwischen „Bestandsführungssystem" und „Lagerverwaltung" liegen keine Nuancen, sondern völlig unterschiedliche Suchanfragen.

Deshalb beginnt unsere Sammlung immer außerhalb des Marketings: im Vertriebspostfach, in Support-Tickets, in den Notizen aus Angebotsgesprächen. Das kostet einen Nachmittag und liefert Formulierungen, auf die kein Werkzeug kommt, weil sie im Firmenjargon schlicht nicht vorkommen.

Bei der zweiten Quelle lohnt ein Detail, das viele überrascht. Die Google Search Console zeigt Ihnen nicht alle Suchanfragen, mit denen Menschen bei Ihnen landen. Google filtert aus Datenschutzgründen sogenannte anonymisierte Suchanfragen heraus — laut Google Search Central sind das Anfragen, die innerhalb von zwei bis drei Monaten nicht von mehr als einigen Dutzend Nutzern gestellt wurden. Diese Zeilen fehlen in der Tabelle immer, sind in den Diagramm-Summen aber enthalten. Wenn Ihre Klicks in der Tabelle nicht zur Gesamtsumme passen, ist das kein Fehler, sondern genau dieser Filter. Wie Sie den Bericht sonst noch auswerten, beschreiben wir im Beitrag zur Google Search Console.

3. Schritt 2: Die Suchintention an der Suchergebnisseite ablesen

Suchintention ist die Absicht hinter einer Anfrage. Sie lässt sich nicht zuverlässig erraten, aber sehr zuverlässig ablesen: Öffnen Sie die Suchergebnisseite und schauen Sie, welche Seitentypen Google dort ausspielt. Diese Auswahl ist Googles gesammelte Antwort darauf, was Menschen bei dieser Anfrage angeklickt haben. Sie ist damit die belastbarste Auskunft, die Sie bekommen können.

Die vier Suchintentionen und ihre Signale in der Suchergebnisseite
Suchintention Was der Mensch will Woran Sie es in den Ergebnissen erkennen Was Sie bauen müssen
Informierend Verstehen, lernen, ein Problem einordnen. Ratgeber, Anleitungen, Lexikoneinträge, Videos, ein Block mit ähnlichen Fragen, oft eine KI-Übersicht. Ratgeberartikel oder Wissensseite mit klarer Antwort im ersten Absatz.
Vergleichend Zwischen Anbietern oder Lösungen wählen, bevor gekauft wird. Vergleiche, Bestenlisten, Testberichte, Bewertungssterne in den Snippets. Vergleichs- oder Entscheidungsseite mit nachvollziehbaren Kriterien.
Kaufend Jetzt bestellen, buchen oder anfragen. Shop-Kategorien, Produktseiten, viele Anzeigen, Shopping-Ergebnisse, Preise im Snippet. Kategorie-, Produkt- oder Leistungsseite mit sichtbarem nächsten Schritt.
Navigierend Zu einer bestimmten Marke, App oder Anmeldeseite. Eine einzige Domain belegt fast alle Plätze, dazu Anmeldeseiten und Markenlinks. Meist keine. Hier gewinnt die Marke selbst — Aufwand lohnt nur bei eigenen Markenbegriffen.

Der Praxistest dauert zwei Minuten je Keyword-Gruppe. Öffnen Sie die Ergebnisse in einem privaten Fenster, damit Ihr eigener Verlauf sie nicht verfärbt, und notieren Sie nur eins: Welcher Seitentyp steht auf den ersten fünf Plätzen? Wenn dort Shop-Kategorien stehen, gewinnen Sie mit einem Ratgeber nichts. Wenn dort Ratgeber stehen, gewinnen Sie mit einer Produktseite nichts.

Unser eigenes Kern-Keyword ist ein gutes Beispiel für einen Grenzfall. Für „keyword recherche" stehen sechs Tool-Landingpages in den Top 10 — die dominante Absicht ist also gar nicht „erkläre es mir", sondern „gib mir ein Werkzeug". Trotzdem sind vier Plätze mit Erklärinhalten besetzt, und der Fragenblock zeigt fast ausschließlich Wissensfragen. Genau darum ist dieser Beitrag ein Ratgeber und keine Tool-Seite: Der erklärende Teil der Ergebnisse ist inhaltlich der schwächere, und dort liegt die Lücke.

Zwei Warnzeichen sollten Sie dabei ernst nehmen. Erstens: Wenn eine einzige Marke fast alle Plätze belegt, ist die Anfrage navigierend — Menschen suchen eine bestimmte Anmeldeseite oder App. Zweitens: Wenn die Ergebnisse offensichtlich ein anderes Thema behandeln als Sie erwartet haben, ist Ihr Begriff mehrdeutig. In beiden Fällen ist die Nachfragezahl daneben wertlos, egal wie groß sie aussieht.

4. Schritt 3: Suchvolumen richtig lesen

Das Suchvolumen ist die am häufigsten falsch verstandene Zahl im ganzen Fach. Google Ads definiert sie eindeutig: Es ist „die durchschnittliche Anzahl der Suchanfragen für ein Keyword und ähnliche Varianten" — und „standardmäßig wird für ein Keyword der Durchschnittswert für einen Zeitraum von zwölf Monaten berechnet". Sie sehen also weder die heutige Nachfrage noch die Zahl für genau diese Schreibweise.

Aus dieser Definition folgen drei Konsequenzen, die in Ratgebern selten stehen.

Erstens: Der Jahresdurchschnitt verdeckt die Saison. Google weist ausdrücklich darauf hin, dass Zugriffe „je nach Saison, aktuellen Ereignissen und verschiedenen anderen Faktoren" variieren. Zwei starke Monate heben den Durchschnitt für das ganze Jahr an. Wie stark, zeigt eine simple Rechnung:

Rechenbeispiel — nur die Mechanik, keine Marktdaten: Ein Begriff wird in zehn Monaten je 1.500-mal gesucht und in zwei Wintermonaten je 41.100-mal. Die Summe von 97.200 geteilt durch zwölf ergibt einen ausgewiesenen Durchschnitt von 8.100 pro Monat. Wer im Frühjahr auf diese Zahl hin plant, rechnet mit mehr als dem Fünffachen der tatsächlichen Nachfrage.

Der Ausweg ist eingebaut, wird aber kaum genutzt: Im Keyword-Planer lässt sich der Zeitraum umstellen. Google beschreibt das selbst als Weg, „entsprechende Suchvolumen-Trends zu sehen und Keyword-Ideen zu erhalten, die zu bestimmten Zeiten des Jahres relevant sind". Ergänzend zeigt Google Trends den Verlauf — allerdings als relative Nachfrage „in einer Skala von 0 bis 100", nicht als absolute Suchzahl. Beide Ansichten zusammen sagen Ihnen, ob eine Zahl eine Dauerlage oder ein Strohfeuer beschreibt.

Zweitens: Die Zahl bündelt Varianten und ist gerundet. „Ähnliche Varianten" heißt: Singular und Plural, Schreibweisen, teils sehr nahe Umformulierungen laufen in einen Topf. Zusätzlich stellt Google klar, dass es sich „um gerundete Werte" handelt und Volumen deshalb nicht wie erwartet aufsummieren. Zwei Zeilen in Ihrer Tabelle können dieselbe Nachfrage doppelt zählen. Wer die Werte addiert, um ein „Marktpotenzial" auszurechnen, produziert eine Zahl ohne Deckung.

Drittens: Nicht jede große Zahl gehört Ihnen. Weil Varianten zusammenlaufen, kann in einem Volumen eine Absicht stecken, die mit Ihrem Angebot nichts zu tun hat — klassisch Marken- und Anmelde-Suchen, bei denen Menschen nur zu einem Login wollen. Wir nennen hier bewusst keine Beispielzahl, obwohl solche Beispiele kursieren: Wir konnten keine davon an einer belegbaren Quelle nachvollziehen. Die Prüfung ist ohnehin verlässlicher als jede Zahl — öffnen Sie die Ergebnisse. Stehen dort Anmeldeseiten, ist das Volumen für Sie kein Potenzial, sondern eine Fata Morgana.

Bleibt der umgekehrte Fall: das leere Feld. „Kein Wert" bedeutet nicht „Volumen null". Google selbst schreibt für seine Tabellen, ein Bindestrich zeige an, dass „nicht genügend Daten vorhanden" sind, um den Wert zu ermitteln. In unseren eigenen Auswertungen über die Schnittstelle eines Datenanbieters kommt regelmäßig ein leeres Feld zurück, wo später sehr wohl Nachfrage messbar ist. Behandeln Sie leere Felder deshalb als „unbekannt" und entscheiden Sie über solche Begriffe anhand der Suchergebnisse, nicht anhand der Tabelle.

5. Schritt 4: Wettbewerb realistisch einschätzen

Die Spalte „Wettbewerb" im Keyword-Planer ist keine Schwierigkeitsangabe für die organische Suche. Google definiert sie als „die Anzahl der Werbetreibenden, die Gebote für das jeweilige Keyword abgeben, im Verhältnis zu allen Keywords bei Google". Sie beschreibt also den Anzeigenmarkt. Ob Sie mit einer eigenen Seite unter die ersten zehn kommen, steht dort nicht.

Das lässt sich am Beispiel dieses Beitrags zeigen. Für „keyword recherche" weisen unsere Daten 1.600 Suchanfragen pro Monat, einen mittleren Wettbewerbswert von 51 und einen Klickpreis von 5,98 Euro aus (eigene Abfrage über die DataForSEO-Schnittstelle, Deutschland und Deutsch, 4. September 2026). „Mittel" klingt nach machbar. Die organischen Ergebnisse erzählen etwas anderes: Dort stehen etablierte Tool-Anbieter mit sehr starken Domains. Der Anzeigenwert und die tatsächliche Hürde liegen weit auseinander.

Die brauchbare Einschätzung entsteht deshalb an den Ergebnissen selbst. Vier Fragen genügen. Wer steht dort — internationale Marken oder Fachanbieter Ihrer Größe? Wie gut sind die Inhalte wirklich, wenn Sie sie lesen statt zu überfliegen? Gibt es einen Aspekt, zu dem Sie mehr sagen können als alle zehn? Und passt Ihr Seitentyp überhaupt zu dem, was dort steht?

Aus dieser Prüfung folgt die wichtigste Priorisierungsregel: Ein spezifisches Longtail-Keyword mit wenigen hundert Suchanfragen schlägt regelmäßig einen Kopfbegriff mit dem Zwanzigfachen. Nicht wegen der Menge, sondern wegen der Passung. Wer „Lagerverwaltung Software Anbindung Buchhaltung" sucht, hat ein konkretes Projekt. Wer „Software" sucht, kann alles Mögliche wollen. Der große Begriff bringt Sichtbarkeit, die kleine Anfrage bringt Anfragen — und für den kleinen Begriff reicht oft eine gute Seite statt einer jahrelangen Aufholjagd.

In der Praxis bauen wir daraus eine einfache Reihenfolge: zuerst die Begriffe, bei denen Absicht und Angebot exakt zusammenpassen und der Wettbewerb erreichbar ist. Danach die mittleren Begriffe, die auf dieselbe Seite einzahlen. Kopfbegriffe kommen zuletzt und meist als Ergebnis, nicht als Ziel.

6. Schritt 5: Ein Keyword, eine Seite

Jede Suchabsicht gehört auf genau eine Seite. Wird dieselbe Absicht auf mehreren URLs bedient, entsteht das, was die Branche „Keyword-Kannibalisierung" nennt. Google verwendet diesen Begriff nicht. Dokumentiert ist der Mechanismus dahinter: Bei sehr ähnlichen Seiten wählt Google eine kanonische Version aus — nach eigener Beschreibung „die für die Nutzer der Google Suche objektiv beste Version der URL".

Das Problem ist nicht die Auswahl selbst, sondern dass Sie sie nicht treffen. Ihre interne Verlinkung verteilt sich auf zwei Seiten, beide bleiben inhaltlich halbfertig, und je nach Anfrage rankt mal die eine, mal die andere. In Berichten sieht das nach Schwankung aus, tatsächlich ist es eine ungeklärte Zuständigkeit.

Erkennen lässt sich das in wenigen Minuten. Öffnen Sie den Leistungsbericht der Search Console, filtern Sie auf eine Suchanfrage und wechseln Sie auf die Dimension „Seiten". Stehen dort mehrere eigene URLs mit nennenswerten Impressionen, konkurrieren sie. Praktischer Hinweis dazu: Im Diagramm zählt Google zwei Treffer derselben Website für eine Anfrage nur als eine Impression — die Aggregation erfolgt dort nach Property. Die Doppelung sehen Sie also erst in der Tabelle, nicht in der Kurve. Und weil die angezeigte Position ein Durchschnitt ist, verschleiert ein mittelmäßiger Wert oft zwei sehr unterschiedliche Seiten.

Für die Auflösung gibt es zwei saubere Wege. Entweder Sie differenzieren die Absicht: Eine Seite beantwortet die Wissensfrage, die andere wird zur Angebotsseite, und beide verlinken aufeinander mit einem beschreibenden Ankertext. Oder Sie fassen zusammen: Der bessere Inhalt wandert auf die stärkere URL, die schwächere wird per Weiterleitung darauf gelenkt. Google bezeichnet sowohl eine Weiterleitung als auch das Attribut rel="canonical" als „starkes Signal" für die kanonische Version; ein Eintrag in der Sitemap gilt dagegen nur als „schwaches Signal".

Damit das nicht wieder passiert, führen wir in Projekten eine schlichte Übersichtstabelle: je Zeile ein Kern-Keyword, die zugehörige Absicht und genau eine Ziel-URL. Jede neue Seite wird dagegen geprüft, bevor sie entsteht. Diese Tabelle verhindert mehr Doppelarbeit als jedes Werkzeug.

7. Schritt 6: Vom Keyword zur Seitenstruktur

Jetzt wird aus der Recherche ein Bauplan. Zwei Entscheidungen stehen an: welcher Seitentyp entsteht und wie er gegliedert wird. Der Seitentyp folgt aus der Suchintention aus Schritt 2, die Gliederung aus den Fragen, die Menschen zum Thema tatsächlich stellen — nicht aus einer selbst ausgedachten Kapitelstruktur.

Von der Suchintention zum passenden Seitentyp — mit dem Warnsignal für die falsche Wahl
Suchintention Passender Seitentyp Warnsignal, dass der Typ nicht passt
Informierend Ratgeberbeitrag im Blog oder Wissensbereich Ihre Kategorieseite rankt, aber niemand klickt weiter. Die Erwartung war Erklärung, geliefert wurde ein Sortiment.
Vergleichend Vergleichs-, Auswahl- oder Entscheidungsseite Hohe Impressionen, sehr niedrige Klickrate. Ihr Titel verspricht Werbung, gesucht wurde Abwägung.
Kaufend Kategorie-, Produkt- oder Leistungsseite Ein Ratgeber rankt vor Ihrer Leistungsseite und übernimmt deren Anfragen, ohne sie weiterzuleiten.
Gemischt (mehrere Typen in den Top 10) Der Typ, der in den Top 5 überwiegt — plus ein interner Link auf den zweiten Typ Die Seite schwankt stark in der Position, weil sie zwei Absichten halb bedient statt einer ganz.

Für die Gliederung nutzen wir die Fragen, die Google im Block „Ähnliche Fragen" zeigt, plus die Formulierungen aus Vertrieb und Support. Diese Fragen werden zu Zwischenüberschriften, und unter jede Überschrift kommt zuerst eine abgeschlossene Antwort in wenigen Sätzen. Das ist bewusst so gebaut: Wer die Antwort sofort sieht, liest weiter; wer sich durch eine Einleitung wühlen muss, springt zurück.

Beim Einsatz des Keywords selbst gilt Zurückhaltung. Es gehört sichtbar in Titel, Überschrift und den ersten Absatz, danach in den Text, wo es natürlich passt. Google führt das Gegenteil ausdrücklich in den Spam-Richtlinien: Als „überflüssige Keywords" bezeichnet Google „das Füllen einer Webseite mit Keywords oder Zahlen, um das Ranking in den Google-Suchergebnissen zu manipulieren". Eine Zieldichte in Prozent gibt es nicht und hat es nie gegeben.

Der letzte Baustein ist die Verlinkung. Seiten, die zum selben Thema gehören, verlinken aufeinander — die Übersichtsseite auf die Detailseiten, die Detailseiten zurück und untereinander. So entsteht aus einzelnen Beiträgen ein Themenbereich, in dem Leser weiterkommen, ohne zurück zur Suche zu müssen. Wie sich daraus ein Redaktionsplan entwickeln lässt, beschreiben wir im Beitrag zum Content-Marketing für den Mittelstand.

8. Was die KI-Suche ändert — und was nicht

Seit KI-Antworten über den Suchergebnissen stehen, kursiert die Sorge, Keyword-Recherche sei überholt. Das Gegenteil ist der Fall: Wer zitiert werden will, muss zuerst zu der Frage passen, die gestellt wird. Was sich ändert, ist die Formulierung der Anfragen — sie werden länger und ähneln immer öfter ganzen Sätzen. Was bleibt, ist die Notwendigkeit, die Absicht dahinter zu treffen.

Wichtig ist dabei eine Klarstellung, die Google selbst vornimmt und die viele Ratgeber ignorieren: „Es gibt keine zusätzlichen Anforderungen, um in Übersichten mit KI oder im KI-Modus zu erscheinen." In derselben Dokumentation heißt es wörtlich weiter — Google duzt dort seine Leser: „Du musst keine neuen maschinenlesbaren Dateien, KI-Textdateien oder Markups erstellen", ebenso wenig „spezielle strukturierte schema.org-Daten". Wer Ihnen ein Sonderformat für KI-Sichtbarkeit verkauft, geht über die dokumentierte Lage hinaus.

Praktisch heißt das für die Recherche zweierlei. Erstens: Nehmen Sie die längeren Frageformulierungen aus dem Fragenblock und aus Ihren eigenen Search-Console-Daten ernst und behandeln Sie sie als vollwertige Kandidaten, auch wenn keine Nachfragezahl daneben steht. Zweitens: Bauen Sie unter jede Frage eine kurze, in sich abgeschlossene Antwort. Eine klare Struktur macht Inhalte für Menschen leichter lesbar und für Maschinen leichter extrahierbar — sie ist kein Rankingfaktor, aber sie entscheidet, ob ein Textabschnitt überhaupt als Antwort taugt.

Welche generativen Systeme dabei zählen, wie Zitierfähigkeit entsteht und wie sich Sichtbarkeit in KI-Antworten überhaupt messen lässt, behandeln wir ausführlich im Beitrag zur Generative Engine Optimization.

9. Die häufigsten Fehler in der Keyword-Recherche

Diese acht Fehler sehen wir in Projekten immer wieder. Sie kosten selten Rankings — sie kosten Arbeitszeit für Seiten, die nie eine Chance hatten. Vier davon verschwinden allein dadurch, dass man die Suchergebnisseite tatsächlich öffnet, statt nur auf die Tabelle zu schauen.

  • Die interne Bezeichnung als Keyword nehmen. Was im Produktkatalog steht, ist selten das, was Menschen eintippen.
  • Den Zwölf-Monats-Durchschnitt für die aktuelle Nachfrage halten und die Saisonkurve nie ansehen.
  • Die Spalte „Wettbewerb" für die organische Schwierigkeit halten, obwohl sie Werbetreibende zählt.
  • Ein Keyword auswählen, ohne die Suchergebnisseite überhaupt geöffnet zu haben.
  • Für dasselbe Thema zwei Seiten bauen, weil zwei Schreibweisen zwei Zeilen in der Tabelle ergeben haben.
  • Aus einem leeren Datenfeld „Volumen 0" ableiten und ein tragfähiges Thema aussortieren.
  • Das Keyword in Überschriften und Fließtext häufen. Google nennt das ausdrücklich Spam.
  • Die Liste einmal erstellen und nie wieder anfassen, obwohl sich Nachfrage und Wettbewerb laufend verschieben.

Der Grundfehler hinter fast allen anderen ist eine Perspektivfrage. Google formuliert sie in seiner Anleitung für hilfreiche Inhalte als Prüffrage an Autoren: „Werden die Inhalte hauptsächlich erstellt, um Besuche über Suchmaschinen zu erhalten?" Und an anderer Stelle: „Fasst du hauptsächlich zusammen, was andere sagen, ohne einen Mehrwert zu bieten?" Eine Keyword-Liste, die diese beiden Fragen nicht besteht, wird auch mit perfekten Zahlen nicht tragen.

10. Der Ablauf in Kurzform

Wenn Sie die Recherche selbst durchführen möchten, ist das die Kurzfassung des gesamten Beitrags. Rechnen Sie für ein mittleres Thema mit einem halben bis einem ganzen Arbeitstag — der größte Teil davon entfällt auf Schritt 1 und Schritt 3, nicht auf die Bedienung von Werkzeugen.

  1. Sammeln: Alles zusammentragen, was Kunden, Search Console, Autovervollständigung, Fragenblock und Wettbewerb hergeben. In dieser Phase nicht bewerten, nur sammeln.
  2. Gruppieren: Begriffe, die dieselbe Frage stellen, zu einer Gruppe zusammenfassen. Aus dieser Gruppe wird später genau eine Seite, nicht drei.
  3. Intent prüfen: Je Gruppe die Suchergebnisseite öffnen und notieren, welche Seitentypen dort stehen. Das ist der Schritt, der über Erfolg entscheidet.
  4. Nachfrage einordnen: Suchvolumen als Zwölf-Monats-Durchschnitt lesen, den Verlauf dazunehmen und auffällige Spitzen erklären, bevor Sie planen.
  5. Chance bewerten: Die tatsächlich rankenden Seiten ansehen. Passt Ihr Seitentyp und können Sie inhaltlich mithalten, ist die Gruppe eine Kandidatin.
  6. Zuordnen und bauen: Je Gruppe eine Ziel-URL festlegen, in einer Übersicht dokumentieren und die Gliederung aus den echten Nutzerfragen ableiten.

Planen Sie außerdem einen festen Wiederholungstermin ein. Nachfrage verschiebt sich, Wettbewerber veröffentlichen, und Ihre eigene Search Console liefert nach einigen Monaten Anfragen, die bei der ersten Runde noch gar nicht existieren konnten. Zweimal im Jahr genügt für die meisten Mittelständler; bei saisonalen Sortimenten einmal vor der Saison zusätzlich.

Keyword-Recherche auf einen Blick
  • Was es istdie systematische Suche nach den Wörtern, mit denen Menschen Ihr Angebot suchen
  • Ablaufsammeln, gruppieren, Intent prüfen, Nachfrage einordnen, Chance bewerten, zuordnen
  • SuchvolumenDurchschnitt über zwölf Monate, für ein Keyword und ähnliche Varianten, gerundet (Google Ads-Hilfe)
  • Wettbewerbsspaltezählt Werbetreibende, nicht organische Schwierigkeit (Google Ads-Hilfe)
  • Google Trendsrelative Nachfrage auf einer Skala von 0 bis 100, keine absoluten Suchzahlen
  • Search Consolesehr seltene Anfragen fehlen aus Datenschutzgründen, Oberfläche exportiert bis 1.000 Zeilen
  • Grundregelein Kern-Keyword und eine Suchabsicht gehören auf genau eine Seite
  • Beispiel aus der Praxisfür „keyword recherche" sind 6 der 10 organischen Top-Treffer Tool-Seiten (eigene Abfrage, 04.09.2026)

Kennzahlen-Definitionen aus der Google Ads-Hilfe zum Keyword-Planer und der Google-Trends-Hilfe (öffnen in neuem Tab). Eigene Erhebungen mit der DataForSEO-Schnittstelle, Deutschland und Deutsch. Stand: 4. September 2026. Die vollständige Quellenliste finden Sie am Ende des Beitrags.

11. Fazit: Die Zahl ist der Anfang, nicht das Ergebnis

Keyword-Recherche scheitert selten am Werkzeug. Sie scheitert daran, dass eine Zahl aus einer Tabelle für eine Entscheidung gehalten wird. Das Suchvolumen ist ein gerundeter Zwölf-Monats-Durchschnitt über ein Keyword und seine Varianten — eine nützliche Vergleichsgröße, aber kein Versprechen und keine Momentaufnahme.

Die drei Schritte, die den Unterschied machen, kosten kein Geld: die Suchergebnisseite tatsächlich ansehen, den Verlauf statt nur den Durchschnitt prüfen und je Suchabsicht genau eine Seite festlegen. Wer diese drei Gewohnheiten hat, braucht deutlich weniger Werkzeuge, als der Markt suggeriert.

Wenn Sie das nicht selbst aufbauen möchten oder eine zweite Meinung zu einer bestehenden Keyword-Struktur brauchen: Wir übernehmen die Recherche mit denselben Datenquellen, die in diesem Beitrag beschrieben sind, und legen das Ergebnis als Zuordnung von Keyword zu Seite vor — nachvollziehbar, mit Quellen und ohne Ranking-Versprechen. Der Einstieg ist unsere SEO-Beratung mit KI-Analyse.

12. Häufige Fragen zur Keyword-Recherche

Wie macht man eine Keyword-Recherche?

In sechs Schritten: Kandidaten aus echten Kundenfragen, Search Console, Wettbewerbern und Autosuggest sammeln. Dann die Suchintention an der Suchergebnisseite ablesen, das Suchvolumen als Zwölf-Monats-Durchschnitt einordnen, den Wettbewerb an den tatsächlich rankenden Seiten prüfen, jedem Keyword genau eine Seite zuordnen und daraus die Gliederung ableiten.

Wie findet man die richtigen Keywords?

Nicht am Schreibtisch, sondern dort, wo Kunden bereits sprechen: im Vertriebspostfach, im Support, in Angebotsanfragen und in den Suchanfragen Ihrer eigenen Search Console. Ergänzen Sie diese Liste um die Vorschläge der Google-Autovervollständigung und um die Fragen aus dem Block „Ähnliche Fragen" der Suchergebnisseite.

Was ist eine Keyword-Analyse?

Die Keyword-Analyse ist der Bewertungsteil der Recherche. Sie ordnet jedem gesammelten Suchbegriff drei Dinge zu: die erkennbare Absicht dahinter, eine belastbare Einschätzung der Nachfrage über die Zeit und die realistische Chance, gegen die aktuell rankenden Seiten anzukommen. Erst danach entscheiden Sie über eigene Inhalte.

Welche Arten von Keywords gibt es?

Üblich ist die Einteilung nach Absicht: informierend, vergleichend, kaufend und navigierend. Daneben unterscheidet man nach Länge, also kurze Kopfbegriffe mit viel Nachfrage und lange, sehr spezifische Suchphrasen. Die Absicht ist die wichtigere Einteilung, weil sie bestimmt, welchen Seitentyp Sie überhaupt bauen müssen.

Was sind gute Keywords?

Gute Keywords sind solche, deren Absicht zu einer Seite passt, die Sie ehrlich anbieten können, und deren Wettbewerb Sie realistisch erreichen. Ein spezifischer Begriff mit wenig Nachfrage, der genau Ihr Angebot trifft, ist wertvoller als ein großer Begriff, hinter dem eine ganz andere Erwartung steckt.

Was bedeutet das Suchvolumen im Keyword-Planer genau?

Laut Google Ads-Hilfe ist es die durchschnittliche Zahl der Suchanfragen für ein Keyword und ähnliche Varianten, standardmäßig gemittelt über zwölf Monate und gerundet. Es ist also weder eine Momentaufnahme noch eine Zählung genau dieser Schreibweise. Prüfen Sie deshalb immer zusätzlich den Verlauf. Stand: 4. September 2026.

Gibt es ein kostenloses Keyword-Recherche-Tool?

Ja, mehrere. Die Google Search Console zeigt kostenlos Ihre eigenen Suchanfragen, Google Trends die relative Nachfrage über die Zeit und der Keyword-Planer Nachfragedaten, sofern Sie ein Google-Ads-Konto haben. Welche Werkzeugkategorien darüber hinaus sinnvoll sind, behandeln wir gesondert in unserem Tool-Beitrag.

Wie erkenne ich, dass zwei eigene Seiten um dasselbe Keyword konkurrieren?

Filtern Sie im Leistungsbericht der Search Console auf die Suchanfrage und wechseln Sie auf die Dimension „Seiten". Erscheinen dort mehrere eigene URLs mit Impressionen, konkurrieren sie um dieselbe Anfrage. Lösen Sie das über unterschiedliche Suchabsichten oder fassen Sie die schwächere Seite zusammen.

13. Quellen & weiterführende Dokumentation

Alle Kennzahlen-Definitionen in diesem Beitrag stammen aus der offiziellen Dokumentation von Google und wurden am 4. September 2026 geprüft. Externe Quellen öffnen in einem neuen Tab.

Die Angaben zur Suchergebnisseite für „keyword recherche" (Verteilung der Seitentypen, Fragenblock, ähnliche Suchanfragen) sowie die Werte für Suchvolumen, Wettbewerb und Klickpreis stammen aus einer eigenen Abfrage über die DataForSEO-Schnittstelle für Deutschland und Deutsch vom 4. September 2026. Suchergebnisse sind personalisiert und verändern sich laufend; Angaben ohne Gewähr.

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