Die ABC-Analyse sortiert Artikel nach ihrem Wertanteil in drei Klassen, die XYZ-Analyse nach der Gleichmäßigkeit des Bedarfs. Zusammen ergeben sie neun Felder von AX bis CZ, und jedes Feld verlangt eine andere Bestellweise, einen anderen Sicherheitsbestand und einen anderen Lagerplatz. Die Klassengrenzen sind Konvention, keine Norm — und Ihre Warenwirtschaft liefert dafür die Daten, nicht die fertige Analyse.
1. ABC-Analyse in drei Sätzen — mit Rechenbeispiel
Die ABC-Analyse beantwortet eine einzige Frage: Welche Artikel tragen den Wert, und welche machen nur Arbeit? Dafür bekommt jeder Artikel eine Kennzahl, meist den Jahresumsatz oder den Jahresverbrauchswert aus Menge mal Wert. Anschließend wird sortiert, kumuliert und geschnitten.
Der Rechenweg besteht aus vier Schritten, die sich in jeder Tabellenkalkulation abbilden lassen: Wertbeitrag je Artikel ermitteln, absteigend sortieren, den prozentualen Anteil am Gesamtwert bilden, diese Anteile von oben nach unten aufsummieren. Wo die kumulierte Summe eine gewählte Schwelle überschreitet, endet eine Klasse.
Die Klassengrenzen sind eine Festlegung, keine Vorschrift
Verbreitet sind zwei Aufteilungen: 80 Prozent des Wertes für A, 15 Prozent für B, 5 Prozent für C — oder etwas milder 70/20/10. Beide Varianten stehen in unzähligen Lehrbüchern, und beide sind Konvention. Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert die ABC-Analyse als „Verfahren zur Klassifizierung von Gesamtheiten wobei die Klassengrenzen jeweils im Einzelfall festgelegt werden" (Quelle: Gabler Wirtschaftslexikon, abgerufen am 5. September 2026). Eine DIN- oder ISO-Norm, die ABC-Grenzen festlegt, existiert nicht. Wenn Ihnen jemand eine Analyse „nach Norm" verkauft, fragen Sie nach der Nummer.
Praktisch heißt das: Sie dürfen die Grenze dorthin legen, wo Ihr Sortiment einen Sprung macht. Wichtig ist nur, dass Sie die Festlegung dokumentieren und beim nächsten Lauf nicht stillschweigend ändern.
Ein durchgerechnetes Beispiel
Das folgende Sortiment ist frei erfunden und dient nur dazu, den Rechenweg vollständig zu zeigen. Zehn Artikel, Jahresumsatz zusammen 500.000 Euro, absteigend sortiert. Die Spalte „kumuliert" ist die laufende Summe der Anteile.
| Artikel | Bezeichnung | Jahresumsatz | Anteil | Kumuliert | Klasse |
|---|---|---|---|---|---|
| A-3011 | Akku-Handstaubsauger | 160.000 € | 32,0 % | 32,0 % | A |
| B-2044 | Kaffeevollautomat | 125.000 € | 25,0 % | 57,0 % | A |
| C-7781 | Luftreiniger | 80.000 € | 16,0 % | 73,0 % | A |
| D-1190 | Wasserkocher | 45.000 € | 9,0 % | 82,0 % | A (Grenzfall) |
| E-5502 | Standmixer | 35.000 € | 7,0 % | 89,0 % | B |
| F-6620 | Milchaufschäumer | 22.000 € | 4,4 % | 93,4 % | B |
| G-8834 | Ersatzfilter-Set | 15.000 € | 3,0 % | 96,4 % | B |
| H-9903 | Entkalker-Tabs | 10.000 € | 2,0 % | 98,4 % | C |
| I-4415 | Fusselbürste | 5.000 € | 1,0 % | 99,4 % | C |
| J-2207 | Ersatzdichtung | 3.000 € | 0,6 % | 100,0 % | C |
Nach drei Artikeln stehen 73,0 Prozent des Wertes zusammen, nach vier sind es 82,0 Prozent. Der Wasserkocher ist also der Artikel, der die 80er-Marke überschreitet — und genau an dieser Stelle entscheidet nicht die Rechnung, sondern Sie. Rechnet man ihn noch zu A, umfasst die A-Klasse vier Artikel mit 82,0 Prozent des Wertes; schlägt man ihn B zu, bleibt A bei 73,0 Prozent. Beides ist vertretbar. Nur begründen und beibehalten sollten Sie es.
Mit der ersten Variante ergibt sich: A sind vier Artikel mit 82,0 Prozent des Wertes, B drei Artikel mit 14,4 Prozent, C drei Artikel mit 3,6 Prozent. Und hier lohnt ein ehrlicher Hinweis, den die meisten Übersichten weglassen: Der oft zitierte Mengenanteil — wenige A-Artikel, sehr viele C-Artikel — kommt bei zehn Positionen naturgemäß nicht heraus. Diese Verteilung entsteht erst bei einem echten Sortiment mit Hunderten oder Tausenden Artikeln. Das Beispiel zeigt den Rechenweg, nicht die typische Sortimentsform.
2. XYZ-Analyse: wie gleichmäßig läuft ein Artikel?
Die ABC-Analyse sagt nichts darüber, ob ein Artikel planbar ist. Ein Umsatzriese kann in gleichmäßigen Tranchen abfließen oder dreimal im Jahr in Wellen — für Ihre Bestellpolitik ist das ein gewaltiger Unterschied. Genau diese Lücke schließt die XYZ-Analyse. Sie misst nicht die Höhe, sondern die Schwankung.
Die Kennzahl dafür ist der Variationskoeffizient: die Standardabweichung der Periodenbedarfe geteilt durch deren Mittelwert. Weil beide Größen in derselben Einheit stehen, kürzt sich diese heraus. Das Ergebnis ist eine dimensionslose Zahl, die sich zwischen einem Artikel für 3 Euro und einem für 800 Euro vergleichen lässt — anders als die Standardabweichung allein.
Gebräuchlich sind die Schwellen X unter 0,5, Y von 0,5 bis 1,0 und Z darüber. Auch das ist, wie bei ABC, eine Konvention und keine Norm. Und noch eine Feinheit gehört offengelegt: Ob Sie beim Berechnen der Standardabweichung durch die Zahl der Perioden teilen oder durch eine weniger, verschiebt das Ergebnis leicht. Entscheidend ist nicht die Wahl, sondern dass sie für alle Artikel dieselbe ist. Die folgenden Werte sind mit der Standardabweichung der Grundgesamtheit gerechnet.
| Artikel | Monatsmengen | Mittelwert | Standardabweichung | Koeffizient | Klasse |
|---|---|---|---|---|---|
| A-3011 Akku-Handstaubsauger | 210 · 195 · 205 · 190 · 200 · 200 | 200,0 | 6,5 | 0,03 | X |
| C-7781 Luftreiniger | 60 · 45 · 30 · 20 · 55 · 110 | 53,3 | 28,8 | 0,54 | Y |
| G-8834 Ersatzfilter-Set | 0 · 40 · 5 · 0 · 95 · 20 | 26,7 | 33,6 | 1,26 | Z |
Der Handstaubsauger läuft mit 0,03 nahezu wie ein Uhrwerk — ein klarer X-Artikel, für den ein schmaler Sicherheitsbestand genügt. Der Luftreiniger landet mit 0,54 knapp über der Y-Schwelle, was den Charakter der Grenze schön zeigt: Ein einziger starker Monat mehr, und er wäre noch X. Das Ersatzfilter-Set schließlich schwankt mit 1,26 so stark, dass ein Mittelwert für die Disposition praktisch wertlos ist. In zwei von sechs Monaten wurde es gar nicht verkauft, in einem 95-mal.
Sechs Perioden reichen für ein Lehrbeispiel, für Ihre Disposition nicht. Nehmen Sie mindestens zwölf Monate, bei Saisonware besser zwei volle Jahre — sonst messen Sie den Zufall.
3. Die neun Felder — und was in jedem zu tun ist
Jetzt wird die Analyse nützlich. Legt man beide Klassifizierungen übereinander, entsteht eine Matrix aus neun Feldern. Und anders als die reine Klassenliste ist diese Matrix direkt handlungsfähig: Für jedes Feld lässt sich sagen, wie Sie bestellen, wie viel Sicherheitsbestand angemessen ist, wo der Artikel im Regal steht, wie oft Sie zählen und worüber Sie mit dem Lieferanten sprechen.
Wichtig ist die Leserichtung. Der erste Buchstabe sagt, wie viel Aufmerksamkeit der Artikel verdient. Der zweite sagt, wie viel Puffer Sie einplanen müssen. Ein A-Artikel bekommt immer Aufmerksamkeit — aber nur ein AZ-Artikel braucht zusätzlich eine Strategie gegen Unberechenbarkeit.
| Feld | Charakter | Bestellrhythmus & Sicherheitsbestand | Lagerplatz | Inventur & Lieferantengespräch |
|---|---|---|---|---|
| AX | Hoher Wert, sehr gleichmäßiger Bedarf. Das Rückgrat des Sortiments. | Kurze, feste Rhythmen oder Rahmenvertrag mit Abrufen. Sicherheitsbestand bewusst niedrig, weil der Bedarf gut vorhersagbar ist. | Kürzester Weg zum Packplatz. Niedrigste Sortiernummer, hohe Priorität bei der Reservierung. | Häufig zählen, weil hier das meiste Kapital liegt. Jahresgespräch mit Mengenstaffel und vertraglich zugesagter Liefertreue. |
| AY | Hoher Wert, schwankender Bedarf. Meist Saison- oder Aktionsware. | Kurze Rhythmen beibehalten, aber die Menge je Abruf an die Prognose koppeln. Sicherheitsbestand mittel und saisonal angepasst. | Ebenfalls vorn, mit etwas mehr Fläche für Spitzen. | Häufig zählen. Beim Lieferanten die Wiederbeschaffungszeit verhandeln — bei Schwankung ist Tempo mehr wert als Rabatt. |
| AZ | Hoher Wert, sehr unregelmäßiger Bedarf. Das teuerste Feld überhaupt. | Möglichst auftragsbezogen bestellen statt zu bevorraten. Sicherheitsbestand nur für einen definierten Kern, sonst friert hier Kapital ein. | Vorn, aber auf kleiner Fläche. Ein AZ-Artikel darf keinen Palettenplatz blockieren. | Häufig zählen. Mit dem Lieferanten über Streckengeschäft, Konsignation oder eine feste Verfügbarkeitszusage sprechen. |
| BX | Mittlerer Wert, gleichmäßiger Bedarf. Der pflegeleichteste Fall. | Automatischer Meldebestand mit fester Losgröße. Sicherheitsbestand niedrig bis mittel, einmal eingestellt und dann in Ruhe gelassen. | Mittlere Wege, Griffhöhe. Sortiernummer im Mittelfeld. | Normales Zählintervall. Standardkonditionen, einmal im Jahr prüfen — mehr Verhandlungsaufwand lohnt nicht. |
| BY | Mittlerer Wert, schwankender Bedarf. | Meldebestand mit saisonaler Anpassung. Sicherheitsbestand mittel, im Vorlauf der Saison bewusst erhöht. | Mittlere Wege, saisonal umlagern statt dauerhaft vorn halten. | Normales Zählintervall. Rahmenvereinbarung mit flexiblen Abrufmengen statt starrer Jahresmenge. |
| BZ | Mittlerer Wert, unregelmäßiger Bedarf. | Kleine Mengen, keine großen Lose. Sicherheitsbestand bewusst niedrig halten, sonst entsteht genau hier der Ladenhüter. | Mittlere bis hintere Wege, kleiner Platz. | Normales Zählintervall. Beim Lieferanten zählt kurze Lieferzeit mehr als der Stückpreis. |
| CX | Geringer Wert, gleichmäßiger Bedarf. Das dankbarste Feld. | Große Lose, seltene Bestellungen. Hier sparen Sie Bestellkosten, nicht Kapital — ein großzügiger Sicherheitsbestand kostet fast nichts. | Hintere Bereiche und obere Ebenen. Hohe Sortiernummer. | Seltenes Zählintervall. Sammelbestellung, kein eigener Verhandlungstermin. |
| CY | Geringer Wert, schwankender Bedarf. | Ebenfalls große Lose und seltene Bestellungen, mit etwas Puffer für Spitzen. Sicherheitsbestand großzügig. | Hinten. Bei Sperrgut lieber auf eine eigene Fläche als in den Hauptgang. | Seltenes Zählintervall. Mit anderen Positionen zum Mindestbestellwert bündeln. |
| CZ | Geringer Wert, sehr unregelmäßiger Bedarf. Der Sortimentsprüffall. | Gar nicht bevorraten, sondern auf Zuruf beschaffen oder den Restbestand abverkaufen. Sicherheitsbestand null. | Ganz hinten oder gar nicht mehr im Lager. | Seltenes Zählintervall. Die Frage geht hier nicht an den Lieferanten, sondern ans Sortiment: Brauchen wir den Artikel noch? |
Zwei Felder verdienen besondere Aufmerksamkeit
AZ ist das Feld, in dem Geld verbrennt. Hohe Werte treffen auf einen Bedarf, den niemand vorhersagen kann. Wer solche Artikel klassisch über Meldebestand und Sicherheitsbestand steuert, bindet dauerhaft Kapital für einen Abruf, der vielleicht im November kommt oder gar nicht. Die bessere Antwort liegt selten im Lager, sondern im Einkauf: auftragsbezogen beschaffen, eine Verfügbarkeitszusage verhandeln, oder den Artikel direkt vom Lieferanten zum Kunden schicken lassen.
Ein vierter Weg für AZ-Artikel ist das Konsignationslager. Der Lieferant legt die Ware bei Ihnen ein, sie bleibt aber sein Eigentum, bis Sie sie entnehmen. Bezahlt wird nur, was tatsächlich abfließt, und die Kapitalbindung bleibt in seiner Bilanz. Was Sie dafür vertraglich regeln müssen und wie JTL-Wawi den fremden Bestand in einem eigenen Lager führt, lesen Sie im Beitrag zum Konsignationslager.
CX ist das Feld, in dem man am meisten Zeit spart. Billige Artikel mit gleichmäßigem Verbrauch brauchen keine Feinsteuerung. Große Lose, seltene Bestellungen, ein großzügiger Puffer — das kostet fast nichts an Kapital und spart jeden Monat Bestellvorgänge. Der häufigste Fehler ist, ausgerechnet hier zu optimieren, weil es einfach ist.
Wie oft ein Artikel bestellt werden sollte, lässt sich ausrechnen. Bei gleichen Bestellkosten und gleichem Lagerkostensatz hängt die optimale Bestellreichweite nur vom Verbrauchswert im Jahr ab. Mit 60 Euro je Bestellung und 20 Prozent Lagerkostensatz bestellen Sie einen Artikel mit 150.000 Euro Verbrauchswert etwa alle drei Wochen, einen mit 2.000 Euro knapp zweimal im Jahr. Die Rechnung dahinter zeigt unser Beitrag zur optimalen Bestellmenge nach der Andler-Formel.
4. Wonach klassifizieren Sie eigentlich?
Das ist die Frage, die über Sinn oder Unsinn der ganzen Übung entscheidet — und die in den meisten Erklärungen einfach übersprungen wird. „Wert" ist nämlich mehrdeutig. Drei Kriterien sind gebräuchlich, und sie liefern verschiedene Klassen für denselben Artikel.
Umsatz ist die einfachste Kennzahl, weil sie in jeder Warenwirtschaft sofort greifbar ist. Sie sagt aber nur, wie viel Geld durch den Artikel fließt — nicht, wie viel davon bleibt. Deckungsbeitrag beantwortet genau das und ist für Sortiments- und Einkaufsentscheidungen fast immer die bessere Grundlage. Zugriffshäufigkeit, also die Zahl der Pickvorgänge, sagt nichts über Geld, dafür alles über Arbeit — und ist damit das einzig richtige Kriterium für die Lagerplatzvergabe.
Wie stark sich das auswirkt, zeigen drei Artikel aus dem Beispiel oben:
| Artikel | Nach Umsatz | Nach Deckungsbeitrag | Nach Zugriffen im Jahr |
|---|---|---|---|
| A-3011 Akku-Handstaubsauger | 160.000 € · Rang 1 | 12 % Marge → 19.200 € | 1.150 Zugriffe |
| G-8834 Ersatzfilter-Set | 15.000 € · Rang 7 | 62 % Marge → 9.300 € | 2.400 Zugriffe |
| J-2207 Ersatzdichtung | 3.000 € · Rang 10 | 55 % Marge → 1.650 € | 1.900 Zugriffe |
Der Handstaubsauger bringt fast elfmal so viel Umsatz wie das Ersatzfilter-Set, aber nur gut den doppelten Deckungsbeitrag — und er wird nicht einmal halb so oft angefasst. Die Ersatzdichtung ist nach Umsatz der letzte Artikel im Sortiment und wird trotzdem 1.900-mal im Jahr aus dem Fach geholt. Sortiert man das Regal nach Umsatz, liegt sie ganz hinten, und Ihr Team läuft für 3.000 Euro Jahresumsatz 1.900-mal quer durch die Halle.
Die praktische Empfehlung lautet deshalb: Rechnen Sie zwei Klassifizierungen und benennen Sie sie unterschiedlich. Eine nach Deckungsbeitrag für Einkauf und Sortiment, eine nach Zugriffen für die Lagerplatzvergabe. Welche Pickverfahren auf einer solchen Platzstruktur aufsetzen, haben wir im Beitrag zu den Kommissionierungsmethoden ausführlich behandelt — die Klassifizierung liefert dort das Kriterium, nach dem sortiert wird.
Wer nach Umsatz klassifiziert, befördert regelmäßig Artikel in die A-Klasse, die nach Wareneinsatz, Versand und Retouren kaum etwas beitragen. Der Deckungsbeitrag ist deshalb das belastbarere Kriterium — er ist nur aufwendiger zu ermitteln, weil er Daten aus Warenwirtschaft, Zahlungsanbieter und Marktplatzabrechnung zusammenführt. Den Rechenweg dafür beschreibt unser Beitrag zum Deckungsbeitrag im Onlinehandel. Die Klassenlogik dieses Beitrags bleibt dieselbe, nur die Sortiergröße wechselt.
5. Was JTL-Wawi liefert — und was nicht
Hier wird es unbequem, deshalb sagen wir es direkt: JTL-Wawi hat keine ABC-Analyse. Es gibt keine Funktion dafür, kein Klassenfeld am Artikel und keine automatische Neuberechnung. Wir haben das für diesen Artikel zweifach geprüft, weil eine solche Aussage ohne Nachweis wertlos wäre.
Erstens die Dokumentation: Eine Suche im offiziellen JTL-Guide nach „abc analyse" liefert „Keine Ergebnisse gefunden", ebenso die Suche nach „xyz analyse", „abc kennzeichen" und „variationskoeffizient". Zur Kontrolle haben wir dieselbe Suche mit „ameise" laufen lassen — die liefert erwartungsgemäß eine volle Trefferliste, der Test funktioniert also. Zweitens die Datenbank: In einer produktiven Installation der Version 2.0.5.0 haben wir alle 2.315 Tabellen nach Spaltennamen durchsucht. Es existiert keine einzige Spalte mit „ABC", „XYZ" oder „Klassifiz" im Namen. Als Gegenprobe: nach „Lagerplatz" finden sich 65 Spalten. Stand beider Prüfungen ist der 5. September 2026 und die Version 2.0.5.0 — spätere Versionen können das ändern.
Das ist keine schlechte Nachricht, sondern eine Einordnung. Eine Warenwirtschaft ist ein Buchungssystem, kein Analysewerkzeug. Was sie liefern muss, sind saubere Daten — und die liefert sie.
| Aufgabe | In der Wawi vorhanden? | Realer Weg |
|---|---|---|
| Abverkauf je Artikel über eine Periode | Ja | Artikelstatistik, Registerkarte Verkauf. Auswertungsvorlagen sind frei konfigurierbar, der JTL-Guide führt „Statistikauswertungen als CSV-Datei exportieren" als eigenen Punkt. |
| Rang eines Artikels im Sortiment | Ja, mit Einschränkung | Ranglisten je Artikel, Kunde oder Lieferant. Sie werden laut Guide für „ein bestimmtes Element" geöffnet, sind anfangs leer, müssen manuell aktualisiert werden (empfohlen etwa monatlich) und ein Komplettlauf kann „bis zu mehreren Stunden dauern". |
| ABC-Klassen über das gesamte Sortiment bilden | Nein | Export nach Tabellenkalkulation oder Power BI. Dort sortieren, kumulieren und die Klassengrenze ziehen. |
| XYZ-Klassen und Variationskoeffizient | Nein | Gleicher Weg. Die Guide-Suche nach „Variationskoeffizient" liefert keine Ergebnisse. |
| ABC-Kennzeichen als Feld am Artikel | Nein | In 2.315 Tabellen der geprüften Datenbank existiert keine ABC- oder XYZ-Spalte. Behelf: ein Attribut anlegen und die Klasse als Wert pflegen. |
| Die gepflegte Klasse steuert etwas | Nein | Der Guide ist hier eindeutig: „In JTL-Wawi haben Attribute keine Funktion." Die Klasse ist eine Notiz zum Filtern und Auswerten, kein Automatismus. |
| Klassen an vielen Artikeln auf einmal setzen | Ja | JTL-Ameise, das Import- und Exportwerkzeug der Wawi. Damit läuft der Rückweg aus der Tabelle in die Stammdaten als Massenimport. |
| Auswertung direkt auf der Datenbank | Ja | JTL-Wawi liegt auf Microsoft SQL Server. Der Power-Query-Connector für SQL Server nennt „Power BI (Semantikmodelle)" und „Power BI (Datenflüsse)" als Ziele und unterstützt Import ebenso wie DirectQuery. |
| Lagerzonen nach Zugriffshäufigkeit | Nein | Die Guide-Suche nach „Zonierung" und „Lagerzone" liefert keine Ergebnisse. Der reale Hebel sind Sortiernummer und Priorität am einzelnen Lagerplatz. |
Der Rückweg: Klasse als Attribut — mit einer klaren Grenze
Wenn die Klassen gerechnet sind, sollen sie zurück in die Stammdaten, sonst muss jeder Mitarbeiter die Tabelle öffnen. Der übliche Behelf ist ein Attribut. Der JTL-Guide beschreibt es schlicht: „Ein Attribut besteht immer aus einem Namen und einem Wert." Sie legen also ein Attribut „ABC-Klasse" an und tragen je Artikel A, B oder C ein — per JTL-Ameise auch für Tausende Artikel auf einmal.
Ein Attribut ist dafür der richtige Träger, solange die Klasse nur ausgegeben werden soll: Laut JTL-Guide haben Attribute innerhalb von JTL-Wawi keine Funktion. Soll die Klasse in der Warenwirtschaft etwas steuern — als Pflichtfeld, als Workflow-Bedingung oder sichtbar nur für bestimmte Benutzergruppen —, führt der Weg über ein Eigenes Feld. Die Abgrenzung erklärt unser Beitrag zu Attributen, Merkmalen und Eigenen Feldern.
Nur: Der Guide sagt im selben Atemzug auch, wozu ein Attribut nicht taugt. Attribute lassen sich „nur in Onlineshops und Verkaufskanälen nutzen. In JTL-Wawi haben Attribute keine Funktion." Die gepflegte Klasse ist damit eine Notiz — gut zum Filtern, Sortieren und Auswerten, aber sie steuert von sich aus keine Bestellung, keinen Sicherheitsbestand und keine Pickliste. Wer sie wirksam machen will, muss die Konsequenzen selbst umsetzen: über Bestellvorschläge, über Lagerplatzvergabe, über Workflows.
Im Lager: Sortiernummer und Priorität statt Zonen
Die naheliegende Umsetzung wäre eine Lagerzone für Schnelldreher. Die gibt es in JTL-WMS nicht — die Guide-Suche nach „Zonierung" und „Lagerzone" bleibt ebenfalls ohne Treffer. Was es gibt, ist präziser und wird oft übersehen. Der JTL-Guide beschreibt zwei Felder am Lagerplatz: „Über die Sortiernummern bestimmen Sie den Laufweg für die Kommissionierung von Picklisten", und „Über die Priorität bestimmen Sie die Reihenfolge, in der Artikel für eine Picklistenposition von den Lagerplätzen reserviert werden. Die Priorität ist dem, durch die Sortiernummer vorgegebenen, Laufweg übergeordnet."
Damit haben Sie genau die zwei Stellschrauben, die Sie brauchen. Die Sortiernummer legt fest, in welcher Reihenfolge die Plätze abgelaufen werden — hier ordnen Sie Ihre A-Artikel nach Zugriffshäufigkeit an den Anfang des Weges. Die Priorität legt fest, von welchem Platz zuerst reserviert wird, wenn ein Artikel an mehreren Orten liegt; damit lenken Sie die Entnahme in den vorderen Kommissionierbereich, während der Nachschub hinten steht. Eine ABC-Automatik ist das nicht, aber es ist ein konkreter, sofort umsetzbarer Hebel. Wie eine solche Platzstruktur beim Einführen von JTL-WMS und Warenlager aufgebaut wird, klären wir mit Ihnen anhand Ihrer echten Auftragsdaten.
Ein Detail aus derselben Guide-Seite verhindert eine verbreitete Fehlplanung: Maximales Gewicht und Abmessungen lassen sich am Lagerplatz zwar hinterlegen, dienen laut JTL aber „nur der Information" und werden „derzeit technisch von keinem Prozess berücksichtigt". Wer die Platzvergabe darauf stützen will, muss das organisatorisch tun, nicht per System.
6. Der praktische Ablauf in sechs Schritten
Aus den Bausteinen wird ein Ablauf, den Sie einmal aufsetzen und dann wiederholen. Rechnen Sie für den ersten Durchlauf mit ein bis zwei Arbeitstagen, wenn die Stammdaten sauber sind; jeder weitere Lauf dauert dann Stunden statt Tage.
- Daten exportieren. Aus der Artikelstatistik den Abverkauf je Artikel ziehen und als CSV ausgeben — der JTL-Guide führt den CSV-Export der Statistikauswertungen als eigenen Punkt. Für größere Sortimente oder wiederkehrende Läufe ist der direkte Weg über die Datenbank oder die JTL-Ameise praktischer, weil er sich planen lässt.
- Periode und Filter festlegen. Mindestens zwölf Monate, bei Saisonware zwei Jahre. Ausgelistete und gesperrte Artikel vorher entfernen, neue Artikel gesondert kennzeichnen. Diese Festlegung schreiben Sie auf — sie muss beim nächsten Lauf identisch sein.
- Klassifizieren. Wertbeitrag bilden, sortieren, kumulieren, Grenzen ziehen. Parallel dazu je Artikel die Periodenmengen holen und den Variationskoeffizienten rechnen. In einer Tabellenkalkulation ist das für ein paar hundert Artikel gut machbar; ab dort lohnt ein Werkzeug, das den Lauf wiederholen kann.
- Klassen zurückschreiben. Ein Attribut je Klassifizierung anlegen — etwa „ABC-DB" und „ABC-Picks", damit später niemand rät, welches Kriterium gemeint war. Der Massenimport läuft über die JTL-Ameise.
- Konsequenzen umsetzen. Das ist der Schritt, an dem die meisten Projekte enden, bevor sie wirken. Gehen Sie die neun Felder durch und legen Sie je Feld fest: Bestellrhythmus, Sicherheitsbestand, Lagerplatzbereich, Zählintervall. Dann setzen Sie es um — Sortiernummern anpassen, Meldebestände ändern, CZ-Artikel auf die Auslistungsliste.
- Turnus festlegen und wiederholen. Termin in den Kalender, Verantwortlichen benennen, gleiche Regel anwenden. Beim zweiten Lauf interessiert vor allem, welche Artikel die Klasse gewechselt haben — das sind Ihre Gesprächsthemen mit Einkauf und Lager.
Für Schritt 3 und die Wiederholung eignet sich ein Berichtswerkzeug besser als eine Tabellendatei, die jedes Mal neu aufgebaut wird. Weil JTL-Wawi auf Microsoft SQL Server läuft, lässt sich die Datenbank direkt anbinden: Der Power-Query-Connector für SQL Server nennt Power BI als unterstütztes Ziel und beherrscht sowohl Import als auch DirectQuery (Quelle: Microsoft Learn, abgerufen am 5. September 2026). Damit wird aus dem jährlichen Kraftakt ein Bericht, der sich aktualisiert. Welche Werkzeuge dafür im Mittelstand infrage kommen, vergleichen wir im Beitrag zu den BI-Tools im Vergleich; die Umsetzung mit Power BI begleiten wir von der Datenquelle bis zum fertigen Bericht.
Wer keinen Zugriff auf die Datenbank einrichten möchte, kommt auch über Exporte ans Ziel. Power Query kombiniert die monatlichen CSV-Dateien aus einem Ordner und setzt Artikelnummer und EAN als Text, damit führende Nullen erhalten bleiben. Beim nächsten Aktualisieren liefert es die neuen Zahlen für die Klassenbildung. Die einzelnen Schritte für den JTL-Wawi-Export beschreibt unser Beitrag Power Query für Händler.
7. Wie oft Sie neu rechnen sollten
Die Antwort hängt davon ab, was mit dem Ergebnis passiert — und deshalb gibt es nicht einen Turnus, sondern zwei.
Für Beschaffung und Bestandspolitik ist ein Lauf pro Quartal ein guter Ausgangspunkt. Bestellrhythmen und Sicherheitsbestände lassen sich ohne körperlichen Aufwand ändern, und vier Läufe im Jahr fangen Saisonverschiebungen früh genug ab. Bei stark saisonalem Sortiment lohnt zusätzlich ein Lauf unmittelbar vor der Hauptsaison.
Für die Lagerplatzvergabe ist halbjährlich meist die bessere Wahl. Jedes Umräumen kostet Arbeitszeit und erzeugt für einige Tage Fehler, weil Routine verloren geht. Wer alle drei Monate umsortiert, verbraucht den Gewinn durch kürzere Wege gleich wieder. Sinnvoll ist ein fester Termin in der ruhigsten Zeit des Jahres.
Unabhängig vom Turnus gilt eine Regel: Die Rechenregel bleibt gleich. Wer beim zweiten Lauf das Kriterium wechselt oder die Periode verkürzt, kann die Klassen nicht mehr vergleichen — und genau der Vergleich ist der eigentliche Wert wiederholter Läufe. Was Sie sehen wollen, sind die Wechsler: Artikel, die von C nach A gewandert sind, und A-Artikel, die abrutschen.
Ein praktischer Zusatznutzen fällt dabei ab: Die Klassen sind eine hervorragende Grundlage für gestaffelte Zählintervalle. Wer den Bestand ohnehin laufend statt einmal jährlich erfasst, kann A-Artikel häufig und C-Artikel selten zählen — wie das organisatorisch funktioniert, steht in unserem Beitrag zur permanenten Inventur.
Dieselbe Klassifizierung beantwortet auch die Frage, welche Artikel wie häufig gezählt gehören. Wichtig ist dabei die Grenze des Systems: Eine Stichprobeninventur nach § 241 Abs. 1 HGB, die vom gezählten Teil auf den ungezählten Rest hochrechnet, ist in der JTL-Dokumentation nicht vorgesehen. Was stattdessen dokumentiert ist, steht im Beitrag zu den Inventurverfahren nach HGB und ihrer Abbildung in JTL.
8. Sieben Fehler, die die Analyse wertlos machen
Die Rechnung selbst geht selten schief. Was schiefgeht, sind die Entscheidungen davor und danach. Diese sieben Punkte sehen wir in Projekten immer wieder.
Die Periode passt nicht zum Sortiment
Wer im Januar zwölf Monate zurückrechnet, klassifiziert das Weihnachtsgeschäft als Normalzustand. Wählen Sie eine Periode, die mindestens einen vollständigen Saisonzyklus abdeckt, und rechnen Sie Aktions- und Ausverkaufsmonate bewusst mit oder bewusst heraus — aber immer gleich für alle Artikel.
Neue Artikel landen automatisch in C
Ein Artikel, der seit sechs Wochen im Sortiment ist, hat naturgemäß wenig Jahresumsatz. Ohne Sonderbehandlung wandert er nach C, bekommt einen Platz ganz hinten und eine träge Nachbestellung — und wird so künstlich klein gehalten. Nehmen Sie Neuware für zwei Läufe aus der Klassifizierung heraus.
Ausgelistete Artikel verzerren die Grenze
Artikel, die es nicht mehr gibt, bringen trotzdem Vorjahresumsatz mit. Sie schieben die kumulierte Kurve nach oben und drücken aktive Artikel eine Klasse tiefer. Filtern Sie vor dem Rechnen auf aktive, beschaffbare Artikel — das ist der häufigste stille Fehler in exportierten Listen.
Umsatz statt Zugriffe für die Lagerplatzvergabe
Für kurze Wege zählt, wie oft jemand zum Fach läuft, nicht wie viel der Artikel kostet. Wer die Regale nach Umsatz sortiert, schickt das Personal weiterhin quer durch die Halle zur billigen Dichtung, die in jeder zweiten Bestellung liegt.
XYZ auf zu wenige Perioden gerechnet
Mit drei Monatswerten ist jeder Variationskoeffizient Zufall. Zwölf Perioden sind das Minimum für eine belastbare Aussage, bei Saisonware besser zwei volle Jahre. Und teilen Sie immer nach derselben Regel — ob durch die Zahl der Perioden oder durch eine weniger, muss für alle Artikel gleich sein.
Einmal gerechnet und nie wieder angefasst
Klassen altern. Ein A-Artikel von vor drei Jahren steht heute vielleicht kurz vor der Auslistung, blockiert aber weiterhin den besten Lagerplatz. Ohne festen Wiederholungstermin ist die Analyse nach zwei Saisons eine gut dokumentierte Fehlinformation.
Die Klasse wird gepflegt, aber nicht genutzt
Der teuerste Fehler ist der stille: Die Klassen stehen sauber im Artikelstamm, und trotzdem bestellt der Einkauf weiter nach Gefühl und das Lager räumt nichts um. Legen Sie vor dem ersten Lauf fest, welche Entscheidung sich durch das Ergebnis ändern soll — sonst haben Sie eine Tabelle statt einer Wirkung.
Zu diesen sieben kommt ein achter Punkt, der eher eine Warnung an Leser als an Anwender ist: Zu ABC-gestützter Lagerorganisation kursieren viele Einsparzahlen — soundso viel Prozent kürzere Wege, soundso viel weniger gebundenes Kapital. Wir geben sie hier bewusst nicht wieder. Solche Werte stammen aus einzelnen Projekten mit eigener Ausgangslage und lassen sich auf Ihr Lager nicht übertragen. Was sich übertragen lässt, ist der Rechenweg — und der Aufwand, den Sie oben nachlesen können.
Wie sich die Klassifizierung in die übrigen Lagerprozesse einfügt, von der Einlagerung über den Nachschub bis zur Bestandsführung, ordnen wir im Überblick zum Thema Lagerverwaltung optimieren ein. Dieser Text geht in einen dieser Hebel in die Tiefe.
9. Fazit: Die Klassen sind schnell gerechnet, die Konsequenzen sind die Arbeit
ABC und XYZ sind zwei einfache Verfahren mit einem gemeinsamen Missverständnis: Beide werden als Analyse verkauft, sind aber eigentlich Vorbereitungen für Entscheidungen. Die Rechnung ist an einem Vormittag erledigt. Der Wert entsteht erst, wenn für jedes der neun Felder feststeht, wie bestellt, bevorratet, eingelagert und gezählt wird.
Der zweite Punkt ist die Kriteriumsfrage. Wer nach Umsatz klassifiziert und danach das Regal umbaut, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit das falsche Kriterium gewählt. Für die Wege im Lager zählen Zugriffe, für Einkaufsentscheidungen der Deckungsbeitrag. Zwei Klassifizierungen nebeneinander sind kein Luxus, sondern die saubere Lösung.
Und drittens: Erwarten Sie die Analyse nicht von Ihrer Warenwirtschaft. JTL-Wawi liefert in der geprüften Version 2.0.5.0 Statistiken, Ranglisten, CSV-Export, die Ameise und einen direkten Datenbankzugriff — die Klassenbildung findet außerhalb statt, und das Ergebnis kommt als Attribut zurück. Wenn Sie diesen Weg einmal sauber aufsetzen wollen, von der Datenquelle über die Rechenregel bis zur Umsetzung an Sortiernummer und Meldebestand, sehen wir uns Ihre JTL-Wawi und Ihre Warenwirtschaft gemeinsam an.
- ABC-KriteriumWertanteil am Gesamtwert, kumuliert von oben nach unten
- XYZ-KriteriumVariationskoeffizient = Standardabweichung geteilt durch Mittelwert der Periodenbedarfe
- Übliche ABC-Grenzen80/15/5 oder 70/20/10 Prozent des Wertes — Konvention, keine Norm
- Übliche XYZ-SchwellenX unter 0,5 · Y von 0,5 bis 1,0 · Z über 1,0 — ebenfalls Konvention
- NormbezugKeine DIN- oder ISO-Norm; laut Gabler werden die Klassengrenzen im Einzelfall festgelegt
- MatrixfelderNeun, von AX bis CZ — jedes mit eigener Bestell-, Bestands- und Platzlogik
- KlassifizierungsbasisUmsatz, Deckungsbeitrag oder Zugriffshäufigkeit — die Wahl verändert das Ergebnis
- In JTL-Wawi 2.0.5.0Keine ABC-/XYZ-Funktion; Daten via Statistik, CSV-Export, Ameise und MS-SQL (Stand 09/2026)
- Umsetzung im LagerSortiernummer steuert den Laufweg, Priorität die Reservierungsreihenfolge
- Empfohlener TurnusBeschaffung quartalsweise, Lagerplatzvergabe halbjährlich
10. Häufige Fragen zur ABC- und XYZ-Analyse
Was ist die ABC-Analyse kurz erklärt?
Die ABC-Analyse teilt eine Menge von Objekten nach ihrem Wertanteil in drei Klassen ein. A steht für die wenigen Artikel, die den größten Teil des Wertes tragen, C für die vielen Artikel mit geringem Wertbeitrag, B liegt dazwischen. Der Zweck ist Priorisierung: A-Artikel bekommen Aufmerksamkeit, C-Artikel bekommen Routine.
Wie berechnet man die ABC-Analyse?
In vier Schritten. Erstens für jeden Artikel den Wertbeitrag einer Periode ermitteln, meist Jahresabsatz mal Wert. Zweitens absteigend sortieren. Drittens den prozentualen Anteil jedes Artikels am Gesamtwert bilden und diese Anteile von oben nach unten aufsummieren. Viertens dort die Klassengrenzen ziehen, wo die kumulierte Summe Ihre gewählten Schwellen erreicht.
Was ist der Unterschied zwischen ABC- und XYZ-Analyse?
Die ABC-Analyse fragt nach der Höhe des Wertes, die XYZ-Analyse nach der Gleichmäßigkeit des Bedarfs. ABC misst also, wie viel ein Artikel bringt, XYZ, wie gut er sich vorhersagen lässt. Erst beide zusammen sagen Ihnen, ob ein teurer Artikel planbar durchläuft oder unberechenbar Kapital bindet.
Welche Prozentgrenzen gelten bei der ABC-Analyse?
Es gibt keine verbindlichen. Verbreitet sind 80 Prozent des Wertes für A, 15 Prozent für B und 5 Prozent für C, ebenso gebräuchlich ist 70/20/10. Das Gabler Wirtschaftslexikon beschreibt die ABC-Analyse ausdrücklich als Verfahren, bei dem die Klassengrenzen jeweils im Einzelfall festgelegt werden. Eine DIN- oder ISO-Norm dafür existiert nicht.
Wie berechnet man den Variationskoeffizienten für die XYZ-Analyse?
Nehmen Sie die Bedarfsmengen je Periode, etwa zwölf Monatswerte. Bilden Sie den Mittelwert, dann die Standardabweichung dieser Werte, und teilen Sie die Standardabweichung durch den Mittelwert. Das Ergebnis ist dimensionslos und deshalb zwischen Artikeln vergleichbar. Übliche Schwellen sind X unter 0,5, Y zwischen 0,5 und 1,0 und Z darüber.
Kann JTL-Wawi eine ABC-Analyse durchführen?
Nein. In JTL-Wawi 2.0.5.0 gibt es weder eine ABC- noch eine XYZ-Funktion und kein Klassenfeld am Artikel; die Suche im JTL-Guide liefert für ABC-Analyse keine Ergebnisse. Was die Warenwirtschaft liefert, sind die Daten: Statistikauswertungen mit CSV-Export, die JTL-Ameise und der direkte Zugriff auf die Datenbank. Gerechnet wird außerhalb.
Wie führe ich eine ABC-Analyse in Excel durch?
Exportieren Sie Artikelnummer und Wertbeitrag als CSV, sortieren Sie absteigend, berechnen Sie in einer Spalte den Anteil am Gesamtwert und in der nächsten die laufende Summe dieser Anteile. Die Klasse ergibt sich dann aus der kumulierten Spalte über eine einfache Wenn-Bedingung. Für den Variationskoeffizienten brauchen Sie zusätzlich die Periodenwerte je Artikel.
Wie oft sollte man die ABC-Analyse wiederholen?
Für die Beschaffung reicht in der Regel ein Lauf pro Quartal, für die Lagerplatzvergabe eher zweimal im Jahr, weil jedes Umräumen Arbeitszeit kostet. Wichtiger als der Turnus ist ein fester Termin und eine unveränderte Rechenregel. Wer Kriterium oder Periode zwischendurch wechselt, vergleicht hinterher Klassen, die nicht vergleichbar sind.
11. Quellen & offizielle Informationen
Alle Hersteller- und Fachangaben in diesem Artikel wurden am 5. September 2026 gegen die folgenden Originalquellen geprüft. Die Angaben zu JTL-Wawi beziehen sich auf Version 2.0.5.0; Hersteller ergänzen Funktionen laufend — bitte vor einer Entscheidung erneut nachsehen. Externe Quellen öffnen in einem neuen Tab.
- JTL-Guide: Statistiken in JTL-Wawi führen — Umfang der Statistikverwaltung, die vier Statistikbereiche und der CSV-Export der Auswertungen.
- JTL-Guide: Ranglistenverwaltung — Ranglisten sind elementbezogen, anfangs leer, manuell zu aktualisieren — empfohlen etwa monatlich, ein Komplettlauf kann Stunden dauern.
- JTL-Guide: Artikelstatistik — Registerkarten Verkauf, Ranglisten, Einkauf und Lager; Einkaufspreise nur aus Bestellungen mit gebuchtem Wareneingang.
- JTL-Guide: Attribute und Merkmale — Aufbau eines Attributs aus Name und Wert — und der ausdrückliche Hinweis, dass Attribute in JTL-Wawi selbst keine Funktion haben.
- JTL-Guide: Detailbeschreibung Lagerplatz anlegen — Sortiernummer als Laufwegsteuerung, Priorität als Reservierungsreihenfolge, Lagerplatztypen sowie der Hinweis, dass Gewicht und Abmessungen nur informativ sind.
- JTL-Guide: JTL-Ameise — Das Import- und Exportwerkzeug der Warenwirtschaft — der Rückweg für berechnete Klassen in die Stammdaten.
- Microsoft Learn: SQL Server-Connector für Power Query — Belegt Power BI als unterstütztes Ziel für SQL-Server-Datenquellen, inklusive Import und DirectQuery.
- Gabler Wirtschaftslexikon: ABC-Analyse — Sekundärquelle. Definiert die ABC-Analyse als Verfahren, bei dem die Klassengrenzen jeweils im Einzelfall festgelegt werden — Beleg dafür, dass 80/15/5 keine Norm ist.