Mercateo heißt seit dem 30. September 2024 Unite und ist eine europäische Beschaffungsplattform für den indirekten Bedarf von Unternehmen und Behörden. Als Lieferant stellen Sie dort einen elektronischen Katalog ein, verkaufen an angeschlossene Einkäufer und rechnen gegenüber Unite ab. Der Eintritt kostet Sie keine Provision im Marktplatz-Sinn, sondern eine Anbindungsgebühr und eine monatliche Pauschale — und vor allem saubere Produktdaten.
1. Mercateo oder Unite — wer ist heute wer?
Diese Frage steht am Anfang, weil sie fast jedes Gespräch über den Kanal eröffnet. Die Verwirrung ist verständlich: Es gab jahrelang zwei Namen nebeneinander, und die Umbenennung lief in Etappen über mehrere Jahre. Kurz gesagt: Mercateo wurde nicht verkauft und ist nicht insolvent — die Plattform heißt heute Unite.
Die Etappen im Einzelnen, jeweils belegt durch die Rebranding-Hinweise von Unite für Verkäufer und die Unternehmensangaben:
| Zeitpunkt | Was passierte | Einordnung |
|---|---|---|
| seit 2000 | Mercateo startet | Unite nennt als Ursprung eine Gründung in München im Jahr 2000 unter dem Namen Mercateo. Hauptsitz ist heute Leipzig. |
| 2022 | Konzernmarke wird Unite | Marktplatz und Netzwerk laufen ab jetzt unter einer Dachmarke. Die Plattform selbst heißt aber weiterhin Mercateo — daher die Doppelbezeichnung „Mercateo Unite". |
| 30.09.2024 | Die Plattform wird umbenannt | Ab diesem Tag heißt die Plattform Unite. Neues Logo, neue Oberfläche, gleiche URL (Quelle: Unite, Rebranding-Hinweise für Verkäufer). |
| 06.12.2024 | Der Rechtsträger wird umbenannt | Aus der Mercateo Deutschland AG wird die Unite Procurement Deutschland AG. Ab hier müssen Lieferanten-Rechnungen auf den neuen Firmennamen lauten. |
Damit lösen sich die scheinbaren Widersprüche im Netz auf. Wenn Unite auf der eigenen Unternehmensseite schreibt, man habe sich 2022 umbenannt, meint das die Konzernmarke. Wenn die Verkäufer-Hinweise den 30. September 2024 nennen, meint das die Plattform. Und der 6. Dezember 2024 betrifft den Rechtsträger: Aus der Mercateo Deutschland AG wurde die Unite Procurement Deutschland AG.
Für Sie als Lieferant hat das genau eine praktische Folge, und die wird regelmäßig übersehen: Ihre Ausgangsrechnungen müssen auf den neuen Firmennamen lauten. Unite hat dafür eine Übergangsfrist von rund vier Wochen eingeräumt; danach werden Rechnungen an den alten Namen zurückgewiesen. Bestehende Verträge, Leistungen und die gewohnte URL bleiben laut Unite unverändert. Wer den Debitor in seiner Warenwirtschaft nie umbenannt hat, produziert also seit 2024 Rechnungen, die formal auf einen Rechtsträger lauten, den es so nicht mehr gibt.
2. Wie die Plattform aus Lieferantensicht funktioniert
Der wichtigste Unterschied zu einem klassischen Marktplatz liegt nicht im Sortiment, sondern in der Rechnungsstellung. Unite arbeitet nach dem Single-Creditor-Prinzip: Der Einkäufer hat unabhängig davon, bei wie vielen Lieferanten er bestellt, nur einen Vertragspartner und Rechnungssteller — die Plattform. Unite formuliert das gegenüber Lieferanten so: „Unite fungiert als Ihr einziger Debitor."
Praktisch heißt das: Sie liefern an den Endkunden, aber Sie stellen Ihre Rechnung an Unite. Die Plattform übernimmt Forderung und Ausfallrisiko und rechnet ihrerseits mit dem Einkäufer ab. Das erklärt auch, warum dieser Kanal in Einkaufsabteilungen so beliebt ist: Statt fünfzig Kreditoren für Bürobedarf, Arbeitsschutz und Werkstattmaterial pflegen zu müssen, verwaltet die Buchhaltung einen einzigen.
Für Sie kehrt sich damit die übliche Marktplatz-Logik um. Sie kämpfen nicht um einen Endkunden, der ein Produkt entdecken soll, sondern Sie liegen im Bestellprozess eines Einkäufers, der bereits weiß, was er braucht. Gefunden werden Sie über Herstellernummer, Klassifikation und Beschreibung — nicht über ein hübsches Titelbild. Genau deshalb entscheidet auf dieser Plattform die Datenqualität über den Umsatz, nicht das Marketing.
Der zweite Unterschied betrifft die Anbindung an die Kundenseite. Große Einkäufer bestellen nicht im Browser, sondern aus ihrem eigenen Beschaffungssystem heraus. Dafür existieren etablierte Standards, allen voran das Open Catalog Interface (OCI), mit dem ein Einkaufssystem in einen fremden Katalog „hineinspringt" und den gefüllten Warenkorb zurückgibt. Diese Integration leistet die Plattform für Sie — sie ist einer der Gründe, warum Unternehmen den Umweg über sie gehen, statt bei Ihnen direkt zu bestellen.
3. Welche Modelle Anbietern offenstehen
Ein Hinweis vorweg, weil er Verwirrung erspart: Die Bezeichnungen der Anbieter-Modelle haben in den vergangenen Jahren mehrfach gewechselt. Die aktuelle Anbieter-Seite von Unite nennt namentlich nur den Spotmarket; die übrigen Varianten sind über Fachquellen und ältere Plattform-Kommunikation belegt. Lassen Sie sich die für Sie passende Variante im Erstgespräch deshalb mit ihrem heutigen Namen bestätigen, statt sich auf einen Blogartikel zu verlassen — auch nicht auf diesen.
| Variante | Grundidee | Passt zu | Beleg |
|---|---|---|---|
| Spotmarket | Ihr Sortiment liegt im vorintegrierten Angebot der Plattform. Jeder Einkäufer kann es finden und bestellen. | Neukundengewinnung mit standardisierten Artikeln, die man nicht erklären muss | Unite, Anbieter-Seite |
| Eigener Shop auf der Plattform | Ihre Bestandskunden bestellen zu individuell vereinbarten Konditionen bei Ihnen — die Abwicklung läuft trotzdem über die Plattform. | Bestandsgeschäft, das der Kunde über sein Beschaffungssystem abwickeln will | Sekundärquelle, Stand 02/2026 |
| Kundenindividueller Katalog | Ein auf einen einzelnen Kunden zugeschnittenes Sortiment mit eigenen Preisen statt des Listenpreises. | Rahmenverträge mit Konzern- oder Behördenkunden | Sekundärquelle, Stand 02/2026 |
| Markenauftritt | Herstellerpräsenz mit eigenem Branding innerhalb der Plattform statt einer reinen Artikelliste. | Hersteller, die ihre Marke auch im Beschaffungskanal sichtbar halten wollen | Unite, Anbieter-Seite |
Die Unterscheidung ist strategisch wichtiger, als sie klingt. Der offene Spotmarket bringt Ihnen neue Kunden, stellt Sie aber neben vergleichbare Anbieter. Ein eigener Shop auf der Plattform bringt keine neuen Kunden, sondern hält bestehende — nämlich jene, die Ihnen sonst sagen: „Wir dürfen nur noch über unser Beschaffungssystem bestellen." Aus unseren Projekten ist das der häufigere Anlass: Der Kanal wird nicht aus Wachstumshunger eingeführt, sondern weil ein Großkunde ihn zur Bedingung macht.
Beide Wege lassen sich kombinieren, brauchen aber unterschiedliche Preisstände — und genau hier entsteht der erste Datenkonflikt, wenn beides aus derselben Artikelliste befüllt wird.
4. Was der Kanal kostet — und was Unite nicht veröffentlicht
Hier muss dieser Beitrag ehrlicher sein als die meisten: Unite veröffentlicht keine Beträge. Genannt werden auf der Anbieter-Seite zwei Posten, wörtlich: eine „einmalige Anbindungsgebühr", die unabhängig von der Produktanzahl ist, und eine „monatliche Servicepauschale für die Systembereitstellung, Katalog-Updates und Datenvorhaltung". Die Höhe steht in der Rahmenvereinbarung und den AGB, also erst im individuellen Angebot.
Wir schätzen an dieser Stelle bewusst nicht. Zahlen, die in Foren und älteren Beiträgen kursieren, sind weder datiert noch überprüfbar, und ein falscher Erwartungswert ist in einer Kalkulation schädlicher als eine offene Lücke. Bemerkenswert ist die Struktur trotzdem: Es ist ein Fixkostenmodell, keine reine Umsatzprovision wie bei den bekannten B2C-Marktplätzen. Auf einem Marktplatz wie Kaufland zahlen Sie prozentual mit jedem Verkauf; hier zahlen Sie für das Vorhalten Ihres Katalogs — unabhängig davon, ob er sich verkauft.
Das verschiebt die Wirtschaftlichkeitsrechnung erheblich. Ein Fixkostenmodell belohnt Volumen und bestraft Zögern: Wer 200 Artikel einstellt und abwartet, trägt dieselbe Grundlast wie jemand mit einem durchdachten Sortiment und aktiver Kundenansprache. Diese vier Punkte sollten Sie deshalb vor der Bewerbung schriftlich klären:
- Beide Posten konkret — die einmalige Anbindungsgebühr und die monatliche Servicepauschale in Euro, mit Laufzeit und Kündigungsfrist.
- Wie die Plattform an Ihrem Umsatz verdient — ob und in welcher Form neben den beiden Posten eine transaktionsabhängige Komponente anfällt. Unite beschreibt das eigene Modell als eine transparente Gebühr, die vom Einkaufspreis getrennt ist; lassen Sie sich das für Ihren Fall konkret aufschlüsseln.
- Was ein zweiter Katalog kostet — sobald ein kundenindividuelles Sortiment neben dem offenen Katalog steht, verdoppelt sich der Pflegeaufwand. Klären Sie, ob auch die Gebühr mitwächst.
- Zahlungsziel und Abrechnungsrhythmus — Sie fakturieren gegen die Plattform, nicht gegen den Endkunden. Das ist bei Ausfallrisiko ein Vorteil und bei der Liquiditätsplanung eine neue Größe.
5. Die eigentliche Hürde: Katalog- und Stammdaten
Wenn ein Projekt dieser Art scheitert oder sich um Monate verzögert, liegt es fast nie am Vertrag. Es liegt an den Produktdaten. Unite erwartet den Katalog im Format BMEcat 1.2 — einem XML-Standard für elektronische Produktkataloge, der im europäischen B2B-Einkauf seit Jahren gesetzt ist. Für kleinere Sortimente stellt die Plattform alternativ CSV-Vorlagen bereit, jeweils eine Datei für Produkte und eine für Kategorien. Übertragen wird per FTP.
Dazu kommt die Klassifikation: Für die öffentliche Plattform verlangt Unite eine Einordnung nach eCl@ss, dem im Industrie- und Beschaffungsumfeld verbreiteten Standard für Produktklassen. Der Mercateo-Support führt daneben ETIM, UNSPSC und die WEEE-Kennzeichnung als eigene Themenbereiche. Diese Klassifikation ist kein Formalismus: Sie ist der Grund, warum ein Einkäufer Ihre Sicherheitsschuhe findet, ohne Ihren Firmennamen zu kennen.
Und dann sind da die Pflichtangaben je Artikel. Die folgende Übersicht ist die Stelle, an der wir in Projekten am häufigsten nachbessern — mit der jeweiligen Stolperfalle aus der Praxis:
| Feld | Bedeutung | Typische Stolperfalle |
|---|---|---|
| SUPPLIER_AID | Ihre Artikelnummer | Maximal 12 Zeichen und über den ganzen Katalog eindeutig. Lange Nummern aus gewachsenen Systemen fallen hier zuerst durch. |
| DESCRIPTION_SHORT | Kurzbeschreibung | 10 bis 80 Zeichen. Zu kurze Bezeichnungen wie „Schraube M6" bestehen die Prüfung, werden aber nicht gefunden. |
| DESCRIPTION_LONG | Langbeschreibung | Bis zu 64.000 Zeichen möglich. Wer hier nur die Kurzbeschreibung kopiert, verschenkt die interne Suche. |
| MANUFACTURER_AID / _NAME | Herstellernummer und -name | Einkäufer suchen nach der Herstellernummer. Fehlt sie, findet Sie niemand, der genau dieses Teil nachbestellen will. |
| EAN | Produktnummer, 13 oder 8 Stellen | Produktspezifisch, nicht pro Verpackungseinheit recycelt. Jede Variante braucht ihre eigene Nummer. |
| ORDER_UNIT / CONTENT_UNIT | Bestell- und Inhaltseinheit | ISO-Einheiten sind Pflicht, bei abweichender Verpackung zusätzlich die Menge je Bestelleinheit. Der häufigste Grund für falsch gelieferte Mengen. |
| DELIVERY_TIME | Lieferzeit in ganzen Tagen | Keine Kommazahlen, keine Spannen. Eine ehrliche Angabe schlägt eine schöne — Einkäufer messen Sie daran. |
| ARTICLE_PRICE | Nettopreis, maximal zwei Nachkommastellen | Listenpreis für die offene Plattform, Kundenpreis nur im Exklusivkatalog. Beides zu vermischen, ist der teuerste Fehler. |
Zwei Felder verdienen eine eigene Bemerkung. Erstens der Preistyp: Der offene Katalog trägt Listenpreise, ein Exklusivkatalog Kundenpreise. Wer beide Kataloge aus derselben Preisspalte befüllt, veröffentlicht entweder seine Sonderkonditionen oder verkauft seinem Rahmenvertragskunden zum Listenpreis. Beides fällt erst auf, wenn es passiert ist.
Zweitens die Produktnummer. Ohne gültige EAN geht ein Katalog gar nicht erst online, und jede Variante braucht eine eigene. Woher Sie diese Nummern legitim beziehen und warum ein Recyceln über Verpackungseinheiten hinweg regelmäßig Listings blockiert, haben wir in einem eigenen Beitrag zu GTIN und EAN in der Praxis ausführlich beschrieben.
Mindestens ein aussagekräftiges Bild je Artikel ist ebenfalls Pflicht (JPG, JPEG oder GIF); Datenblätter und Sicherheitsdatenblätter reicht man als PDF nach. Bei technischen Sortimenten ist das Datenblatt kein Beiwerk, sondern häufig das, was die Bestellentscheidung auslöst.
- Plattform heuteUnite (vormals Mercateo), umbenannt am 30.09.2024
- Deutscher TrägerUnite Procurement Deutschland AG, Sitz Leipzig
- KatalogformatBMEcat 1.2 (XML) oder CSV-Vorlagen, Übertragung per FTP
- KlassifikationeCl@ss für die öffentliche Plattform
- AbrechnungSingle-Creditor: Sie stellen die Rechnung an Unite
- KonditionenAnbindungsgebühr + Servicepauschale, Beträge nicht öffentlich
Quellen: Unite — Lieferant werden, Katalogformat BMEcat 1.2 und die Rebranding-Hinweise für Verkäufer. Stand: August 2026 — Konditionen und Modellbezeichnungen sind veränderlich. Die vollständige Quellenliste finden Sie am Ende des Beitrags.
6. Von der Warenwirtschaft auf die Plattform
Unite beschreibt den Ablauf für Anbieter in sechs Schritten: bewerben, anmelden, Katalog hochladen, verkaufen, liefern, abrechnen. Das beschreibt korrekt, was auf der Plattformseite passiert — aber nicht, was in Ihrem Haus zu tun ist. Diese sechs Schritte sind unsere Ergänzung dazu, aus Projekten mit Warenwirtschafts- und Datenintegration:
Sortiment ehrlich vorauswählen
Nicht das ganze Lager gehört auf die Plattform. Wählen Sie Artikel, die ohne Beratung bestellbar sind, dauerhaft lieferbar bleiben und deren Preis einen Vergleich aushält. Alles andere kostet Pflegeaufwand ohne Gegenwert.
Datenlücken vor dem Export schließen
Prüfen Sie im eigenen System, wie viele Artikel Herstellernummer, Produktnummer, Bestelleinheit und ein brauchbares Bild haben. Diese Zahl entscheidet über den Projektaufwand — nicht das Katalogformat.
Eine Quelle für die Katalogdaten festlegen
Bei kleinen Sortimenten reicht die Warenwirtschaft. Ab einigen tausend Artikeln mit Varianten und mehreren Kanälen führt der Weg über ein Produktinformationssystem, weil sonst jeder Kanal seine eigene Wahrheit entwickelt.
Den Export bauen und wiederholbar machen
Der Katalog geht als BMEcat-XML oder in den CSV-Vorlagen auf den Server der Plattform. Bauen Sie den Export von Anfang an als geplanten Lauf, nicht als einmalige Handarbeit — sonst veraltet er ab Woche zwei.
Den Bestellrückweg schließen
Bestellungen sollen in Ihrer Warenwirtschaft landen, nicht in einem Postfach. Dafür gibt es standardisierte Wege wie openTRANS, EDIFACT oder XML. Ohne diesen Schritt zahlen Sie den Plattformumsatz in manueller Auftragserfassung zurück.
Bestand und Preise takten
Legen Sie fest, wie oft Preise und Verfügbarkeiten aktualisiert werden, und halten Sie sich daran. Ein Katalog, der veraltete Preise zeigt, erzeugt Stornos — und Stornos kosten auf einer Beschaffungsplattform Vertrauen, nicht nur Marge.
Ein Wort zur Systemfrage, weil sie regelmäßig kommt: Einen fertigen Knopf „Katalog an Unite senden" gibt es in gängigen Warenwirtschaftssystemen nicht. Der Weg führt über einen Export — je nach Setup über eine Exportvorlage, ein Produktinformationssystem oder eine Middleware, die aus Ihren Artikeldaten eine valide BMEcat-Datei baut. Wir bauen diese Strecke so, dass sie planbar läuft und beim nächsten Sortimentswechsel nicht neu erfunden werden muss.
Den Rückweg unterschätzen viele. Eine Bestellung, die als E-Mail ankommt und von Hand erfasst wird, frisst die Marge des Kanals auf — bei kleinen Beschaffungsaufträgen mit wenigen Positionen sogar besonders schnell. Wie standardisierte Bestellformate diesen Weg automatisieren, erklärt unser Beitrag zur EDI-Schnittstelle; auf Beschaffungsplattformen begegnen Ihnen dabei vor allem openTRANS, EDIFACT und XML.
Vor dem Katalogexport steht eine Frage, die viele erst danach stellen: Welchen Preis exportieren Sie überhaupt? In JTL-Wawi liegen für denselben Artikel oft mehrere gültige Preise nebeneinander — Standardpreis, Kundengruppenpreis, Staffelpreis, Sonderpreis. Welche Ebene das System heranzieht und welche Rabatte darauf noch wirken, klärt der Beitrag zur Preishierarchie in JTL-Wawi.
7. Für wen sich der Kanal lohnt — und für wen nicht
Beschaffungsplattformen sind kein Kanal für jedes Sortiment. Nach unserer Erfahrung entscheidet weniger die Branche als die Frage, ob ein Artikel ohne Gespräch bestellbar ist. Dafür spricht:
- Standardisierte, wiederkehrende Artikel. Verbrauchsmaterial, Arbeitsschutz, Werkstattbedarf, Laborzubehör, Bürobedarf — alles, was ein Einkäufer nachbestellt, statt es auszusuchen.
- Sie sind bereits Lieferant eines Großkunden, der auf ein Beschaffungssystem umstellt. Dann ist die Plattform kein neuer Vertriebsweg, sondern die Bedingung, um das Bestandsgeschäft zu behalten.
- Ihre Stammdaten sind ohnehin gepflegt. Wer Herstellernummern, Klassifikation und Bilder schon für andere Kanäle vorhält, hat den teuersten Teil hinter sich.
- Öffentliche Auftraggeber gehören zu Ihrer Zielgruppe. Behörden und Einrichtungen beschaffen häufig über Rahmenvereinbarungen auf solchen Plattformen — ein Zugang, der sich einzeln kaum erschließen lässt.
Dagegen spricht ebenso deutlich:
- Volle Preisvergleichbarkeit. Ihr Artikel steht neben identischen Artikeln anderer Anbieter, nach Herstellernummer sauber gegenübergestellt. Wer keinen Kosten- oder Lieferzeitvorteil hat, gewinnt hier selten.
- Fixkosten laufen unabhängig vom Umsatz. Anbindungsgebühr und Servicepauschale fallen an, auch wenn der Katalog ein halbes Jahr niemanden erreicht. Ein Test „mit ein paar Artikeln" rechnet sich deshalb schlechter als ein bewusst gewähltes Sortiment.
- Erklärungsbedürftige oder konfigurierbare Produkte passen nicht. Was Beratung, Aufmaß oder eine Variantenlogik braucht, lässt sich in einem Katalogeintrag nicht abbilden.
- Der Kundenkontakt wird dünner. Rechnung, Zahlung und ein Teil der Kommunikation laufen über die Plattform. Das nimmt Ihnen Aufwand ab und gleichzeitig Nähe.
- Abhängigkeit vom Kanal. Wenn ein relevanter Umsatzanteil über eine Plattform läuft, entscheidet deren Preis- und Sortimentspolitik mit über Ihre Marge. Behandeln Sie den Kanal als Ergänzung zum eigenen B2B-Shop, nicht als dessen Ersatz.
Der letzte Punkt ist der wichtigste. Ein eigener Shop und eine Beschaffungsplattform konkurrieren nicht, sie bedienen unterschiedliche Beschaffungswege desselben Kunden: Der eigene Shop trägt Ihre Konditionen, Ihre Beratung und Ihre Daten; die Plattform trägt die Prozesse Ihres Kunden. Wer nur den zweiten Weg hat, verhandelt irgendwann nicht mehr über Preise, sondern über Sichtbarkeit.
8. Fazit: ein Datenprojekt, kein Marketingprojekt
Unite ist für die richtigen Sortimente ein ernstzunehmender B2B-Kanal — vor allem dann, wenn Ihre Kunden ohnehin dorthin migrieren. Der Zugang ist aber kein Anmeldeformular, sondern ein Datenprojekt: BMEcat oder CSV, eCl@ss-Klassifikation, saubere Produktnummern, ehrliche Lieferzeiten und ein Bestellrückweg, der nicht in einem Postfach endet. Wer diese Strecke einmal ordentlich baut, kann sie für weitere Kanäle wiederverwenden.
Und die Ehrlichkeit gehört zur Entscheidung dazu: Die Konditionen erfahren Sie erst im Angebot, das Modell ist fix statt umsatzabhängig, und die Preisvergleichbarkeit ist nicht wegzuoptimieren. Wer das vorher weiß, trifft eine bessere Entscheidung als jemand, dem drei Monate später auffällt, dass die Pauschale auch ohne Bestellungen läuft.
Sie überlegen, ob Ihr Sortiment auf eine Beschaffungsplattform gehört, oder Ihr Katalog kommt aus der Datenprüfung nicht heraus? In unserer E-Commerce-Beratung sehen wir uns Sortiment, Stammdaten und Systeme gemeinsam an. Geht es vor allem um die Datenstrecke, ist die PIM-Beratung der passendere Einstieg; sollen mehrere Kanäle aus einer Quelle laufen, lohnt der Blick auf Feed-Management.
9. Häufige Fragen zu Mercateo und Unite
Wer ist der Nachfolger von Mercateo?
Unite. Es gibt keinen Nachfolger im Sinne eines anderen Unternehmens: Mercateo hat sich umbenannt. Seit dem 30. September 2024 heißt die Plattform Unite, seit dem 6. Dezember 2024 firmiert die deutsche Gesellschaft als Unite Procurement Deutschland AG. Verträge, Dienstleistungen und die bisherige URL bleiben laut Unite unverändert.
Was ist Mercateo Unite?
Der Begriff stammt aus der Übergangszeit. Mercateo war der B2B-Marktplatz, Unite das Netzwerk daneben; beide Linien laufen inzwischen unter der Marke Unite zusammen. Wenn heute jemand von Mercateo Unite spricht, meint er die Beschaffungsplattform, über die Einkäufer Kataloge vieler Lieferanten in einem Bestellprozess durchsuchen.
Wem gehört Mercateo?
Mercateo ist keine eigenständige Firma mehr, sondern die Alt-Marke der heutigen Unite-Plattform. Träger des deutschen Geschäfts ist die Unite Procurement Deutschland AG, vormals Mercateo Deutschland AG, mit Sitz in Leipzig. Unite selbst nennt als Ursprung eine Gründung in München im Jahr 2000 und ist heute in zwölf europäischen Ländern aktiv.
Was ist die Unite Procurement Deutschland AG?
Das ist der deutsche Rechtsträger hinter der Plattform, seit dem 6. Dezember 2024 unter diesem Namen im Handelsregister. Vorher hieß die Gesellschaft Mercateo Deutschland AG. Für Lieferanten ändert sich dadurch vor allem eines: Rechnungen müssen auf den neuen Firmennamen lauten, sonst weist Unite sie nach einer Übergangsfrist zurück.
Was kostet Mercateo für Lieferanten?
Unite nennt zwei Posten: eine einmalige Anbindungsgebühr für die Onlinestellung des Katalogs, unabhängig von der Artikelzahl, und eine monatliche Servicepauschale für Systembereitstellung, Katalog-Updates und Datenvorhaltung. Beträge veröffentlicht das Unternehmen nicht; sie stehen in Rahmenvereinbarung und AGB. Fragen Sie beide Posten vor der Bewerbung schriftlich ab.
Was macht die Firma Unite?
Unite betreibt eine europäische Beschaffungsplattform für den indirekten Bedarf von Unternehmen und Behörden, also für alles, was nicht ins eigene Produkt einfließt. Einkäufer bestellen dort aus Katalogen vieler Lieferanten und erhalten eine Rechnung. Im Geschäftsjahr 2025 meldete Unite 465,3 Millionen Euro Umsatz und über 700 Mitarbeitende.
Wie werde ich Lieferant bei Unite?
Unite beschreibt sechs Schritte: bewerben, anmelden, Katalog hochladen, verkaufen, liefern, abrechnen. Geprüft werden Sortiment und Logistikfähigkeit; danach unterschreiben Sie Rahmenvereinbarung und AGB. Den größten Aufwand macht der Katalog: Unite erwartet BMEcat 1.2 als XML oder die CSV-Vorlagen, für die öffentliche Plattform zusätzlich eine eCl@ss-Klassifikation.
10. Quellen & Stand
Alle Angaben in diesem Beitrag wurden am 29. August 2026 direkt bei den folgenden Quellen geprüft. Konditionen, Modellbezeichnungen und Unternehmensdaten sind veränderlich — bitte vor einer Entscheidung erneut abgleichen. Externe Quellen öffnen in einem neuen Tab.
- Unite — Lieferant werden — Anbieter-Seite mit den sechs Prozessschritten, dem Single-Creditor-Prinzip sowie der Formulierung zu Anbindungsgebühr und Servicepauschale (Primärquelle).
- Unite — Katalogformat BMEcat 1.2 (XML) — Spezifikation mit Pflichtfeldern, Preistypen, Bild- und Dateianforderungen sowie der eCl@ss-Vorgabe für die öffentliche Plattform (Primärquelle).
- Unite — Rebranding von Mercateo zu Unite: Hinweise für Verkäufer — Datum der Plattform-Umbenennung (30.09.2024), der Firmenumbenennung (06.12.2024) und die Übergangsfrist für Rechnungen (Primärquelle).
- Unite — Über das Unternehmen — Ursprung als Mercateo, Umbenennung der Konzernmarke, Hauptsitz, Länder und Mitarbeitendenzahl (Primärquelle).
- Unite — Geschäftsjahr 2025 — Pressemitteilung vom 31. März 2026 mit Umsatz, EBITDA, Mitarbeitendenzahl und Länderzahl (Primärquelle).
- Mercateo Support — Kataloganforderungen — Themenbereiche der Katalogprüfung, darunter Klassifikationssysteme (eCl@ss, ETIM, UNSPSC, WEEE), Preisinformationen und Bestellangaben (Primärquelle).
- Wikipedia — Unite Procurement — Sekundärquelle zur Firmenhistorie; die dort genannte Gründungsjahresangabe weicht von der Eigenangabe von Unite ab, weshalb im Text nur die Eigenangabe attribuiert wiedergegeben wird.