Eine GTIN (Global Trade Item Number) ist die weltweit eindeutige Artikelnummer unter dem Strichcode. EAN, UPC und ISBN sind lediglich Ausprägungen davon, keine eigenen Systeme. Vergeben werden GTINs von GS1, in Deutschland von GS1 Germany. Wer sie sauber vergibt und pflegt, listet auf Amazon, eBay und im Google Merchant Center ohne Ablehnungen.
- OberbegriffGTIN — EAN, UPC und ISBN sind Ausprägungen
- Längen8, 12, 13 oder 14 Stellen
- VergabestelleGS1, in Deutschland GS1 Germany
- Einstiegspaket10 GTINs für 60 € netto/Jahr (GS1 Germany, Stand 08/2026)
- Feste Bindungseit 01.01.2019 dauerhaft an das Produkt gebunden
- Gesetzliche Pflichtnein — aber Marktplätze verlangen die Nummer
1. GTIN, EAN, UPC und ISBN — was wirklich der Unterschied ist
Die kürzeste Antwort räumt die meiste Verwirrung ab: Es gibt keinen Unterschied im Sinne konkurrierender Systeme. GTIN ist der Oberbegriff, EAN, UPC und ISBN sind Ausprägungen desselben Nummernkreises. GS1 hat den Begriff GTIN im Jahr 2009 eingeführt und damit die im europäischen Raum gebräuchliche EAN abgelöst (Quelle: GS1 Germany). Wenn ein Lieferant Ihnen eine EAN nennt und Amazon nach einer GTIN fragt, meinen beide dieselbe Nummer.
Unterschiedlich sind lediglich die Längen. Vier Formate sind im Handel relevant, und sie sind untereinander kompatibel: Kürzere Nummern lassen sich mit führenden Nullen auf die längere Struktur bringen. Genau daraus entsteht später einer der häufigsten Feed-Fehler.
| Format | Früher bekannt als | Länge | Wofür es im Handel steht |
|---|---|---|---|
| GTIN-13 | EAN-13 | 13 Stellen | Der Standard in Europa: Verkaufseinheiten im Handel, die Nummer unter dem klassischen Strichcode. |
| GTIN-12 | UPC-A | 12 Stellen | Die nordamerikanische Variante. Für europäische Systeme wird sie mit einer führenden Null auf 13 Stellen gebracht. |
| GTIN-8 | EAN-8 | 8 Stellen | Kurzform für sehr kleine Verpackungen, auf denen ein voller Strichcode keinen Platz findet. |
| GTIN-14 | ITF-14 | 14 Stellen | Umverpackungen und Versandeinheiten. Die erste Ziffer zeigt die Verpackungsstufe an. |
Die ISBN fällt aus dem Rahmen, ist aber kein Sonderfall: Eine moderne ISBN-13 ist technisch eine GTIN-13 mit einem reservierten Präfix für Bücher. Deshalb liest jede Kasse und jeder Marktplatz sie ohne Zusatzlogik. Bei Google zählen 13-stellige ISBN und EAN im Feed als dasselbe Attribut.
Klar abzugrenzen ist die Seriennummer. Die GTIN kennzeichnet den Artikeltyp — alle Exemplare eines Produkts tragen dieselbe Nummer. Eine Seriennummer identifiziert genau ein einzelnes Stück. Wer beides verwechselt, produziert im Shop tausend Artikel mit tausend Nummern, die nirgendwo zusammenpassen.
2. Wie eine GTIN aufgebaut ist — und was die ersten Ziffern nicht bedeuten
Eine GTIN-13 besteht aus drei Teilen: der GS1-Basisnummer, einem individuellen Nummernbereich für Ihre Artikel und der Prüfziffer an letzter Stelle. Die Basisnummer umfasst sieben bis neun Stellen und leitet sich aus der GLN Ihres Unternehmens ab (Quelle: GS1 Germany). Je kürzer die Basisnummer, desto mehr Stellen bleiben für eigene Artikel — und desto teurer ist die Bereitstellung.
Ein hartnäckiger Irrtum betrifft die ersten drei Ziffern. Sie zeigen die Vergabestelle an, etwa 400 bis 440 für GS1 Germany oder 900 bis 919 für GS1 Austria. Ein Herkunftsnachweis sind sie nicht: Nach GS1 Austria geben sie „keinen Hinweis auf die Herkunft einer Ware". Ein Produkt mit 400er-Präfix kann in Vietnam gefertigt sein, ein in Deutschland produzierter Artikel kann eine 500er-Nummer tragen. Für Werbeaussagen zur Herkunft taugt die GTIN also nicht.
Die Prüfziffer ist der Grund, warum falsch abgetippte Nummern sofort auffallen. Sie wird nach einem festen Verfahren berechnet, das GS1 einheitlich für GTIN, GLN und Versandeinheiten nutzt:
Prüfziffer ausklammern
Nehmen Sie die Nummer ohne die letzte Stelle. Diese letzte Stelle ist die Prüfziffer, die Sie gerade berechnen wollen.
Von rechts abwechselnd gewichten
Multiplizieren Sie die Ziffern von rechts nach links abwechselnd mit 3 und 1. Begonnen wird immer mit dem Faktor 3 bei der Ziffer ganz rechts.
Ergebnisse addieren
Zählen Sie alle Produkte aus Schritt 2 zusammen. Das Ergebnis heißt bei GS1 Produktsumme.
Auf den nächsten Zehner ergänzen
Die Differenz zur nächsten vollen Zehnerzahl ist die Prüfziffer. Geht die Summe glatt auf, lautet die Prüfziffer 0.
Nachrechnen müssen Sie das im Alltag nicht: GS1 Germany stellt einen kostenlosen Prüfziffernrechner für GTIN-8, GTIN-12, GTIN-13, GTIN-14 und GLN bereit. Wir nutzen ihn in Datenprojekten als Stichprobe — wenn eine Lieferantenliste dort reihenweise durchfällt, stimmt meist die Exportlogik der Quelle nicht, nicht die einzelne Nummer.
3. Woher Sie GTINs bekommen — GS1 oder der Nummernhandel
Vergeben werden GTINs in der Regel vom Hersteller oder Markengeber eines Produkts (Quelle: GS1 Germany). Verkaufen Sie fremde Markenware weiter, bringen die Artikel ihre Nummer bereits mit — Sie übernehmen sie einfach. Eigene Nummern brauchen Sie erst, wenn Sie selbst Markengeber sind: bei Eigenmarken, White-Label-Ware oder eigenen Sets.
Der offizielle Weg führt über GS1, in Deutschland über GS1 Germany. Sie beantragen eine Basisnummer beziehungsweise ein Nummernpaket und erhalten die GTINs anschließend über die GS1 Service-Plattform. Wichtig für die Kalkulation: Sie erwerben ein Nutzungsrecht auf Zeit, kein Eigentum — die Nummern sind lizenziert und laufen über eine jährliche Gebühr.
| Bezugsweg | Was Sie erhalten | Kosten netto (Stand 08/2026) | Passend für |
|---|---|---|---|
| GS1 SmartStarter10 | 10 GTINs und 1 GLN | 60,00 € Nutzungspreis pro Jahr, kein Bereitstellungspreis | Kleine Sortimente bis 250.000 € Jahresumsatz |
| GS1 Complete | Eigene Basisnummer mit 1.000 bis 100.000 GTINs | 250 bis 580 € Bereitstellung, ab 160,00 € pro Jahr (umsatzabhängig) | Wachsende Sortimente, viele Varianten, Eigenmarken |
| Einzelnummern von Wiederverkäufern | Nummern aus der Basisnummer eines fremden Unternehmens | oft wenige Euro pro Nummer | Aus unserer Sicht kein tragfähiger Weg — siehe Risiken unten |
Die Preise stammen aus der Preisübersicht von GS1 Germany, gelten netto und wurden am 13. August 2026 abgerufen; die dort ausgewiesene Staffel gilt ab dem 1. Januar 2025. Der Nutzungspreis von GS1 Complete steigt mit dem Unternehmensumsatz, der einmalige Bereitstellungspreis mit der gewünschten Nummernkapazität. Für einen Händler mit wenigen Eigenmarkenartikeln ist das Einstiegspaket meist ausreichend.
Warum wir vom Nummernkauf aus zweiter Hand abraten
Im Netz finden Sie Anbieter, die Einzel-EANs für wenige Euro verkaufen. Technisch funktionieren diese Nummern zunächst — sie haben eine gültige Prüfziffer und lassen sich in jeden Feed schreiben. Die Probleme entstehen später, und sie sind unangenehm:
- Die Nummer gehört nicht Ihnen. Sie stammt aus der Basisnummer eines fremden Unternehmens. In den GS1-Datenbanken ist als Nummerninhaber dieses Unternehmen hinterlegt, nicht Ihre Firma.
- Marktplätze prüfen die Herkunft. Weicht der hinterlegte Nummerninhaber von Ihrem Verkäuferkonto ab, kann ein Angebot abgelehnt oder nachträglich gesperrt werden. Ein Austausch der GTIN bedeutet dann neue Artikelnummern und Sichtbarkeitsverlust.
- Die Lizenzbedingungen stehen dagegen. GTINs werden lizenziert, nicht verkauft. Die IT-Recht-Kanzlei formulierte dazu bereits 2017: „Nur Händler, die eine Lizenz dieses Unternehmens für die Verwendung der GTIN haben, dürfen damit Waren kennzeichnen."
- Sie erben fremde Historie. Weiterverkaufte Nummern waren häufig schon einmal im Umlauf. Seit dem 1. Januar 2019 ist eine vergebene GTIN dauerhaft an ihr ursprüngliches Produkt gebunden (Quelle: GS1 Germany) — eine Doppelbelegung lässt sich nicht sauber auflösen.
Die ehrliche Einordnung: Eine gesetzliche Pflicht, Ihre Waren mit einer GTIN zu kennzeichnen, gibt es für den allgemeinen Onlinehandel nicht. Die Pflicht kommt von den Kanälen — Amazon, eBay, Otto oder Google verlangen eine gültige Produkt-ID, um Angebote demselben Artikel zuordnen zu können. Dieser Beitrag ordnet den Stand aus unserer Beratungspraxis ein und ersetzt keine Rechtsberatung.
4. Wann Sie keine GTIN brauchen — und wie die GTIN-Befreiung funktioniert
Nicht jedes Produkt hat eine GTIN, und das ist ausdrücklich vorgesehen. Google formuliert es in der Merchant-Center-Hilfe direkt: „Manchen Produkten ist keine GTIN zugewiesen, sodass Sie in diesen Fällen auch keine angeben müssen." Vier Konstellationen begegnen uns in Projekten regelmäßig:
Eigen- und Handelsmarken
Sind Sie der einzige Anbieter eines Produkts oder verkaufen Sie unter eigener Handelsmarke, ist dem Artikel oft gar keine GTIN zugewiesen. Google verlangt sie dann auch nicht.
Sonderanfertigungen
Individuell gefertigte oder personalisierte Ware existiert nur einmal in dieser Ausprägung. Eine herstellerseitige Artikelnummer gibt es dafür nicht.
Selbst geschnürte Sets
Stellen Sie ein Bündel erst im Versand zusammen, geben Sie die GTIN des Hauptprodukts an und markieren das Angebot als Bündel. Ein Hersteller-Set trägt dagegen eine eigene GTIN.
Ersatzteile ohne Nummer
Bei Ersatzteilen, Zubehör und B-Ware vergibt der Hersteller nicht immer eine GTIN. Fehlt sie nachweislich, ist die Herstellernummer plus Marke die richtige Kennzeichnung.
Bei Google reicht es dann, die GTIN wegzulassen und stattdessen Marke und Herstellernummer sauber zu füllen. Bei Amazon läuft der Weg formaler: Für Produkte ohne herstellerseitige Produkt-ID lässt sich im Seller Central eine GTIN-Befreiung beantragen. Sie wird je Marke und Kategorie erteilt, nicht pauschal fürs Konto (Amazon-Angabe, Stand 08/2026) — wer in mehreren Kategorien listet, stellt mehrere Anträge.
Ein Praxishinweis aus unseren Marktplatzprojekten: Planen Sie die Befreiung vor dem Listing-Aufbau. Werden Artikel erst ohne Markenbezug angelegt und später einer Marke zugeordnet, ist der Aufräumaufwand deutlich größer als der Antrag am Anfang. Wie Listings danach in der Amazon-Suche performen, vertieft unser Leitfaden zum Optimieren des Amazon Marketplace.
5. Wann eine neue GTIN fällig wird — Varianten, Sets und Verpackungsstufen
Die GS1-Vergaberegeln beantworten die Frage, die im Alltag am meisten Geld kostet: Wann reicht die alte Nummer, wann braucht es eine neue? Die Leitfrage lautet immer, ob Kunde oder Handelspartner das geänderte Produkt vom bisherigen unterscheiden können muss. Konkret gilt:
- Jedes neue Produkt bekommt eine eigene GTIN. Bei einer T-Shirt-Linie gilt laut GS1 jedes Modell, jede Farbe und jede Größe als eigenes Produkt mit eigener Nummer.
- Jede Verpackungsstufe oberhalb der Verkaufseinheit bekommt eine eigene GTIN — das Einzelstück, der Sechserkarton und die Palettenlage tragen unterschiedliche Nummern.
- Ändert sich die Stückzahl in einem Karton oder Set, ist eine neue GTIN erforderlich. Aus dem Viererpack wird ein Sechserpack: neue Nummer.
- Ändern sich Abmessungen oder Bruttogewicht um mehr als 20 Prozent, ist ebenfalls eine neue GTIN zu vergeben. GS1 weist ausdrücklich darauf hin, dass wiederholte kleine Änderungen zur Umgehung dieser Grenze nicht akzeptabel sind.
- Recycling ist ausgeschlossen: Seit dem 1. Januar 2019 bleibt eine vergebene GTIN dauerhaft an ihr Produkt gebunden. Eine ausgelistete Nummer für den Nachfolger zu verwenden, ist keine Option mehr.
Für die Sortimentsplanung heißt das: Rechnen Sie den Nummernbedarf über Varianten und Verpackungsstufen hoch, nicht über die Zahl Ihrer Produkte. Ein Sortiment aus 40 Artikeln in je vier Farben und fünf Größen braucht 800 Nummern für die Verkaufseinheiten — plus die Stufen darüber. Wer hier zu knapp einkauft, muss die Basisnummer später aufstocken.
Von der GTIN klar zu trennen ist die NVE, international SSCC. Sie identifiziert keinen Artikeltyp, sondern eine einzelne Versandeinheit — diese eine Palette, diesen einen Karton. In JTL ist sie eng verortet: Die Guide-Suche nach SSCC liefert genau einen sachlichen Treffer, den Speditionsversand in JTL-WMS, und die Nummer setzt sich dort aus Reserveziffer, GLN-Basisnummer, laufender Nummer und Prüfziffer zusammen. Die Details stehen im Beitrag zum Etikettendruck aus JTL.
6. GTIN-Pflege in Warenwirtschaft und PIM
Sauber vergebene Nummern nützen wenig, wenn sie im System an der falschen Stelle liegen. Die Grundregel: Die GTIN gehört an die verkaufbare Einheit. In der Warenwirtschaft ist das der Kindartikel, nicht der Vaterartikel — der Vaterartikel ist nur eine Klammer für die Variantenanzeige und wird nie verkauft.
In JTL-Wawi hat das eine dokumentierte Folge: Eine am Vaterartikel eingetragene GTIN wird beim Erstellen der Kindartikel nur übernommen, wenn genau eine Variation angelegt ist. Auch die dort eingegebene Artikelnummer wird ignoriert — der Kindartikel bekommt die nächste freie Nummer des Nummernkreises. Wie Variationen, Vaterartikel und Kindartikel zusammenhängen, zeigt unser Beitrag zu Variationen und Kindartikeln in JTL-Wawi.
In JTL-Wawi lässt sich das effizient lösen, wenn man den Nummernvorrat einmal importiert. Über Artikel > EAN lesen Sie Ihre gekauften GTINs als CSV ein — die Nummern stehen einfach untereinander in der ersten Spalte. Anschließend weist ein Klick auf das grüne Pluszeichen am GTIN-Feld die nächste freie Nummer zu; bei Varianten markieren Sie im Reiter Kindartikel alle Kombinationen und wählen per Rechtsklick Nächste verfügbare GTIN zuweisen. Damit vergeben Sie hunderte Nummern in einem Durchgang, ohne Tippfehler und ohne Doppelbelegung.
Sobald mehrere Kanäle im Spiel sind, wandert die Hoheit über Produktdaten oft in ein PIM-System. Dort gilt dieselbe Logik auf höherer Ebene: Die GTIN ist ein Pflichtfeld auf Variantenebene, das nicht überschrieben werden darf, und sie dient als stabiler Schlüssel für den Abgleich mit Lieferanten- und Marktplatzdaten. Dasselbe Pflichtfeld erwarten auch B2B-Beschaffungsplattformen — wie es dort in den Katalog-Export einfließt, zeigt unser Beitrag zu Mercateo Unite als B2B-Lieferant. Drei Punkte prüfen wir bei jeder Datenübernahme:
- Feldtyp Text, nicht Zahl. Nur so überleben führende Nullen den Import und den Export.
- Eindeutigkeit erzwingen. Ein Unique-Index oder eine Dublettenregel auf dem GTIN-Feld verhindert, dass zwei Varianten dieselbe Nummer bekommen.
- Herkunft dokumentieren. Vermerken Sie, ob eine Nummer aus Ihrer eigenen Basisnummer stammt oder vom Lieferanten kommt. Das spart bei jedem Marktplatz-Rückfrage-Ticket Stunden.
Für die Ausspielung an Marktplätze und Preisvergleiche kommt in vielen Setups eine Feed-Schicht dazu. Plattformen wie Channable übernehmen die Produktdaten aus Shop oder Warenwirtschaft und bereiten sie je Kanal auf — die GTIN wird dabei durchgereicht, nicht erzeugt. Wie wir das im JTL- und Shopify-Umfeld aufsetzen, beschreibt unsere Seite zum Channable Feed-Management.
Bei Lebensmitteln kommt neben der GTIN eine ganze Feldgruppe dazu, für die dieselbe Disziplin gilt. Artikel 9 Absatz 1 der Lebensmittelinformationsverordnung zählt zwölf Pflichtangaben auf — von der Zutatenliste über die Allergene bis zur Nettofüllmenge; elf davon müssen nach Artikel 14 bereits vor dem Vertragsschluss verfügbar sein. Auch sie gehören als eigenes Feld an die verkaufbare Einheit und nicht als Absatz in den Beschreibungstext, sonst lassen sie sich in keinen Kanal übernehmen. Wie diese Datenkette von der Warenwirtschaft über den Shop bis in die Feeds läuft, beschreibt der Beitrag zur LMIV im Onlineshop.
Zwei Nummernarten daneben sollten Sie nicht mit der GTIN verwechseln. Die GTIN benennt den Artikeltyp, die Chargennummer ein Produktionslos, die Seriennummer ein einzelnes Exemplar. In JTL-Wawi sind die beiden letzten keine weiteren Felder, sondern Schalter in den Lageroptionen — und für die Massenpflege listet die Übersicht zu JTL-Ameise nur Seriennummern als Importobjekt. Der Beitrag zu Chargen und Seriennummern in JTL-Wawi ordnet das ein.
Saubere Produktnummern sind auch die Vorbedingung für den Markenschutz auf Marktplätzen. Amazon verlangt bei der Markenregistrierung eine Liste der Produktkategorien und verknüpft die Marke anschließend mit Ihren Angeboten — ohne verlässliche GTIN je Variante entsteht diese Verknüpfung gar nicht erst. Wie die Registrierung abläuft und welche Werkzeuge sie freischaltet, lesen Sie in Amazon Brand Registry: Marke anmelden und schützen.
7. Fünf GTIN-Fehler, an denen Feeds und Listings scheitern
Google prüft die GTIN im Merchant Center technisch: Die Prüfziffer muss stimmen, akzeptiert werden 8, 12, 13 oder 14 Stellen, und Leerzeichen oder Bindestriche werden zwar entgegengenommen, aber ignoriert. Wo Feeds trotzdem reihenweise kippen, sind es fast immer dieselben fünf Ursachen:
Die Prüfziffer stimmt nicht
Abgetippte Nummern, verdrehte Ziffern oder eine selbst gebaute Nummernlogik führen zu einer ungültigen Prüfziffer. Google und Marktplätze rechnen sie nach und lehnen den Artikel ab. Prüfen Sie verdächtige Nummern mit dem kostenlosen GS1-Prüfziffernrechner.
Führende Nullen sind verschwunden
Der Klassiker aus Excel und CSV: Tabellenkalkulationen lesen die GTIN als Zahl und schneiden führende Nullen ab. Aus einer 13-stelligen Nummer werden 12 Stellen, aus einer GTIN-8 werden 7. Exportieren Sie GTIN-Spalten immer als Text.
Eine GTIN für mehrere Varianten
Alle Größen eines Schuhs teilen sich eine Nummer, weil sie beim Import am Vaterartikel hing. Marktplätze legen die Angebote dann falsch zusammen oder blockieren sie. Jede verkaufbare Variante braucht ihre eigene GTIN.
Die GTIN der falschen Verpackungsstufe
Im Feed landet die Karton- oder Palettennummer statt der Nummer der Verkaufseinheit. Das passiert vor allem, wenn Lieferantendaten ungefiltert übernommen werden. Prüfen Sie bei 14-stelligen Nummern immer, ob wirklich die Umverpackung gemeint ist.
Gekaufte oder gesperrte Nummern
Nummern aus fremden Basisnummern lassen sich der eigenen Firma nicht zuordnen. Dazu kommen technisch gesperrte Bereiche: Google weist Präfixe für eingeschränkte Verteilung und Coupon-Bereiche zurück. Beides endet in Ablehnungen, die sich nur durch neue Nummern lösen lassen.
Ein sechster Stolperstein betrifft Bündel: Stellen Sie ein Set selbst zusammen, geben Sie die GTIN des Hauptprodukts an und kennzeichnen das Angebot als Bündel; bei Mehrfachpackungen tragen Sie zusätzlich die Stückzahl ein. Ein vom Hersteller geschnürtes Set hat dagegen eine eigene GTIN und wird auch mit dieser gelistet. Wie Sie den Feed insgesamt sauber aufsetzen, zeigt unser Leitfaden zum Einrichten des Google Merchant Center.
Praktisch hat sich bei uns ein fester Ablauf bewährt: Vor jedem Kanal-Start läuft ein Export der GTIN-Spalte durch eine Prüfziffern-Validierung und eine Dublettenprüfung. Beides dauert Minuten und ersetzt tagelanges Nachfassen bei abgelehnten Angeboten.
Bei OTTO Market wiegt eine fehlende oder falsche GTIN besonders schwer, weil der Marktplatz ausschließlich Neuware mit gültiger EAN zulässt und jede Farbe sowie jede Größe als eigene Ausführung eine eigene Nummer braucht. Fehlt zusätzlich eine stabile Produktreferenz, vergibt OTTO die Variantenbildung automatisch — mit dem Risiko, dass zusammengehörige Ausführungen als Einzelartikel im Katalog landen statt als eine Variantengruppe. Welche weiteren Datenfelder für die Zulassung und die automatische Titelbildung bei OTTO wichtig sind, beschreibt unser Beitrag zu OTTO Market.
Bei den Preisvergleichsportalen gilt dieselbe Logik wie bei Google, nur mit anderer Wortwahl: Pflicht ist die GTIN dort, wo der Hersteller eine vergeben hat — fehlt sie, tritt die Herstellernummer an ihre Stelle. Zwei andere Felder kippen dort allerdings häufiger als die Nummer selbst. billiger.de führt Versandkosten und Lieferzeit für jedes Angebot als erforderlich und verlangt ausdrücklich Endkundenpreise inklusive Mehrwertsteuer; als Begründung nennt der Betreiber, dass fehlende Versandkosten in den meisten Fällen zu Kaufabbrüchen führen. Welches Portal welche Felder verlangt und wie dort abgerechnet wird, steht im Beitrag zu Preisvergleichsportalen für Händler.
8. Fazit: Die Nummer entscheidet, ob Ihre Produkte sichtbar werden
GTIN, EAN und UPC bezeichnen dasselbe System — wer das verinnerlicht hat, versteht die Anforderungen von Amazon und Google sofort. Nummern kommen von GS1, gehören an die verkaufbare Variante und bleiben dauerhaft an ihr Produkt gebunden. Wo keine GTIN existiert, gibt es geregelte Auswege statt gekaufter Behelfsnummern.
Der Aufwand liegt selten in der Beschaffung, sondern in der Pflege: im richtigen Feldtyp, in der Zuordnung zur richtigen Ebene und in einem Export, der die Nummern unversehrt an den Kanal übergibt. Genau dort setzen wir an — von der Datenstruktur in der Warenwirtschaft über den Feed bis zur Kanal-Freischaltung. Den Rahmen dafür steckt unsere E-Commerce-Beratung ab. Ein sauberer Feed wird auch dann nicht überflüssig, wenn künftig KI-Agenten statt Menschen einkaufen — welche Rolle die GTIN dabei spielt, ordnet unser Beitrag zu Agentic Commerce ein.
9. Häufige Fragen zu GTIN und EAN
Sind GTIN und EAN das Gleiche?
Im Alltag ja. GS1 führte den Begriff GTIN 2009 ein und löste damit die europäische EAN ab (Quelle: GS1 Germany). Die 13-stellige Nummer unter dem Barcode heißt heute korrekt GTIN-13. GTIN ist dabei der Oberbegriff: Auch die amerikanische UPC und die Buch-ISBN sind GTIN-Ausprägungen und folgen denselben Regeln.
Wie setzt sich die 13-stellige GTIN zusammen?
Aus drei Teilen: der GS1-Basisnummer, einem individuellen Nummernbereich für Ihre Artikel und der Prüfziffer an letzter Stelle. Die Basisnummer ist sieben bis neun Stellen lang und leitet sich aus Ihrer GLN ab. Sie sorgt dafür, dass Ihre Nummern weltweit überschneidungsfrei bleiben (Quelle: GS1 Germany).
Wo finde ich die GTIN eines Produkts?
Auf der Verpackung: Die GTIN steht als Ziffernfolge direkt unter dem Strichcode. Fehlt der Aufdruck, helfen das Datenblatt des Herstellers, die Lieferantenrechnung oder das Artikelstammblatt weiter. In Ihrer Warenwirtschaft liegt sie im Artikelstamm, bei Varianten immer am Kindartikel und nicht am Vaterartikel.
Woher bekomme ich eine eigene GTIN?
Von GS1, in Deutschland von GS1 Germany. Für kleine Sortimente gibt es das Paket SmartStarter10 mit zehn GTINs für 60 Euro netto im Jahr, für größere Sortimente GS1 Complete ab 250 Euro Bereitstellungspreis (GS1 Germany, Stand August 2026). Sie erwerben ein Nutzungsrecht auf Zeit, kein Eigentum.
Ist eine EAN dasselbe wie eine Seriennummer?
Nein. Die EAN beziehungsweise GTIN kennzeichnet den Artikeltyp: Alle Exemplare desselben Produkts tragen dieselbe Nummer. Eine Seriennummer identifiziert dagegen genau ein einzelnes Exemplar. Für Chargen und Seriennummern sieht GS1 eigene Datenfelder vor, die zusätzlich zur GTIN im Barcode stehen können.
Verrät die GTIN das Herkunftsland des Produkts?
Nein, das ist der häufigste Irrtum. Die ersten drei Ziffern zeigen nur die Vergabestelle, etwa 400 bis 440 für GS1 Germany oder 900 bis 919 für GS1 Austria. Sie geben keinen Hinweis auf die Herkunft der Ware (Quelle: GS1 Austria). Ein Produkt mit 400er-Präfix kann überall gefertigt sein.
Braucht jede Produktvariante eine eigene GTIN?
Ja. GS1 behandelt jede Farbe, jede Größe und jedes Modell als eigenes Produkt mit eigener GTIN. Auch jede Verpackungsstufe oberhalb der Verkaufseinheit bekommt eine eigene Nummer (Quelle: GS1 GTIN-Management-Regeln). Marktplätze prüfen das: Eine mehrfach genutzte GTIN führt zu blockierten oder falsch zusammengelegten Angeboten.
10. Quellen & offizielle Informationen
Alle Angaben in diesem Beitrag wurden am 13. August 2026 gegen die folgenden Quellen geprüft. Preise und Regelwerke ändern sich — bitte vor einer Entscheidung den aktuellen Stand beim Anbieter nachsehen. Externe Links öffnen in einem neuen Tab.
- GS1 Germany — GTIN kennzeichnet Produkte im Handel — Definition, Ablösung der EAN im Jahr 2009, Aufbau aus Basisnummer, Nummernbereich und Prüfziffer (Primärquelle).
- GS1 Germany — Fragen zu EAN, GTIN, Barcode & Co. — „EAN und GTIN bezeichnen dasselbe" sowie Bereitstellung der Nummern über die GS1 Service-Plattform.
- GS1 Germany — Preisübersicht — Nutzungs- und Bereitstellungspreise für SmartStarter10 und GS1 Complete, netto, ausgewiesen ab 01.01.2025.
- GS1 Germany — GTIN-Non-Reuse-Regel — dauerhafte Bindung einer vergebenen GTIN an das Produkt seit dem 1. Januar 2019.
- GS1 Germany — kostenloser Prüfziffernrechner — Berechnung für GTIN-8, GTIN-12, GTIN-13, GTIN-14 und GLN.
- GS1 Austria — GTIN zur Artikelidentifikation — Formate GTIN-8/12/13/14 und die Feststellung, dass die ersten drei Stellen keinen Hinweis auf die Herkunft einer Ware geben.
- GS1 — GTIN-Management-Regeln (deutsch) — wann eine neue GTIN nötig ist: neues Produkt, Verpackungsstufen, Stückzahl im Karton, Änderung von Abmessungen oder Bruttogewicht über 20 Prozent.
- Google — GTIN-Attribut im Merchant Center — akzeptierte Längen, Prüfziffer, eingeschränkte Präfixe, Ausnahmen ohne GTIN sowie die Regeln für Bündel und Mehrfachpackungen.
- Amazon Seller Central — Hilfe zu Produkt-IDs — Anforderungen und GTIN-Befreiung; die Detailseiten sind nur mit Verkäuferkonto einsehbar.
- JTL-Guide — EANs/GTINs importieren — CSV-Import über Artikel > EAN und Zuweisung der nächsten freien Nummer an Artikel und Kindartikel.
- IT-Recht-Kanzlei — Nutzung eigener GTIN im Online-Handel — Einordnung zum Lizenzcharakter der GTIN (Beitrag von 2017; als Rechts-Einschätzung zitiert, keine Rechtsberatung).