ERP & Warenwirtschaft

JTL-Wawi Version 2.0: was der Sprung von 1.11 verlangt

Nach 1.11 kommt nicht die 1.12, sondern die 2.0. JTL begründet das mit einem Plattformwechsel — sagt aber an vier Stellen vier verschiedene Dinge darüber, was dieser Wechsel an Windows, .NET und SQL Server voraussetzt. Dieser Beitrag stellt die Quellen nebeneinander, statt sich eine auszusuchen, und trennt sauber zwischen dem, was belegt ist, und dem, was JTL offenlässt.

Illustration: Ein Monitor, ein kleiner Servercomputer und ein Stapel aus zwei flachen Karten stehen nebeneinander auf einer leeren Fläche
2.0.6 höchste Stable-Version, erstellt am 24.07.2026 3 Quellen nennen drei verschiedene Betriebssysteme 0 Termine für das End-of-Life älterer Versionen

Auf JTL-Wawi 1.11 folgt 2.0, nicht 1.12: JTL hat mit dieser Version auf semantische Versionierung umgestellt. Welche Systemanforderungen daran hängen, sagt der Hersteller allerdings uneinheitlich — der Release-Blog nennt .NET 8, die Systemvoraussetzungen im Guide nennen .NET Framework 4.8. Beides stand am 7. September 2026 nebeneinander.

Stand am 7. September 2026: Alle Angaben stammen aus offiziellen Quellen von JTL-Software und wurden an diesem Tag einzeln geladen und im Volltext gegengelesen. Die Fundstellen stehen am Ende. Hersteller ändern Dokumentation und Anforderungen — prüfen Sie den Stand vor einem Versionswechsel erneut. Wo sich Quellen widersprechen, sagen wir das ausdrücklich, statt uns eine Seite auszusuchen.

1. Warum auf 1.11 die 2.0 folgt

Der Sprung von 1.11 auf 2.0 sieht nach einem Marketing-Entschluss aus. Er ist aber eine Regel. JTL hat mit dieser Version die semantische Versionierung eingeführt — dasselbe Schema, das große Teile der Softwarebranche nutzen. Es lautet MAJOR.MINOR.PATCH.

Die drei Stellen bedeuten laut JTL Folgendes: Die erste Stelle springt bei tiefgreifenden technischen Änderungen. Die zweite Stelle steht für neue Funktionen, die in der Regel abwärtskompatibel sind. Die dritte Stelle steht für Fehlerbehebungen und Sicherheitsupdates. In der Übersicht des Herstellers heißen die drei Stufen schlicht Breaking Changes, neue Features und Bugfixes.

Damit ist die Frage beantwortet, warum es keine 1.12 gab. Aus JTLs Sicht war der Wechsel technisch zu groß für eine Zwischenstufe. Der Hersteller nennt den Sprung von 1.11 auf 2.0 selbst als Beispiel für einen Major-Wechsel.

Ein Punkt vorweg, weil er die folgenden Abschnitte einordnet: Version 2.0 ist ausgeliefert, nicht angekündigt. Für diese Artikelreihe haben wir Datenbankprüfungen gegen eine produktive Installation der Version 2.0.5.0 gefahren. Die Widersprüche, um die es gleich geht, betreffen also keine Vorschau, sondern eine Version, die in Betrieben täglich läuft.

Bemerkenswert ist, wo diese Erklärung steht: ausschließlich im Release-Beitrag im JTL-Blog vom 17. März 2026. Eine Suche in der Guide-Dokumentation nach dem Begriff „semantische Versionierung" liefert am 7. September 2026 null Treffer. Das Versionsschema, nach dem Ihre Updates künftig benannt werden, ist also nicht Teil der Produktdokumentation, sondern Teil eines Blogbeitrags. Diese Trennung erklärt einen guten Teil der Widersprüche, um die es in diesem Beitrag geht.

Für die Praxis heißt das zunächst Erfreuliches: Sie erkennen an der Versionsnummer, ob ein Release Funktionen bringt oder nur Fehler behebt. Wie Sie ein solches Release dann konkret einspielen — Reihenfolge, Plugin-Freigaben, Rollback-Plan —, haben wir im Beitrag zum JTL-Wawi-Update und seinem Ablauf ausführlich beschrieben. Hier geht es um die Stufe davor: um das, was Ihre Infrastruktur mitbringen muss, bevor der Ablauf überhaupt beginnt.

2. Zwei offizielle Seiten, zwei Antworten

Wer die Systemanforderungen von JTL-Wawi nachschlägt, landet auf einer von zwei Seiten. Die eine ist die Guide-Seite „Systemvoraussetzungen aller JTL-Produkte". Die andere ist die FAQ auf der Downloadseite. Beide sind offiziell, beide sind über die Suche gut erreichbar — und beide sagen an mehreren Stellen etwas anderes.

Wir haben beide Seiten am 7. September 2026 geladen und die Angaben nebeneinandergestellt. Das Ergebnis:

Was zwei offizielle JTL-Quellen am 7. September 2026 zu denselben Fragen sagen
Frage JTL-Guide, Systemvoraussetzungen Downloadseite, FAQ
Welche .NET-Grundlage? Microsoft .Net Framework min. 4.8, sowohl am Arbeitsplatz als auch am Datenbankserver. .NET Framework: Version 4.8.
Betriebssystem am Arbeitsplatz? Windows 11. Eine zweite Möglichkeit wird nicht genannt. Windows 10 oder 11.
Betriebssystem am Datenbankserver? Windows 11 oder Windows Server 2016 oder höher. Windows 11; Windows Server 2016 oder höher.
Welche SQL-Server-Version? MS SQL Server 2022 (empfohlen). Weitere Versionen nennt die Seite nicht. Keine Version. Genannt werden nur die Grenzen der Express-Edition.
Windows Server 2025? Wird aktuell noch nicht unterstützt. Der Satz steht dreimal auf der Seite. Nicht erwähnt.

Zwei Zeilen weichen klar voneinander ab: das Betriebssystem am Arbeitsplatz und die SQL-Server-Version. Und es gibt eine dritte Quelle, die in dieser Tabelle gar nicht vorkommt: den Release-Beitrag zu Version 2.0. Er nennt eine .NET-Grundlage, die auf keiner der beiden Seiten steht.

Bevor wir die Punkte einzeln durchgehen, ein Hinweis zur Einordnung. Beide Seiten tragen im eingebetteten Markup ein Änderungsdatum. Die Guide-Seite nennt dort den 28. Januar 2026 — rund sechs Wochen vor dem Erscheinen von 2.0.0 am 9. März 2026. Die Downloadseite nennt den 26. August 2026. Dieses Feld sagt allerdings nur, wann der Seiten-Datensatz zuletzt geändert wurde, nicht welcher Absatz. Wir nutzen es deshalb als Indiz, nicht als Beweis. Maßgeblich bleibt in diesem Beitrag durchgängig das Abrufdatum.

3. Der .NET-Widerspruch: .NET 8 gegen Framework 4.8

Der Release-Beitrag zu Version 2.0 ist an dieser Stelle sehr deutlich. Wörtlich heißt es dort: „Mit JTL-Wawi 2.0 stellen wir die Anwendung auf .NET 8 um, woran diverse neue Systemanforderungen geknüpft sind." Der Beitrag kündigt außerdem an, dass im weiteren Jahresverlauf ein Minor Update die Migration auf .NET 10 bringen soll.

Die Systemvoraussetzungen im Guide sagen etwas anderes. Dort steht für Arbeitsplätze „Microsoft .Net Framework min. 4.8" und für den Datenbankserver „min. Microsoft .Net Framework 4.8". Die FAQ der Downloadseite nennt ebenfalls „.NET Framework: Version 4.8".

Das sind nicht zwei Schreibweisen derselben Sache. .NET Framework 4.8 ist die letzte Version der alten, ausschließlich unter Windows laufenden Plattform. .NET 8 ist die moderne, plattformübergreifende Nachfolgelinie mit eigener Laufzeitumgebung. Beide lassen sich auf demselben Rechner betreiben, aber die eine ersetzt die andere nicht.

Wir haben deshalb geprüft, ob .NET 8 an anderer Stelle im Guide auftaucht. Die Volltextsuche der Dokumentation liefert für den Begriff „Framework" genau vier Seiten. Alle vier nennen die Version 4.8. Keine einzige Guide-Seite nennt .NET 8. Zur Kontrolle: Die Systemvoraussetzungsseite, die den Begriff nachweislich enthält, steht unter diesen vier Treffern — die Suche funktioniert also.

Daraus folgt eine unbequeme, aber ehrliche Antwort. Beide gängigen Sätze wären falsch. Wer schreibt, JTL-Wawi 2.0 benötige .NET Framework 4.8, stützt sich auf Seiten, die den Plattformwechsel nicht abbilden. Wer schreibt, JTL verlange dokumentiert .NET 8, beruft sich auf einen einzigen Satz in einem Blogbeitrag, dem keine Anforderungsliste folgt. Der Blogbeitrag selbst spricht von „diversen neuen Systemanforderungen" — und nennt keine davon.

Praktisch ist das weniger dramatisch, als es klingt: Die .NET-Laufzeit installiert das Setup mit, und moderne Windows-Systeme bringen 4.8 bereits mit. Relevant wird der Punkt dort, wo Umgebungen streng verwaltet werden — bei gesperrten Arbeitsplätzen, restriktiven Softwarefreigaben oder Servern ohne Internetzugang. Dort brauchen Sie vorab eine belastbare Liste, und die gibt es aus den öffentlichen Quellen derzeit nicht.

4. Windows: was gilt am Arbeitsplatz?

Beim Betriebssystem ist der Widerspruch offener. Die Systemvoraussetzungen im Guide nennen für Arbeitsplätze nur noch Windows 11. Eine Alternative steht dort nicht. Begründet wird das mit einem Hinweiskasten: Microsoft habe den Support für Windows 10 am 14. Oktober 2025 eingestellt, und Windows 10 unterstütze kein TLS 1.3. JTL empfiehlt darin ausdrücklich einen zeitnahen Umstieg auf Windows 11.

Die Frist selbst haben wir unabhängig gegengeprüft: Microsoft nennt im Lifecycle-Eintrag zu Windows 10 Home und Pro denselben Stichtag. Der Hinweis von JTL ist an dieser Stelle also korrekt — auffällig ist nur, dass er auf der Seite weiterhin in der Zukunftsform steht, obwohl das Datum knapp elf Monate zurückliegt.

Die FAQ der Downloadseite sagt am selben Stichtag schlicht: „Betriebssystem: Windows 10 oder 11". Und eine dritte Guide-Seite geht noch weiter zurück. Die Anleitung „JTL-Wawi serverbasiert auf mehreren Arbeitsplätzen installieren" führt als Client-Betriebssysteme Windows 7, Windows 8, 8.1 und Windows 10 auf. Windows 11 fehlt dort ganz. Als Datenbankserver nennt sie „mindestens einen MS SQL Server 2016" und Betriebssysteme bis hinunter zu Windows Server 2008 R2.

Diese dritte Seite ist der schärfste Beleg dafür, dass die Anforderungsblöcke nicht mit dem Release gepflegt wurden. Denn dieselbe Seite trägt einen ausdrücklich neuen Hinweis: „Ab JTL-Wawi 2.0 müssen Sie in dem Setup-Fenster Installationsrolle eine Installationsrolle wählen." Jemand hat die Seite also für Version 2.0 angefasst — und den Kasten mit Windows 7 danebenstehen lassen.

Für Ihre Planung bleibt trotzdem eine klare Empfehlung, und sie kommt nicht von uns, sondern von JTL selbst: Planen Sie Arbeitsplätze auf Windows 11. Die Systemvoraussetzungsseite ist die Seite, auf die der Update-Guide verweist, und sie nennt nichts anderes. Wer noch Geräte im Bestand hat, die Windows 11 nicht tragen, hat damit ein Hardware-Thema und kein Wawi-Thema. Wie sich ein größerer Gerätewechsel zentral steuern lässt, beschreibt unser Beitrag zu Microsoft Intune im Mittelstand.

Eine Randnotiz, die zeigt, wie tief die Uneinheitlichkeit sitzt: Auf derselben Systemvoraussetzungsseite steht für JTL-WMS „Windows 10 oder höher", während für JTL-Wawi und JTL-Workbench nur Windows 11 genannt wird. Drei JTL-Produkte, eine Seite, zwei Anforderungen.

Wawi-Arbeitsplätze, die noch nicht auf Windows 11 umziehen können, lassen sich mit den erweiterten Sicherheitsupdates von Microsoft überbrücken. Für Firmen-PCs kostet das erste Jahr laut Microsoft 61 USD je Gerät, jedes weitere Jahr das Doppelte, und am 10. Oktober 2028 endet das Programm. Neue Funktionen enthält es nicht, und TLS 1.3 unterstützt Windows erst ab Version 11. Wann ein neues Gerät günstiger ist, zeigt unser Beitrag zu Windows 10 ESU im Unternehmen.

5. Windows Server 2025: die eindeutige Aussage

Es gibt einen Punkt, an dem die Dokumentation völlig klar ist — und er ist ausgerechnet der, den Betriebe beim Hardwarekauf am ehesten übersehen. Wörtlich steht auf der Systemvoraussetzungsseite: „Der Windows Server 2025 wird aktuell noch nicht unterstützt."

Dieser Satz steht dort dreimal: einmal beim Datenbankserver für JTL-Wawi, einmal bei JTL-WMS und einmal bei JTL-Workbench. Eine dreifache Wiederholung ist im JTL-Guide selten. Sie legt nahe, dass genau diese Frage häufig gestellt wird.

Die Konsequenz ist unangenehm konkret. Wer 2026 einen neuen Server beschafft, bekommt vom Systemhaus in der Regel die aktuelle Serverversion angeboten. Genau die ist für JTL-Wawi nicht freigegeben. Als unterstützt nennt der Guide „Windows Server 2016 oder höher" — mit dem Windows Server 2025 als ausdrücklicher Ausnahme. Praktisch heißt das: Zielversion ist derzeit Windows Server 2022.

Klären Sie diesen Punkt vor der Bestellung, nicht nach der Lieferung. Ein Server, der bereits im Rack steht, lässt sich nur mit erheblichem Aufwand zurückstufen. Wer die Frage umgehen möchte, kann den Datenbankbetrieb auch auslagern; die Wege dorthin beschreibt unser Ratgeber zum Cloud-Hosting für JTL-Wawi.

6. SQL Server: drei Seiten, drei Listen

Beim Datenbankserver wird es unübersichtlich. Drei JTL-Seiten beantworten die Frage nach der SQL-Version, und keine zwei davon sagen dasselbe.

Drei JTL-Seiten zur SQL-Server-Version, alle am 7. September 2026 abgerufen
JTL-Seite Was dort zur SQL-Version steht Änderungsdatum im Markup
Systemvoraussetzungen aller JTL-Produkte MS SQL Server 2022 (empfohlen). Keine weitere Version wird genannt. 28.01.2026
Unterstützte Produktversionen Microsoft SQL 25, 22, 19, 17 sowie Microsoft SQL 16 (bis 14. Juli 2026). 31.08.2026
SQL-Server für JTL-Wawi optimal einrichten JTL-Wawi unterstützt ab Version 1.4 alle Varianten zwischen SQL 2016 und 2022. 01.07.2024

Aus dieser Lage lässt sich trotzdem etwas Belastbares ableiten. Erstens: Microsoft SQL Server 2022 ist die einzige Version, die JTL ausdrücklich empfiehlt. Wer neu aufsetzt oder migriert, hat damit eine klare Zielversion. Zweitens: Für SQL 2016 nennt JTL das Enddatum 14. Juli 2026. Dieses Datum ist inzwischen verstrichen. Wer noch auf SQL 2016 arbeitet, sollte den Wechsel unabhängig vom Wawi-Versionssprung einplanen.

Vorsicht ist bei der Seite „Unterstützte Produktversionen" geboten, und zwar aus einem konkreten Grund: Sie führt auch abgelaufene Einträge weiter. Dort stehen am 7. September 2026 noch „Shopware 5 (bis 31. Juli 2024)" und „JTL-Shop 5.2 (nur bis 30. September 2025)". Die Seite ist also eine Historie mit Enddaten, keine bereinigte Positivliste. Ein Eintrag darin belegt nicht automatisch, dass die Version heute unterstützt wird.

Ob Microsoft SQL Server 2025 für JTL-Wawi 2.0 freigegeben ist, lässt sich aus diesen Quellen nicht beantworten. Die eine Seite listet ihn, die andere nennt nur 2022. Wir behaupten deshalb weder das eine noch das andere — und raten für produktive Umgebungen zur empfohlenen Version. Was der SQL Server im laufenden Betrieb sonst noch braucht, von den Grenzen der Express-Edition bis zur Wartung, behandelt unser Beitrag zum SQL Server für JTL-Wawi.

Zwei Ausschlüsse sind dagegen eindeutig dokumentiert. „Azure SQL Datenbanken sowie Instanzen von Shared Microsoft SQL Server werden nicht unterstützt." Und: „Wir unterstützen MS SQL Server aktuell ausschließlich unter Windows." Wer die Datenbank bei einem beliebigen Hoster auf eine geteilte Instanz legen wollte, hat damit eine klare Absage.

7. Was Sie trotzdem sicher prüfen können

Aus all den Widersprüchen folgt nicht, dass man nichts planen kann. Die Voraussetzungsliste im Update-Guide ist am 1. September 2026 zuletzt angefasst worden und enthält mehrere harte, überprüfbare Punkte. Zusammen mit den unstrittigen Angaben der Systemvoraussetzungsseite ergibt das eine belastbare Prüfliste vor dem Sprung auf 2.0:

  1. Betriebssystem der Arbeitsplätze. Zielwert ist Windows 11. Zählen Sie die Geräte, die das nicht erfüllen, und behandeln Sie sie als eigenes Beschaffungsthema mit eigener Frist.
  2. Betriebssystem des Datenbankservers. Windows Server 2016 oder höher, aber nicht Windows Server 2025. Prüfen Sie das vor jeder Hardware-Bestellung.
  3. SQL-Server-Version. Empfohlen ist 2022. SQL 2016 hat laut JTL am 14. Juli 2026 sein Enddatum erreicht.
  4. Freier Speicherplatz auf dem SQL-Server. Der Guide ist hier ungewöhnlich deutlich: „Die Datenbank wird beim Update fast doppelt so groß." Das ist die Zahl, die in Projekten am häufigsten fehlt.
  5. Kompatibilität der Drittsysteme. Der Guide nennt als Beispiele Unicorn, LS-POS und Jera. Gemeint ist alles, was an Ihrer Wawi hängt — inklusive der Erweiterungen aus unserer Übersicht der JTL-Wawi-Plugins. Wie Sie die Freigaben systematisch einholen, steht im verlinkten Beitrag zum Update-Ablauf.
  6. Abgekündigte Connectoren. Für Gambio, modified, Oxid und Shopware 5 schreibt JTL, dass ihre Anforderungen in der Wawi-Entwicklung nicht mehr berücksichtigt werden und eine reibungslose Nutzung bei neuen Versionen nicht garantiert ist. Wer einen dieser Shops betreibt, hat vor dem Versionssprung eine Grundsatzfrage zu klären.
  7. Gleicher Versionsstand auf allen Arbeitsplätzen. Der Guide verlangt, Haupt-Client und Neben-Clients zeitnah hintereinander zu aktualisieren. Ein vergessener Rechner in der Buchhaltung ist ein klassischer Stolperstein.
  8. Kabelgebundene Verbindung. JTL warnt ausdrücklich, dass eine unzuverlässige WLAN-Verbindung das Update unterbrechen kann und JTL-Wawi danach möglicherweise nicht mehr funktioniert.
  9. Die neue Installationsrolle. Ab Version 2.0 arbeitet ein anderer Setup-Assistent, der eine Rolle abfragt: Standalone, Server oder Client. Wer das nicht weiß, wählt am Nebenrechner versehentlich die Serverrolle.

Für die Installationsrolle lohnt ein kurzer Blick in die Einrichtungslogik: Standalone gilt für den Einzelplatz, auf dem Anwendung und Datenbank zusammenliegen. Server gilt für den Rechner mit der Datenbank, Client für alle übrigen Arbeitsplätze. Wenn Sie ohnehin neu aufsetzen, hilft unsere Anleitung zum Einrichten von JTL-Wawi beim Grundaufbau.

Ein zehnter Punkt gehört ebenfalls auf die Liste, auch wenn JTL kein Datum dazu nennt: die Versandschnittstellen. Im Release-Beitrag heißt es, DHL und DPD stellten „demnächst" ihre bisherigen Schnittstellen ein, weshalb man rechtzeitig auf 2.0 aktualisieren solle. Ein Abschaltdatum steht dort nicht — wir nennen deshalb auch keines. Der Termindruck kommt in diesem Fall von den Paketdienstleistern, nicht von JTL.

8. Die Testumgebung ist ein Lizenzthema

Der Update-Guide empfiehlt „besonders bei größeren Versionssprüngen", das Update zuerst in einer Staging-Umgebung zu testen. Das klingt nach einer rein technischen Aufgabe: zweiter Rechner, Kopie der Datenbank, fertig. Tatsächlich ist es vor allem eine Lizenzfrage — und diesen Teil übersehen Betriebe regelmäßig, weil er in einem ganz anderen Kapitel der Dokumentation steht.

Der Guide nennt zwei Grundvoraussetzungen: ein zweites JTL-Kundenkonto, parallel zum produktiven Hauptkonto, und eine aktive Staging-Lizenz für jedes Produkt, das Sie testen wollen. Ohne beides ist keine zweite Umgebung vorgesehen.

Bei den Kosten unterscheidet JTL zwei Fälle. Bestandskunden erhalten für ein geplantes Update eine kostenlose Staging-Lizenz; sie ist acht Wochen gültig. Neukunden zahlen eine einmalige Gebühr in Höhe der Hälfte des Monatspreises ihrer gebuchten Edition, dann gilt die Lizenz zwei Jahre. Beides läuft über den Vertrieb von JTL, und das zweite Kundenkonto muss vorher angelegt sein.

Drei Punkte werden im Alltag unterschätzt:

  • Plugins brauchen eigene Staging-Lizenzen. Der Guide verweist für Drittanbieter-Lösungen und Erweiterungen aus dem JTL-ExtensionStore ausdrücklich an den jeweiligen Hersteller. Bei fünf Erweiterungen sind das fünf Anfragen — und jede braucht Vorlauf.
  • Marktplätze lassen sich nicht mittesten. Mit der Staging-Datenbank sind Abgleiche mit Amazon oder eBay laut Guide „in der Regel" nicht möglich, weil das die echten Daten gefährden könnte. Ein zweites Marktplatzkonto für Testzwecke sieht JTL ebenfalls nicht vor. Wer Marktplätze betreibt, testet diesen Teil also nicht vollständig ab.
  • Die Umgebung gehört auf eigene Hardware. JTL empfiehlt, JTL-Wawi für das Staging auf einem unabhängigen Rechner oder Server zu installieren, und weist auf mögliche Zusatzkosten für Betriebssystem- und Datenbanklizenzen hin.

Es gibt einen Weg, der diese Kette abkürzt, und er steht im Guide selbst: „Ein JTL Service Partner kann auf seiner eigenen Betriebsumgebung einen Probelauf mit Ihren Daten durchführen, ohne dass Sie selbst eine Staging-Umgebung betreiben müssen." Für einen Betrieb, der einmal alle zwei Jahre eine Major-Version wechselt, ist das häufig der wirtschaftlichere Weg als eine dauerhaft gepflegte zweite Umgebung. Wir bieten genau diesen Probelauf als Teil unserer Begleitung von JTL-Wawi-Updates an.

9. Vier Leerstellen, die Ihre Planung betreffen

Bis hierher ging es um Angaben, die sich widersprechen. Der schwierigere Teil sind Angaben, die es gar nicht gibt. Für einen Betrieb, der Budgets und Wartungsfenster ein Jahr im Voraus plant, sind diese vier Lücken die eigentliche Nachricht.

  • Es gibt keinen End-of-Life-Kalender. Belegt ist nur die Regel: Der Support deckt „die letzten beiden als ‚Stable' veröffentlichten Major-Versionen von JTL-Wawi sowie die aktuelle Beta-Version" ab. Der Release-Beitrag ergänzt, ältere Versionen erreichten „nach einer Übergangszeit" ihr End-of-Life. Wie lang diese Übergangszeit ist, steht nirgends. Ein Satz wie „Version 1.10 wird nicht mehr unterstützt" ist damit nicht sauber belegbar — auch wenn er plausibel klingt.
  • Es gibt keinen zugesagten Release-Rhythmus. Die einzige JTL-Seite zur Release-Struktur stammt aus dem Jahr 2017 und beschreibt ein längst abgelöstes Modell. Aus den Erstellungsdaten der Downloadseite lässt sich ein Muster zwar beobachten, aber nicht als Zusage lesen. Beobachtbar ist am 7. September 2026 lediglich: Seit 2.0.6 vom 24. Juli 2026 ist keine neue Stable-Version erschienen.
  • Es gibt keinen Termin für Version 2.1. Interessant ist, dass die Update-Anleitung sie bereits voraussetzt: „Sie können auf JTL-Wawi-Version 2.1 nur updaten, wenn Sie vorher JTL-Wawi-Version 2.0 installiert hatten." Auf der Downloadseite und im Changelog existiert diese Version am 7. September 2026 nicht. Die Dokumentation beschreibt also einen Weg zu einem Ziel, das öffentlich noch nicht da ist.
  • Es ist unklar, wie die Support-Regel unter dem neuen Schema zu lesen ist. Zählt der Schritt von 2.0 auf 2.1 als Major-Wechsel oder als Minor-Update? Davon hängt ab, ob 1.11 nach dem Erscheinen von 2.1 aus dem Support fällt oder nicht. JTL beantwortet die Frage nicht, und wir raten nicht.

Eine Angabe aus dem Release-Beitrag verdient noch eine Einordnung. Dort heißt es, die Performance könne „in vielen Bereichen der Anwendung […] um bis zu 30% steigen". Das ist eine Herstellerangabe ohne veröffentlichte Messgrundlage: kein Datenbestand, kein Testaufbau, keine Vergleichsversion. Wir geben sie als Zitat wieder und nicht als Erwartungswert für Ihr System. Ob eine Wawi nach dem Update spürbar schneller läuft, entscheidet in der Praxis meistens der Datenbankserver, nicht die Laufzeitumgebung.

JTL-Wawi 2.0 auf einen Blick — Stand 7. September 2026
  • Aktuelle Stable-VersionJTL-Wawi 2.0.6, erstellt am 24.07.2026
  • Vorgängerzweig1.11, zuletzt 1.11.11 vom 28.05.2026
  • VersionsschemaSemantische Versionierung seit 2.0: MAJOR, MINOR, PATCH.
  • Support-RegelDie letzten beiden Stable-Major-Versionen plus die aktuelle Beta.
  • .NETDer Blog nennt .NET 8, Guide und Downloadseite nennen .NET Framework 4.8.
  • ArbeitsplatzDer Guide nennt Windows 11, die Downloadseite Windows 10 oder 11.
  • Windows Server 2025Wird laut Guide aktuell noch nicht unterstützt.
  • SQL-ServerEmpfohlen ist 2022; für SQL 2016 nennt JTL den 14. Juli 2026 als Enddatum.
  • Nicht unterstütztAzure SQL und Instanzen von Shared Microsoft SQL Server.
  • SpeicherplatzDie Datenbank wird beim Update laut Guide fast doppelt so groß.
  • Setup ab 2.0Neuer Assistent mit den Installationsrollen Standalone, Server und Client.
  • TestumgebungBraucht ein zweites JTL-Kundenkonto und je Produkt eine Staging-Lizenz.
  • End-of-LifeJTL nennt kein Datum, sondern eine unbestimmte Übergangszeit.
  • StandAlle Angaben am 7. September 2026 an der Primärquelle geprüft

10. Fazit: planen Sie gegen die strengste Angabe

Der Sprung von 1.11 auf 2.0 ist kein kosmetisches Update, und JTL sagt das auch. Was er an Infrastruktur verlangt, sagt der Hersteller allerdings nicht an einer Stelle, sondern verteilt über Blog, Guide und Downloadseite — und diese drei Quellen sind sich in mehreren Punkten uneinig.

Für die Praxis führt das zu einer schlichten Regel: Planen Sie gegen die jeweils strengste dokumentierte Angabe. Also Windows 11 an den Arbeitsplätzen, Windows Server 2022 als Datenbankserver, Microsoft SQL Server 2022, doppelter Speicherplatz für die Datenbank und eine schriftliche Freigabe für jedes angebundene Drittsystem. Wer so plant, ist auf jeder Auslegung der JTL-Dokumentation auf der sicheren Seite.

Und für den Rest gilt: Was nicht dokumentiert ist, wird nicht geschätzt. Es gibt kein End-of-Life-Datum für 1.11, keinen Release-Rhythmus und keinen Termin für 2.1. Ein Betrieb, der auf diese Zahlen wartet, wartet vergeblich. Sinnvoller ist es, den Versionswechsel als wiederkehrenden Vorgang zu planen — mit einem festen Prüfrhythmus, einer aktuellen Liste aller Anbauteile und einem Probelauf, bevor das Produktivsystem angefasst wird.

Genau dabei helfen wir. Wir sehen uns Ihre Arbeitsplätze, Ihren Datenbankserver und Ihre angebundenen Systeme an, gleichen sie gegen die tatsächlich dokumentierten Anforderungen ab und sagen Ihnen, was vor dem Sprung ersetzt werden muss — und was bleiben kann.

11. Häufige Fragen zur JTL-Wawi-Version 2.0

Welche JTL-Wawi-Version ist aktuell?

Am 7. September 2026 ist JTL-Wawi 2.0.6 die höchste als Stable veröffentlichte Version. Sie wurde laut Downloadseite am 24. Juli 2026 erstellt. Parallel pflegt JTL den Zweig 1.11 weiter, zuletzt mit 1.11.11 vom 28. Mai 2026. Prüfen Sie den Wert vor jedem Vorhaben im offiziellen Changelog, nicht in einem Ratgeber.

Warum heißt die Nachfolgeversion von 1.11 nicht 1.12?

Weil JTL mit dieser Version auf semantische Versionierung umgestellt hat. Das Schema lautet MAJOR.MINOR.PATCH. Ein Sprung in der ersten Stelle steht für tiefgreifende technische Änderungen, die zweite Stelle für neue Funktionen, die dritte für Fehlerbehebungen. Den Wechsel von 1.11 auf 2.0 nennt JTL selbst als Beispiel für einen solchen Major-Sprung.

Braucht JTL-Wawi 2.0 nun .NET 8 oder .NET Framework 4.8?

Das lässt sich aus den offiziellen Quellen nicht beantworten. Der Release-Beitrag im JTL-Blog nennt die Umstellung auf .NET 8. Die Systemvoraussetzungen im Guide und die FAQ der Downloadseite nennen weiterhin .NET Framework 4.8. Beides ist nicht dasselbe. Wir haben beide Stellen am 7. September 2026 geprüft und den Widerspruch dokumentiert.

Läuft JTL-Wawi 2.0 noch unter Windows 10?

Auch hier weichen die Quellen voneinander ab. Die Systemvoraussetzungen im JTL-Guide nennen für Arbeitsplätze nur noch Windows 11 und verweisen auf Microsofts Supportende für Windows 10 am 14. Oktober 2025. Die FAQ der Downloadseite nennt am selben Stichtag weiterhin Windows 10 oder 11. Planen Sie deshalb auf Windows 11.

Welche SQL-Server-Version brauche ich?

Die Systemvoraussetzungen empfehlen Microsoft SQL Server 2022. Die Guide-Seite zu unterstützten Produktversionen führt zusätzlich SQL 25, 19 und 17 und nennt für SQL 2016 das Enddatum 14. Juli 2026. Ausdrücklich nicht unterstützt sind Azure SQL und Instanzen von Shared Microsoft SQL Server. JTL unterstützt den SQL Server ausschließlich unter Windows.

Wird Windows Server 2025 unterstützt?

Nein. Das ist die einzige völlig eindeutige Aussage der Systemvoraussetzungsseite. Der Satz steht dort dreimal: beim Datenbankserver für JTL-Wawi, bei JTL-WMS und bei JTL-Workbench. Wörtlich heißt es jeweils, der Windows Server 2025 werde aktuell noch nicht unterstützt. Wer neue Serverhardware beschafft, sollte diesen Punkt vorab klären.

Wie lange wird JTL-Wawi 1.11 noch unterstützt?

Ein Datum nennt JTL nicht. Belegt ist nur die Regel, dass der Support die letzten beiden als Stable veröffentlichten Major-Versionen sowie die aktuelle Beta abdeckt. Der Release-Beitrag spricht von einer Übergangszeit, ohne sie zu beziffern. Wie die Regel unter semantischer Versionierung zu lesen ist, sagt JTL ebenfalls nicht.

Was kostet eine Testumgebung für den Versionssprung?

Sie brauchen ein zweites JTL-Kundenkonto und je Produkt eine Staging-Lizenz. Bestandskunden erhalten laut Guide eine kostenlose Staging-Lizenz mit acht Wochen Gültigkeit. Neukunden zahlen einmalig die Hälfte des Monatspreises ihrer Edition, dann gilt die Lizenz zwei Jahre. Lizenzen für Plugins aus dem ExtensionStore kommen vom jeweiligen Hersteller.

12. Quellen & offizielle Dokumentation

Alle folgenden Quellen wurden am 7. September 2026 abgerufen und im Volltext gegengelesen; die zitierten Formulierungen stammen wörtlich daraus. Herstellerdokumentation ändert sich — prüfen Sie den Stand vor einem Versionswechsel erneut. Externe Quellen öffnen in einem neuen Tab.

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