In JTL-Wawi ist eine Variation eine Eigenschaft mit mehreren Werten, ein Kindartikel ein eigenständiger Artikel je Wertekombination. Nur Kindartikel tragen eigenen Bestand und eigenen Preis. Der Haken: Sind Kindartikel erst erzeugt, lässt sich keine weitere Variation mehr ergänzen — dann hilft nur löschen und neu aufbauen. Die Dimensionen stehen deshalb vor dem ersten Kindartikel fest.
Stand am 7. September 2026: Alle Angaben zu Funktionen, Feldern und Grenzen stammen aus dem offiziellen JTL-Guide. Wir haben jede Seite an diesem Tag selbst geladen und im Volltext gegengelesen; die Fundstellen stehen am Ende. Ein Vorbehalt gehört dazu: Zwei der belegenden Guide-Seiten tragen noch den sichtbaren Vermerk „Stand: JTL-Wawi Version 1.6.32.1", während produktiv längst die Reihe 2.0 im Einsatz ist. Dialog- und Feldbezeichnungen können in Ihrer Version deshalb abweichen. Prüfen Sie den Stand vor einer Umstellung erneut.
1. Vier Begriffe, die ständig durcheinandergeraten
Bevor es um die Entscheidung geht, muss die Sprache stimmen. In JTL-Wawi heißt es Variation, nicht Variante. Das ist keine Wortklauberei: Wer in der Suche des Herstellerhandbuchs „Variante" eingibt, findet die entscheidenden Seiten nicht. Vier Begriffe reichen aus, und der Guide definiert sie sauber.
- Variation. „Eine Variation ist eine Eigenschaft eines Artikels, bei der Ihre Kunden zwischen mehreren Werten wählen können" — zum Beispiel Größe oder Farbe. Eine Variation ist selbst kein Artikel.
- Variationswert. „Ein Variationswert ist eine Auswahl, die Ihre Kunden bei einer Variation treffen können": S, M, L oder grün, blau, rot.
- Kindartikel. Ein eigenständiger Artikel für genau eine Wertekombination, etwa das Langarmshirt in Größe M und Farbe grün. Er wird laut Guide „wie ein gewöhnlicher Artikel verwaltet und gepflegt" — mit eigenem Lagerbestand, eigenem Preis, eigener Nummer.
- Vaterartikel. Der Variationsartikel, aus dem die Kindartikel abgeleitet wurden. Und hier lauert die erste Falle: „Der Begriff ‚Vaterartikel' wird in der Benutzeroberfläche von JTL-Wawi nicht verwendet." Er beschreibt ein Konzept, keinen Menüpunkt.
Ein fünfter Begriff geistert noch durch Foren und Tutorials: die Variationskombination. Der Guide löst das eindeutig auf — „Kindartikel (früher Variationskombinationen)". Es ist dieselbe Sache unter altem Namen. JTL selbst hat den Umzug nur halb vollzogen: Die Seite trägt heute den Titel „Kindartikel erstellen", ihre Adresse endet aber weiterhin auf variationskombinationen-erstellen. Wenn Ihnen beide Wörter begegnen, meinen sie dasselbe.
Der Aufbau folgt einer festen Reihenfolge, die der Guide ausdrücklich beschreibt:
- Sie legen einen einfachen Artikel an.
- Sie weisen ihm Variationen und Variationswerte zu. Damit wird er zum Variationsartikel.
- Sie leiten daraus Kindartikel ab. Ab diesem Moment heißt der ursprüngliche Artikel Vaterartikel.
Ein Artikel mit einer Variation heißt eindimensional, einer mit zwei oder mehr mehrdimensional. Diese Zählung klingt akademisch, ist aber die Größe, um die sich der ganze Beitrag dreht. Denn die Anzahl der Dimensionen ist genau das, was sich später nicht mehr ändern lässt.
2. Sechs Artikelarten — und warum Set und Bundle keine sind
JTL-Wawi kennt exakt sechs Artikelarten. Der Guide listet sie abschließend auf: einfache Artikel, Variationsartikel, Kindartikel, Vaterartikel, Konfigurationsartikel und Stücklisten. Vier davon gehören zum Variantenaufbau, zwei nicht. Diese Trennung erspart in Projekten viel Suchen.
| Artikelart | Was JTL darunter versteht | Rolle beim Variantenaufbau |
|---|---|---|
| Einfacher Artikel | Genau ein Produkt ohne Auswahlmöglichkeit. Die Grundform, aus der alles andere entsteht. | Startpunkt. Jeder Variationsartikel war vorher ein einfacher Artikel. |
| Variationsartikel | Ein Artikel mit mindestens einer Variation, zwischen deren Werten Ihre Kunden wählen. | Trägt die Auswahl, aber keinen Bestand je Variante. Grundlage für Kindartikel. |
| Kindartikel | Ein eigenständiger Artikel je Wertekombination, früher Variationskombination genannt. | Hier liegen Bestand, Preis, GTIN und Texte. Das eigentliche Arbeitsobjekt. |
| Vaterartikel | Ein Variationsartikel, aus dem Kindartikel abgeleitet wurden. Kein eigener Artikel. | Klammert die Kinder und vererbt Eigenschaften. Der Begriff steht nicht in der Oberfläche. |
| Konfigurationsartikel | Ein Artikel, den Ihre Kunden im Shop aus Konfigurationsgruppen selbst zusammenstellen. | Andere Baustelle. Hier wählt der Kunde Bestandteile, nicht eine Ausführung. |
| Stückliste | Ein Artikel, der aus mindestens einem anderen Artikel besteht. Set und Bundle sind Anwendungsfälle davon. | Ebenfalls andere Baustelle. Kindartikel dürfen Komponenten sein, Vaterartikel nicht. |
Was in dieser Liste fehlt, ist das Aufschlussreiche: „Set" und „Bundle" sind keine Artikelarten. Der Guide nennt sie ausdrücklich als Verwendungszwecke der Stückliste — „Sie können Stücklisten für Produktbundles und Set-Artikel verwenden". Wer in JTL-Wawi nach einem Set-Typ sucht, sucht nach einem Feld, das es nicht gibt. Wie die Stückliste stattdessen funktioniert, welche Bestandsregel dort gilt und wo die Grenze zum Konfigurationsartikel verläuft, haben wir im Beitrag zu Stücklisten in JTL-Wawi ausführlich behandelt. Hier bleiben wir beim Variantenaufbau.
Neben den Artikelarten führt JTL-Wawi vier Artikeltypen: Standard, Kartonage, digitaler Gutschein und Gutscheinkarte. Sie beschreiben den Verwendungszweck, nicht die Struktur. Zwei Sätze daraus sind für uns relevant. Erstens: „Sie können ausschließlich Standardartikel als Vaterartikel verwenden, um Kindartikel abzuleiten." Zweitens: „Artikel des Typs Kartonage können keine Vaterartikel sein." Wer Versandkartons in mehreren Größen führt, kann sie also nicht über Kindartikel abbilden.
3. Die Einbahnstraße: was nach dem ersten Kindartikel feststeht
Jetzt zum Kern. Der JTL-Guide setzt auf der Seite „Variationsartikel anlegen" einen Hinweis, der leicht zu überlesen und teuer zu ignorieren ist:
„Sobald Sie aus einer Variation mit unterschiedlichen Werten Kindartikel erstellt haben, können Sie keine weitere Variation mit Werten mehr hinzufügen. In diesem Fall müssen Sie alle vorhandenen Kindartikel löschen und nach Angabe der neuen Variation neu erstellen."
Übersetzt: Die Zahl der Dimensionen ist eine einmalige Entscheidung. Ein Shirt, das mit der Variation „Größe" gestartet ist und dessen Kindartikel längst Bestand führen, lässt sich nicht um „Farbe" erweitern. Der Guide sperrt dabei ausdrücklich nur das Hinzufügen einer weiteren Variation. Zu zusätzlichen Werten innerhalb einer bestehenden Variation — einer weiteren Größe etwa — sagt er nichts. Wir lesen den Hinweis so, dass er die Dimension meint und nicht den Wert; belegt ist das aber nicht, und wir behaupten es deshalb auch nicht. Probieren Sie es im Zweifel an einem Testartikel aus, bevor Sie im Echtbestand arbeiten.
Das ist selten in einer Warenwirtschaft. Preise, Texte, Kategorien, Lieferanten, Bilder: All das lässt sich ändern. Der Variationsaufbau nicht. Genau deshalb taucht die Frage im JTL-Forum immer wieder auf — Google blendet zum Thema sogar den Beitrag „Variationen nachträglich anlegen" als Sitelink ein. Die Antwort dort lautet jedes Mal gleich, und sie ist die des Herstellers.
Drei weitere Sperren, die alle vorher liegen
Die Einbahnstraße ist nicht die einzige Hürde. Drei Bedingungen müssen erfüllt sein, bevor der erste Kindartikel entsteht — und zwei davon werden regelmäßig zu spät entdeckt.
- Kein Bestand, keine Bestandsführung. Der Guide ist eindeutig: „Artikel dürfen nicht mit Bestandsführung arbeiten und Lagerbestand haben, damit aus ihnen Kindartikel werden können." Ein eingeführter Artikel mit Lagerbestand lässt sich also nicht eben schnell umbauen.
- Keine laufenden Marktplatzangebote. „Sie haben alle auf weiteren Marktplätzen (Kaufland, Otto usw.) laufenden Angebote für den Artikel beendet, da ein Artikel mit laufenden Angeboten nicht in einen Vaterartikel umgewandelt werden kann." Diese Bedingung kostet Umsatzzeit und gehört deshalb in die Planung, nicht in die Umsetzung.
- Kindartikel bleiben eingeschränkt. „Der einzige Unterschied ist, dass diese Kindartikel keine eigenen Kategorien und keine weiteren Variationen haben können." Wer erwartet, einzelne Farben in eigene Shop-Kategorien zu hängen, wird enttäuscht.
Eine vierte Kleinigkeit, die beim ersten Mal überrascht: Die Artikelnummer, die Sie am Variationswert eintragen, wird beim Erzeugen der Kinder verworfen. Der Guide schreibt: „Wenn Sie einen Kindartikel erstellen, wird die hier eingegebene Artikelnummer ignoriert und die nächste freie Nummer des Nummernkreises für Artikel verwendet." Die Nummernbildung steuern Sie stattdessen im Erstellungsdialog über Trennzeichen und Bausteine. Ähnlich die GTIN: Sie wird beim Erstellen der Kindartikel nur dann übernommen, wenn genau eine Variation angelegt ist. Bei zwei Dimensionen pflegen Sie die Nummern je Kind — dazu passt unser Beitrag zu GTIN und EAN in der Produktdatenpflege.
4. Ein Merkmal ist keine Variation
Ein Merkmal ist keine Variation. Dieser Satz gehört an den Anfang jedes Stammdatenprojekts, weil die Verwechslung so verbreitet ist. Merkmale beschreiben Eigenschaften eines Artikels und dienen im Shop als Filter. Variationen erzeugen eine Kaufauswahl und sind die Grundlage für Kindartikel. Aus einem Merkmal entsteht niemals ein Kindartikel.
Wie hartnäckig sich das hält, zeigt ein Blick in die Suchergebnisse zum Thema. Dort steht in einem Ratgeber wörtlich, JTL-Wawi erstelle nach dem Anlegen der Attribute „automatisch Kindartikel für jede mögliche Kombination der gewählten Merkmale". Das ist gleich doppelt falsch: Attribute und Merkmale sind in JTL-Wawi eigene Objekte mit eigenen Aufgaben, und automatisch passiert gar nichts — Sie klicken im Dialogfenster ausdrücklich auf „Alle erstellen" oder „Markierte erstellen".
Was tatsächlich zwischen beiden Welten passiert, ist die Vererbung: „Ein Kindartikel hat immer einen Vaterartikel, der zahlreiche Artikeleigenschaften an seine Kinder überträgt bzw. ‚vererbt', wie z. B. Attribute, Merkmale und optional auch die (Varianten-)Bilder." Merkmale wandern also an die Kindartikel — sie erzeugen sie aber nicht. Wo genau die Unterschiede zwischen Attributen, Merkmalen und Eigenen Feldern liegen und welches Objekt in welchen Kanal geht, klären wir separat im Beitrag zu Attributen, Merkmalen und Eigenen Feldern in JTL-Wawi.
5. Fünf Fragen vor dem ersten Kindartikel
Weil die Entscheidung nur einmal fällt, lohnt sich eine halbe Stunde Vorbereitung. Diese fünf Fragen beantworten wir mit Kunden, bevor irgendjemand einen Dialog öffnet. Sie stammen nicht aus einer Vorlage, sondern aus den Fällen, in denen hinterher neu gebaut werden musste.
- Welche Eigenschaften unterscheiden Ihre Ware wirklich im Lager? Nur was einen eigenen Bestand braucht, ist eine Variation. Ein Shirt in drei Größen und vier Farben hat zwölf Bestände, also zwei Dimensionen. Eine Geschenkverpackung ändert am Bestand nichts und ist deshalb keine. Der Guide nennt genau dieses Beispiel: ein Buch mit der Variation Geschenkverpackung, das trotzdem „nur in einer Ausführung auf Lager" liegt.
- Welche Eigenschaft kommt in zwei Jahren dazu? Die unbequemste Frage, und die wichtigste. Führen Sie heute nur eine Länge, planen aber ab dem nächsten Sortimentswechsel zwei Materialien, dann legen Sie die Dimension besser sofort an — auch wenn sie zunächst nur einen Wert hat. Ein Wert lässt sich später ergänzen, eine Dimension nicht.
- Wie viele Kombinationen entstehen — und wollen Sie alle? Drei Dimensionen mit je fünf Werten ergeben 125 Kindartikel, jeder mit Bestand, Bild, Preis und GTIN. JTL-Wawi zwingt Sie zu nichts: Über „Markierte erstellen" erzeugen Sie gezielt nur die Kombinationen, die Sie führen. Der Guide nennt als Beispiel bestimmte Größen, die es nur in einem Teil der Farben gibt. Nutzen Sie das, statt eine Matrix zu füllen, die Sie nie verkaufen.
- Wie soll die Auswahl im Shop aussehen? Die Darstellungsform legen Sie je Variation fest: Dropdown, Radiobutton, Swatches, Textbox, Freitext oder Pflichtfreitext. Sie entscheidet mit über die Kaufbarkeit — eine Farbauswahl als Dropdown mit vierzig Einträgen ist etwas anderes als vierzig Swatches. Wenn Sie darüber hinaus Filter, Sortierungen oder Größentabellen brauchen, führt der Weg über Plugins für JTL-Shop.
- Welche Variation trägt die Bilder? Der Guide rät: „Sie sollten nur bei einer Variation Bilder hinterlegen." Bei Farbe und Größe ist das die Farbe. Das Variantenbild wird zudem nur dann verwendet, wenn Sie als Darstellungsform Swatches wählen. Damit wird aus einer Stammdatenfrage eine Produktionsfrage — wie viele Aufnahmen brauchen Sie, in welcher Qualität? Antworten dazu stehen in unserem Beitrag zur Produktfotografie für den Onlineshop.
Eine sechste Frage stellt sich erst, wenn die Matrix groß wird: Bleibt die Pflege überhaupt in der Warenwirtschaft? Sobald mehrsprachige Texte, Kanalvarianten und Medien je Kombination dazukommen, arbeiten manche Betriebe besser mit einem vorgelagerten System. Wann sich das lohnt und welche Anbieter infrage kommen, vergleichen wir im Beitrag zu PIM-Systemen im Vergleich.
Im JTL-Shop bekommt jeder Kindartikel eine eigene Adresse. Laut JTL-Guide sind Vater- und Kindartikel standardmäßig indexierbar, und die Kinder verweisen per Canonical-Tag auf ihren Vaterartikel. Für Größen passt das meist. Hat eine Farbe eigene Suchnachfrage, eigene Bilder und eigenen Text, kann eine eigene kanonische Seite sinnvoller sein. Welche Einstellung das steuert und wie Sie sie prüfen, steht im Beitrag zum Canonical-Tag für Varianten im Shop.
6. Grenzen: was JTL dokumentiert und was nicht
Zu kaum einer Frage kursieren so viele Zahlen wie zur maximalen Größe einer Variationsmatrix. Wir geben nur weiter, was belegt ist — und sagen deutlich, wo nichts belegt ist.
Nicht dokumentiert: eine Obergrenze für die Anzahl der Variationen, der Variationswerte oder der Kindartikel je Vaterartikel innerhalb von JTL-Wawi. Wir haben die einschlägigen Guide-Seiten am 7. September 2026 im Volltext gelesen; keine nennt eine Zahl. Die in Foren und Agenturbeiträgen kursierenden Werte reichen wir bewusst nicht weiter. Praktisch begrenzen sich Matrizen ohnehin selbst: Jede Kombination ist ein Artikel, den jemand pflegen muss.
Dokumentiert: eine Grenze für die Ausspielung. Für die weiteren Verkaufskanäle schreibt der Guide unter den Voraussetzungen: „Die Artikel, die Sie an den Verkaufskanal übermitteln möchten, haben maximal 500 Kinder. Artikel mit mehr als 500 Kindern können nicht zu einem weiteren Verkaufskanal übermittelt werden." Dieselbe Zahl steht unabhängig davon in der Anleitung zu den Amazon-Produktdetailseiten mit dem Lister 2.0. Wer Marktplätze bedient, hat damit eine harte Obergrenze — und sie liegt nicht in der Warenwirtschaft, sondern in der Anbindung.
Eine zweite Grenze ist sprachlicher Natur und wird gern unterschätzt. Der Verkaufskanal bekommt die Namen Ihrer Variationen und Variationswerte so übermittelt, wie sie in JTL-Wawi stehen. Der Guide beschreibt drei mögliche Reaktionen: Bei identischen Namen nimmt der Kanal das Angebot an. Bei abweichenden, aber übersetzbaren Namen ebenfalls — das Beispiel im Guide ist „Königsblau", das der Kanal als „Blau" erkennt. Bei einem Namen wie „Amaryllisglut" lehnt er ab. Marketinggetriebene Farbnamen sind also nicht nur Geschmackssache, sondern eine Frage der Listungsfähigkeit. Zuordnen lässt sich das nachträglich, aber es ist Arbeit je Kanal und je Kategorie.
Bei Amazon kommt ein eigenes Feld dazu: Über die Variationsthemabezeichnung teilen Sie mit, durch welche Eigenschaften sich die Kindartikel unterscheiden — für Vater und alle Kinder dieselbe Option. Der Guide warnt zugleich davor, dieselben Angaben zusätzlich in die Marktplatzfelder Farbe und Größe zu schreiben: „Wenn Sie die Marktplatzfelder ausfüllen, werden die Daten doppelt übermittelt." Auch das ist ein Argument dafür, die Dimensionen früh und bewusst zu wählen: Der Marktplatz will genau eine konsistente Antwort darauf, was Ihre Varianten unterscheidet.
7. Wenn eine Variation ohne Kindartikel genügt
Kindartikel sind nicht die bessere Lösung, sondern die aufwendigere. Es gibt Fälle, in denen die reine Variation die richtige Wahl ist — und der Guide beschreibt sie ausdrücklich.
Das erste Kriterium ist der Bestand. „Sie können Variationsartikel auch ohne Kindartikel verkaufen. Das hat jedoch Nachteile, da Variationen keine eigenständigen Artikel sind. […] Zum Beispiel können Sie keinen Lagerbestand pro Variation erfassen." Wenn die Auswahl den Lagerbestand nicht berührt, ist dieser Nachteil keiner. Das Guide-Beispiel: ein Buch mit den Werten „mit Geschenkverpackung" und „ohne Geschenkverpackung". Das Buch liegt in einer Ausführung im Regal; verpackt wird nach der Bestellung.
Wichtig ist dabei eine Versionsgrenze, die viele Altbestände betrifft: „Ab JTL-Wawi 1.6 werden Lagerbestände in einfachen Variationen nicht mehr unterstützt. Um die korrekten Lagerbestände für Ihre Variationen anzugeben, müssen Sie mit Kindartikeln arbeiten." Wer aus sehr alten Datenbeständen migriert und sich noch an bestandsführende Variationen erinnert: Diesen Weg gibt es nicht mehr.
Der zweite Fall ist die Individualisierung. Die Darstellungsformen Freitext und Pflichtfreitext lassen Ihre Kunden im Shop einen Text zum Artikel angeben — für Gravuren, Namensdrucke, Widmungen. Der eingegebene Text landet im Auftrag. Diese Option funktioniert laut Guide „nur […], wenn die Variation keine Variationswerte hat", schließt Kindartikel also technisch aus. Eine Einschränkung gehört dazu: „Die Darstellungsoptionen Freitext und Pflichtfreitext sind für eBay-Artikel nicht verfügbar. Artikel mit diesen Typen können nicht zu eBay übertragen werden." Wer über eBay verkauft, braucht für solche Artikel einen anderen Weg.
Der dritte Fall ist der Aufpreis. Je Variationswert lässt sich ein pauschaler Aufpreis netto oder brutto hinterlegen, der auch negativ sein darf; über individuelle Aufpreise sind abweichende Werte je Kundengruppe möglich. Solange sich Varianten nur im Preis und im Gewicht unterscheiden — für Letzteres gibt es das Feld Gewichtsabweichung in Kilogramm —, kommen Sie ohne eigene Artikel aus. Beachten Sie nur: „Alle Angaben, die Sie im Bereich Allgemein treffen, werden nur berücksichtigt, wenn Sie anschließend keine Kindartikel erstellen."
8. Wenn doch neu gebaut werden muss
Manchmal ist die Entscheidung längst gefallen, und zwar falsch. Dann steht der Neuaufbau an. Der Weg dorthin steht im Guide, und er ist unmissverständlich: „alle vorhandenen Kindartikel löschen und nach Angabe der neuen Variation neu erstellen". Löschen heißt hier wirklich löschen — mit allem, was an diesen Artikeln hängt.
Daneben gibt es in der Registerkarte Kindartikel eine zweite Schaltfläche, die viele übersehen: Lösen. Dazu schreibt der Guide: „Bitte beachten Sie, dass die gelösten Artikel nicht gelöscht werden, sondern als gewöhnliche Artikel im System vorhanden bleiben. Sie befinden sich in den Kategorien des Vaterartikels." Nummern, Bestände und Historie bleiben also erhalten, die Artikel sind nur nicht mehr an den Vater gebunden. Ob das Lösen allein reicht, um die Sperre für eine weitere Variation aufzuheben, sagt der Guide nicht — er nennt ausschließlich das Löschen. Wir behaupten es deshalb nicht. Testen Sie den Weg an einem duplizierten Artikel, bevor Sie ihn auf ein Sortiment loslassen; danach wissen Sie, ob Sie Ihre gepflegten Kinder retten können oder wirklich neu anlegen müssen.
- Sichern: Datenbanksicherung anlegen, JTL-Worker beenden.
- Am Duplikat testen: Den Weg erst an einem kopierten Artikel durchspielen.
- Kinder entfernen: Löschen laut Guide, Lösen nur nach eigenem Test.
- Neu aufbauen: Alle Dimensionen setzen, dann Kombinationen erzeugen.
Für große Sortimente führt der Weg über JTL-Ameise — allerdings nicht so, wie viele vermuten. Zwei Punkte aus der Dokumentation sind entscheidend:
- Der Variationsimport kann nicht umbenennen. Wörtlich: „Mit diesem Import ist nur eine Änderung der Darstellungsform und der Sortierung von bereits bestehenden Variationen möglich. Eine Umbenennung der Variationen oder Variationswerte ist nicht möglich." Wer glaubt, eine schlecht benannte Dimension per CSV zu korrigieren, verliert einen Nachmittag.
- Der Aufbau läuft zweistufig. Für Kindartikel empfiehlt der Guide, zuerst die Vaterartikel zu importieren und in einem zweiten Lauf die Kinder über das Feld „Vaterartikel ID-Feld" zuzuordnen. Grund: Lieferantenlisten enthalten in der Praxis meist nur die Kinder, JTL-Wawi braucht aber die Väter zuerst.
Zwei Sicherheitsregeln gelten bei beiden Importen und stehen so im Guide: vorher eine Datenbanksicherung anlegen und den JTL-Worker abschalten. Beides steht dort nicht als Empfehlung, sondern als Anweisung. Und noch ein Detail für den Massenweg: Kindartikel lassen sich auch direkt aus der Artikelübersicht für viele markierte Artikel auf einmal erzeugen — aber nur für Artikel, die nicht mit Bestandsführung arbeiten. Die Grundregel gilt eben auch hier.
Wenn nach dem Neuaufbau einzelne Eigenschaften an allen Kindern nachgezogen werden müssen, brauchen Sie sie nicht einzeln zu öffnen: Ändern Sie den Vaterartikel, markieren Sie die betroffenen Kinder und nutzen Sie die Schaltfläche „Vererben". Im folgenden Dialog wählen Sie gezielt die Bereiche aus, die übertragen werden sollen.
- ArtikelartenSechs: einfach, Variation, Kind, Vater, Konfiguration, Stückliste
- Keine ArtikelartSet und Bundle. Beide sind Anwendungsfälle der Stückliste.
- VariationEine Eigenschaft mit mehreren Werten, kein eigener Artikel
- KindartikelEigenständiger Artikel je Wertekombination, mit eigenem Bestand
- EinbahnstraßeNach dem ersten Kindartikel kommt keine Variation mehr dazu.
- VorbedingungKeine Bestandsführung, kein Lagerbestand, keine laufenden Angebote
- Bestand je VarianteSeit JTL-Wawi 1.6 ausschließlich über Kindartikel
- Grenzen der KinderKeine eigenen Kategorien, keine weiteren Variationen
- Dokumentierte ZahlMaximal 500 Kinder für weitere Verkaufskanäle
- Nicht dokumentiertEine Obergrenze für Variationen oder Werte in JTL-Wawi selbst
- RettungswegLösen statt Löschen erhält die Artikel im System.
- StandAlle Angaben am 7. September 2026 im JTL-Guide geprüft
9. Fazit: eine Stunde Planung spart einen Neuaufbau
Der Variationsaufbau ist in JTL-Wawi keine Einstellung, sondern eine Festlegung. Drei Sätze fassen den Beitrag zusammen. Erstens: Nur Kindartikel tragen Bestand. Wer Bestände je Ausführung braucht, kommt an ihnen nicht vorbei — seit Version 1.6 ohne Ausnahme.
Zweitens: Die Zahl der Dimensionen steht danach fest. Werte lassen sich ergänzen, Variationen nicht. Diese eine Regel entscheidet darüber, ob ein Sortiment mitwächst oder in zwei Jahren neu aufgebaut wird. Und drittens: Die Vorbedingungen liegen alle vorher. Kein Bestand, keine Bestandsführung, keine laufenden Marktplatzangebote — wer das erst im Umsetzungstermin merkt, verliert Verkaufstage.
In der Praxis scheitert selten die Software. Es scheitert die Annahme, man könne später nachsteuern. Ein Sortiment einmal sauber durchzudenken, dauert weniger lang, als eine einzige Artikelgruppe neu aufzubauen — und es ist eine der wenigen Stellen, an denen sich diese Rechnung so klar aufmachen lässt. Wenn Sie mögen, gehen wir Ihre Artikelstruktur gemeinsam durch, bevor der erste Kindartikel entsteht.
10. Häufige Fragen zu Variationen und Kindartikeln
Was ist der Unterschied zwischen Variation und Kindartikel?
Eine Variation ist laut JTL-Guide eine Eigenschaft eines Artikels, bei der Ihre Kunden zwischen mehreren Werten wählen können. Sie ist kein eigener Artikel. Ein Kindartikel dagegen ist ein eigenständiger Artikel für genau eine Wertekombination, mit eigenem Lagerbestand, eigenem Preis und eigenen Texten. Bestand je Variante gibt es deshalb nur über Kindartikel.
Kann ich nachträglich eine weitere Variation hinzufügen?
Nein. Der JTL-Guide formuliert es unmissverständlich: Sobald Sie aus einer Variation mit unterschiedlichen Werten Kindartikel erstellt haben, lässt sich keine weitere Variation mit Werten mehr hinzufügen. Sie müssen alle vorhandenen Kindartikel löschen und sie nach Angabe der neuen Variation neu erstellen. Planen Sie die Dimensionen deshalb vorher.
Was ist ein Vaterartikel in JTL-Wawi?
Ein Vaterartikel ist der Variationsartikel, aus dem Kindartikel abgeleitet wurden. Wichtig für die Suche in der Software: Der Begriff steht laut Guide nicht in der Benutzeroberfläche, er beschreibt nur ein Konzept. Ein Vaterartikel ist außerdem kein eigener Artikel, sondern besteht ausschließlich aus seinen Kindartikeln.
Wie viele Kindartikel sind pro Artikel möglich?
Für JTL-Wawi selbst nennt der Guide keine Obergrenze. Dokumentiert ist nur eine Grenze für die Ausspielung: Artikel mit mehr als 500 Kindern lassen sich nicht an weitere Verkaufskanäle übermitteln. Diese Zahl steht auf zwei Guide-Seiten. Kursierende Höchstwerte aus Foren geben wir bewusst nicht weiter.
Ist ein Merkmal dasselbe wie eine Variation?
Nein, und diese Verwechslung ist die häufigste im JTL-Umfeld. Merkmale beschreiben Eigenschaften und dienen im Shop als Filter. Variationen erzeugen eine Kaufauswahl und sind die Grundlage für Kindartikel. Aus Merkmalen entstehen keine Kindartikel. Der Guide führt beide ausdrücklich als getrennte Objekte mit getrennten Aufgaben.
Warum lässt sich mein Artikel nicht in einen Vaterartikel umwandeln?
Dafür gibt es zwei dokumentierte Gründe. Erstens darf der Artikel nicht mit Bestandsführung arbeiten und keinen Lagerbestand haben. Zweitens dürfen keine Angebote auf weiteren Marktplätzen wie Kaufland oder Otto laufen. Beenden Sie diese Angebote, bevor Sie den ersten Kindartikel erstellen, sonst schlägt die Umwandlung fehl.
Wann genügt eine Variation ohne Kindartikel?
Wenn die Auswahl den Lagerbestand nicht verändert. Der Guide nennt als Beispiel ein Buch mit der Variation Geschenkverpackung: Das Buch liegt in einer Ausführung im Lager, die Auswahl ändert daran nichts. Auch Freitext und Pflichtfreitext für Gravuren funktionieren nur ohne Variationswerte, also ohne Kindartikel.
Was passiert mit Kindartikeln, wenn ich neu aufbauen muss?
Der Guide nennt genau einen Weg: alle Kindartikel löschen und nach Angabe der neuen Variation neu erstellen. Daneben gibt es die Schaltfläche Lösen, nach der die Artikel als gewöhnliche Artikel im System erhalten bleiben. Ob Lösen die Sperre ebenfalls aufhebt, ist nicht dokumentiert. Testen Sie das an einem Duplikat.
11. Quellen & offizielle Dokumentation
Alle folgenden Quellen wurden am 7. September 2026 abgerufen und im Volltext gegengelesen; die zitierten Formulierungen stammen wörtlich daraus. Herstellerdokumentation ändert sich, und einzelne Seiten tragen noch einen älteren Versionsstand — bitte prüfen Sie den Stand vor einer Umstellung erneut. Externe Quellen öffnen in einem neuen Tab.
- JTL-Guide: Artikelarten und Artikeltypen in JTL-Wawi — Die abschließende Liste der sechs Artikelarten, die Definitionen von Variation und Variationswert, die Unterscheidung ein- und mehrdimensional sowie der Hinweis, dass der Begriff Vaterartikel in der Oberfläche nicht vorkommt.
- JTL-Guide: Variationsartikel anlegen — Der Hinweis zur Einbahnstraße im Wortlaut und die Feststellung, dass Lagerbestände in einfachen Variationen ab JTL-Wawi 1.6 nicht mehr unterstützt werden. Die Seite trägt sichtbar den Vermerk Stand JTL-Wawi Version 1.6.32.1.
- JTL-Guide: Kindartikel erstellen — Die Vererbung vom Vater auf die Kinder, die Einschränkung zu Kategorien und weiteren Variationen, die Vorbedingung zu laufenden Marktplatzangeboten sowie die Wahl zwischen einzelnen und allen Kombinationen.
- JTL-Guide: Detailbeschreibung Artikelstammdaten – Variationen — Die Bedingung, dass Artikel ohne Bestandsführung und ohne Lagerbestand sein müssen, alle sechs Darstellungsformen der Variationsauswahl und die Regel, dass eingegebene Artikelnummern beim Erstellen von Kindartikeln ignoriert werden.
- JTL-Guide: Detailbeschreibung Artikelstammdaten – Kindartikel — Die Funktionsleiste mit Hinzufügen, Vererben, Löschen, Ändern, Zuordnen und Lösen — und die Feststellung, dass gelöste Kindartikel nicht gelöscht werden, sondern als gewöhnliche Artikel erhalten bleiben.
- JTL-Guide: Variationen zuordnen bei weiteren Verkaufskanälen — Die einzige Zahl, die JTL zum Variantenumfang nennt: maximal 500 Kinder für die Übermittlung. Dazu die drei möglichen Reaktionen eines Verkaufskanals auf einen Variationswertnamen, den er nicht kennt.
- JTL-Guide: Amazon-Produktdetailseiten für Artikel mit Variationen (Lister 2.0) — Die zweite, unabhängige Nennung der 500-Kinder-Grenze sowie das Marktplatzfeld Variationsthemabezeichnung, über das Amazon erfährt, welche Variationen die Kindartikel voneinander unterscheiden.
- JTL-Guide: Variationen mit JTL-Ameise importieren — Der Warnhinweis, dass dieser Import nur Darstellungsform und Sortierung bestehender Variationen ändert und eine Umbenennung von Variationen oder Variationswerten nicht möglich ist.
- JTL-Guide: Variationskombinationen importieren — Das zweistufige Vorgehen beim Massenimport: erst die Vaterartikel anlegen, dann die Kindartikel über das Vaterartikel-ID-Feld zuordnen. Mit der ausdrücklichen Aufforderung, vorher zu sichern und den Worker abzuschalten.