Ein CDN (Content Delivery Network) ist ein Netz aus Servern an vielen Standorten, die Kopien Ihrer Dateien nahe bei Ihren Kunden vorhalten. Bilder, Skripte und Stylesheets kommen dann aus einem Rechenzentrum in der Nähe statt von Ihrem Server. Das verkürzt Wege und entlastet den Shop bei Lastspitzen. Warenkorb, Checkout und Kundenkonto gehören dagegen nie in diesen Cache.
1. Die Begriffe: Origin, Edge, Cache
Wer über CDNs spricht, benutzt sechs Begriffe immer wieder. Wenn Sie diese kennen, lesen Sie jedes Angebot und jede Fehlermeldung schneller. Ein deutsches Wort gibt es übrigens auch: „Inhaltszustellnetz“. Laut Wikipedia wird es aber nur sehr selten verwendet.
| Begriff | Bedeutung | Im Shop-Alltag |
|---|---|---|
| Origin | Ihr eigener Server, auf dem der Shop läuft. Er bleibt die einzige Quelle für Preise, Bestand und Bestellungen. | Alles Persönliche entsteht nur hier. |
| Edge-Server, PoP | Ein Server des CDN an einem Standort nahe bei den Besuchern. PoP steht für Point of Presence. | Liefert Kopien aus, ohne Ihren Server zu fragen. |
| Cache | Ein Zwischenspeicher für Antworten, die viele Besucher teilen dürfen. | Hält Produktbilder, Skripte und Schriften vor. |
| TTL | Die Zeit, in der eine Kopie als frisch gilt. TTL steht für Time to Live. | Bestimmt, wie lange ein altes Bild noch ausgeliefert wird. |
| Purge | Das gezielte Löschen von Kopien im CDN. | Nötig, wenn eine Datei sofort ersetzt werden muss. |
| HIT und MISS | HIT: Die Antwort kam aus dem Cache. MISS: Das CDN musste beim Origin nachfragen. | Zeigt, ob das CDN überhaupt wirkt. |
Eine Unterscheidung aus der HTTP-Norm trägt den Rest dieses Beitrags. Ein privater Cache gehört einem einzelnen Nutzer, meist ist das der Browser. Ein gemeinsamer Cache hält Antworten für viele Nutzer vor. Genau das ist ein CDN (Quelle: RFC 9111, HTTP Caching). Was dort liegt, kann jeder Besucher bekommen. Daraus folgt die wichtigste Regel für Shops, zu der wir in Abschnitt 3 kommen.
2. So läuft eine Anfrage durch ein CDN
Eine Kundin in Wien öffnet Ihre Produktseite, Ihr Server steht in einem Rechenzentrum in Deutschland. Ohne CDN geht jede Anfrage bis zu Ihrem Server. Mit CDN landet sie zuerst an einem Edge-Server in ihrer Nähe. Liegt das Produktbild dort schon, kommt es sofort zurück — ein HIT. Fehlt es, holt der Edge-Server das Bild einmal vom Origin, gibt es weiter und behält eine Kopie für die nächsten Besucher — ein MISS.
Welcher Edge-Server antwortet, entscheidet das CDN selbst. Es berücksichtigt dabei die Auslastung der Server und die Verbindung zum Besucher, etwa Entfernung und Laufzeit. Für Sie heißt das: Sie wählen keine Standorte aus, sondern legen nur fest, was gespeichert werden darf und wie lange.
Für die Einbindung gibt es zwei Wege. Sie unterscheiden sich stärker, als es auf den ersten Blick wirkt:
Proxy vor der ganzen Domain. Ihre Domain zeigt per DNS auf das CDN. Jede Anfrage läuft hindurch, auch Warenkorb und Checkout, die das CDN ungespeichert an Ihren Server weiterreicht. Der Vorteil: Das CDN kann auch filtern und schützen, und die Adresse Ihres Servers bleibt verborgen. Der Nachteil: Fällt der Dienst aus oder blockt er falsch, ist der ganze Shop betroffen. So arbeiten die großen Plattformen mit Schutzpaket. Wie das bei einem Anbieter konkret aussieht, erklärt unser Beitrag Was ist Cloudflare? — mit allen Bausteinen, den Ausfällen von 2025 und dem Weg zurück.
Eigene Subdomain nur für Dateien. Bilder, Skripte und Schriften laden von einer Adresse wie cdn.ihr-shop.de, die HTML-Seiten weiter direkt von Ihrem Server. Fehlende Dateien holt das CDN selbst beim Origin ab. Der Vorteil: Der Shop bleibt vom CDN unabhängig. Fällt es aus, fehlen Bilder, aber Bestellungen laufen weiter. Der Nachteil: Ihr Server steht ungeschützt im Netz, und die zusätzliche Adresse kostet einen weiteren Verbindungsaufbau.
Google unterstützt beide Varianten ausdrücklich und nennt auch die Kombination. Den Performance-Nachteil der Extra-Adresse spricht Google selbst an: Wer den Haupthost über ein CDN ausliefert, vermeidet ihn (Quelle: Google Search Central, CDNs and crawling). Für Shopware ist die Subdomain-Variante dokumentiert. Sie tragen die CDN-Adresse als öffentliche URL des Dateisystems ein, gespeichert wird weiter dort, wo es konfiguriert ist (Quelle: Shopware-Dokumentation, Filesystem).
3. Was in den Cache darf — und was nie
Ein CDN ist ein gemeinsamer Cache. Für einen Shop ist deshalb eine Frage zentral: Welche Antwort ist für alle Besucher gleich, und welche gehört nur einer Person? Die folgende Tabelle ordnet die typischen Inhalte eines Shops ein. Sie gilt für jedes CDN, unabhängig vom Anbieter.
| Inhalt | Cachen? | Warum |
|---|---|---|
| Produktbilder, Schriften, versionierte CSS- und JS-Dateien | Ja, lange. | Gleich für alle Besucher. Eine Versionsnummer im Dateinamen erzeugt nach jeder Änderung eine neue Adresse. |
| Kategorie- und Produktseiten (HTML) | Nur mit Konzept. | Preise, Bestand und Kundengruppen ändern den Inhalt. Das Shopsystem muss den Cache gezielt leeren können. |
| Warenkorb, Checkout, Kundenkonto, Login | Nie. | Persönliche Daten dürfen in keinem gemeinsamen Cache landen. |
| Suche und Filter mit Parametern | Meist nicht. | Jede Kombination ergibt eine neue Adresse und damit kaum Treffer. |
| Wawi-Abgleich, Zahlungs-Webhooks, APIs | Nie, dazu Ausnahmen im Filter. | Maschinen brauchen immer die aktuelle Antwort vom Server. |
| Admin-Bereich und Vorschau | Nie. | Nur für Ihr Team bestimmt. |
Gesteuert wird das über HTTP-Header, die Ihr Server mitschickt. Die Anweisung private heißt laut Norm: Ein gemeinsamer Cache darf die Antwort nicht speichern. no-store verbietet das Speichern in jedem Cache. Mit s-maxage geben Sie gemeinsamen Caches eine eigene Frist, unabhängig vom Browser. Für Dateien, die sich nie ändern, empfiehlt MDN eine Versionsnummer in der Adresse und eine lange Frist.
Zwei Details aus der Dokumentation werden oft übersehen. Erstens macht ein Cookie allein eine Antwort nicht privat — Sie müssen private ausdrücklich setzen. Zweitens fasst ein gemeinsamer Cache gleichzeitig eintreffende Anfragen zusammen und verwendet eine Antwort mehrfach. Laut MDN geschieht das sogar bei no-cache oder max-age=0. Auch hier schützt nur private die persönliche Seite (Quelle: MDN Web Docs, HTTP-Caching).
Viele Anbieter sind im Standard vorsichtig. Cloudflare etwa speichert HTML und JSON im Standard nicht. Auch Antworten mit private, no-store, no-cache, max-age=0 oder einem gesetzten Cookie landen dort nicht im Cache (Quelle: Cloudflare Docs, Default cache behavior, Stand 14. September 2026). Das Risiko entsteht erst, wenn jemand eine Regel wie „alles cachen“ einschaltet, um Ladezeit zu gewinnen. Im JTL-Forum beschreibt ein Händler die Folge: Die gespeicherte Seite trägt ein fremdes Cookie, der Warenkorb wird fehlerhaft angezeigt oder nimmt keine Artikel mehr an (Quelle: JTL-Forum, Cloudflare und JTL-Shop).
Wer HTML trotzdem am Rand zwischenspeichern will, braucht ein Shopsystem, das mitspielt. Shopware beschreibt dafür die Anbindung eines Reverse-Proxy-Caches und nennt zwei Voraussetzungen: Der Cache muss Anfragen anhand mehrerer Cookies unterscheiden können, und der Shop muss ihn gezielt leeren können. Fastly wird dort seit Version 6.4.11.0 direkt unterstützt (Quelle: Shopware-Dokumentation, Reverse HTTP cache). Fehlt eine solche Anbindung, bleibt HTML aus dem CDN-Cache.
Für JTL-Shop kommt eine Besonderheit hinzu. Der Abgleich mit JTL-Wawi läuft ohne Browser über den Pfad /dbeS/. Er braucht eine Ausnahme vom Cache und vom Bot-Filter, sonst bleiben Artikel und Bestellungen hängen. Was hinter diesem Pfad steckt, erklärt unser Beitrag zum Onlineshop-Abgleich über dbeS.
4. Was ein CDN für Ladezeit und Core Web Vitals bringt
Die Wirkung eines CDN beginnt bei der Zeit bis zum ersten Byte, der Time to First Byte (TTFB). web.dev nennt als groben Richtwert 0,8 Sekunden oder weniger. TTFB ist selbst keine Core-Web-Vitals-Kennzahl, wirkt aber auf den Largest Contentful Paint (LCP) — also darauf, wann das größte Element sichtbar ist. Ein guter LCP liegt laut web.dev bei 2,5 Sekunden oder weniger, gemessen am 75. Perzentil der Seitenaufrufe (Quelle: web.dev, Largest Contentful Paint).
web.dev beschreibt das CDN als Lösung für ein Entfernungsproblem: Auch ein gut optimierter Server wirkt langsam, wenn Nutzer weit weg sind. Dazu kommen schnelle DNS-Antworten, moderne Protokolle wie HTTP/2 und HTTP/3, aktuelle TLS-Versionen mit kürzerem Verbindungsaufbau und gute Kompression. Für Websites ohne CDN nennt web.dev die Einführung eine hohe Priorität beim Senken der TTFB (Quelle: web.dev, Optimize Time to First Byte).
Was ein CDN verbessert:
- Bilder, Skripte und Schriften kommen aus der Nähe. Das Hauptbild einer Produktseite kann das LCP-Element sein.
- Der Verbindungsaufbau wird kürzer, weil die Verschlüsselung am nahen Edge-Server beginnt.
- Ihr Server wird entlastet und hat mehr Luft für Warenkorb und Checkout.
- Ein Bild-CDN kann Format und Größe passend zum Gerät ausliefern.
Was ein CDN nicht verbessert:
- Interaction to Next Paint (INP) misst die Reaktion auf Klicks. Das hängt am JavaScript im Browser, nicht am Transportweg.
- Cumulative Layout Shift (CLS) entsteht durch springende Elemente im Layout. Auch daran ändert ein CDN nichts.
- Dynamische Seiten wie der Checkout bleiben so schnell wie Ihr Server.
- Ein langsames Backend wird durch Caching verdeckt, nicht behoben.
Den letzten Punkt betont web.dev ausdrücklich. Ein Test gegen eine gespeicherte Seite zeigt keine Probleme, obwohl das Backend langsam ist. Messen Sie deshalb auch einmal am CDN vorbei. Und achten Sie auf Tracking-Parameter: Anhänge wie gclid oder utm_source lassen dieselbe Seite für das CDN wie eine neue aussehen, der Cache greift dann nicht. Prüfen Sie, ob Ihr CDN solche Parameter beim Cache-Schlüssel ignorieren kann.
Welche Hebel außerhalb des CDN auf LCP, INP und CLS wirken und wie Sie die Nutzerdaten Ihres Shops lesen, zeigt unser Beitrag zu den Core Web Vitals im Onlineshop.
5. Lastspitzen, Aktionstage und Angriffe
Eine Produktseite lädt neben dem HTML viele weitere Dateien: Bilder, Skripte, Stylesheets und Schriften. Kommen diese aus dem Cache, bleibt Ihr Server frei für das, was nur er kann. Hilfreich ist dabei die Anfragenzusammenführung. Treffen viele gleiche Anfragen zur selben Zeit ein, leitet der gemeinsame Cache nur eine davon an den Origin weiter und nutzt die Antwort für alle. Cloudflare beschreibt dasselbe als Sperre je Rechenzentrum, die den Origin vor zu vielen Anfragen schützt.
Zwei Grenzen sollten Sie vor dem nächsten Aktionstag kennen. Erstens laufen Warenkorb, Checkout und Zahlung bei jedem Besucher über Ihren Server. Ein CDN verschiebt den Engpass also, es beseitigt ihn nicht. Die Kapazität für diese Schritte muss Ihr Server selbst haben. Zweitens ist ein neuer oder gerade geleerter Cache „kalt“: Jede Datei muss einmal vom Origin kommen, bevor das CDN hilft. Leeren Sie den Cache deshalb nicht kurz vor dem Start einer Aktion. Was sonst vor dem Saisonhöhepunkt auf die Liste gehört, steht in unserer Checkliste fürs Weihnachtsgeschäft.
Beim Schutz vor Überlastungsangriffen kommt es auf die Einbindung an. Steht das CDN als Proxy vor der ganzen Domain, trifft ein Angriff zuerst das CDN — sofern die Adresse Ihres Servers nicht anderweitig bekannt ist. Liefert das CDN nur Dateien über eine Subdomain aus, bleibt Ihr Server unter der Hauptdomain direkt erreichbar und damit angreifbar. Was im Ernstfall in der ersten Stunde zu tun ist, beschreibt unser Notfallplan für DDoS-Angriffe.
6. Was Google über CDNs und Crawling sagt
Google hat im Dezember 2024 erklärt, wie ein CDN das Crawling beeinflusst. Drei Aussagen sind für Shops wichtig:
- Höhere Crawl-Rate. Erkennt Google anhand der IP-Adresse ein CDN, liegt die Schwelle für das Drosseln deutlich höher. Der Crawler geht davon aus, dass Ihr Server mehr gleichzeitige Anfragen verkraftet.
- Kalter Cache bei vielen neuen Adressen. Auch mit CDN muss Ihr Server jede URL mindestens einmal selbst ausliefern. Wer viele Seiten auf einmal veröffentlicht, sollte laut Google mit einigen Tagen erhöhter Crawl-Last rechnen.
- Zu strenge Filter. Blockt die Firewall des CDN den Googlebot, fehlen Seiten in der Suche. Netzwerk-Timeouts gelten als harte Fehler und können URLs aus dem Index entfernen. Besonders schlecht sind Fehlerseiten, die den Status 200 melden.
Für Prüfseiten, die Menschen von Bots trennen sollen, gibt Google eine klare Empfehlung. Crawler sollen dort den Status 503 bekommen, der „vorübergehend nicht verfügbar“ bedeutet. Dann nimmt Google die Seite nicht automatisch aus dem Index (Quelle: Google Search Central Blog, 24. Dezember 2024).
Unsere Routine: Nach jeder Änderung an Firewall- oder Bot-Regeln prüfen wir einige wichtige Kategorie- und Produktseiten mit dem URL-Prüftool der Search Console. Wie das Werkzeug funktioniert, steht in unserem Beitrag zur Google Search Console.
7. Vier Anbieterklassen — herstellerneutral sortiert
Wir ordnen den Markt nicht nach „bester Anbieter“, sondern nach Bauart. Denn die Bauart entscheidet, was Sie einrichten müssen und was bei einem Ausfall passiert. Die Beispiele stammen aus den Selbstbeschreibungen und Impressen der Anbieter, Stand 25. September 2026. Eine Rangfolge ist das nicht: Wir haben die Dienste nicht unter gleichen Bedingungen gemessen, und ohne Messung wäre jede Reihenfolge erfunden.
| Klasse | Beispiele | Passt, wenn | Bedenken |
|---|---|---|---|
| Plattform mit Schutzpaket | Cloudflare, Myra Security (München), Link11 (Frankfurt am Main) | Sie wollen Auslieferung, Firewall und Bot-Schutz aus einer Hand. | Der ganze Shop hängt an der Verfügbarkeit des Dienstes. |
| CDN im Cloud-Konto | Amazon CloudFront, Google Cloud CDN, Azure Front Door | Ihr Shop oder Ihre Dateien liegen ohnehin bei diesem Cloud-Anbieter. | Die Abrechnung hat mehrere Posten, die Einrichtung braucht Cloud-Wissen. |
| Abrechnung nach Datenmenge | bunny.net (Ljubljana, Slowenien) | Sie wollen vor allem Bilder und Dateien schneller ausliefern. | Ihr Server bleibt ungeschützt, wenn nur eine Datei-Subdomain angebunden ist. |
| In der Plattform enthalten | Shopify (CDN betrieben von Cloudflare) | Sie nutzen einen gehosteten Shop. | Wenig Einfluss auf die Regeln, dafür kein eigener Aufwand. |
Bei Shopify ist die Frage schon beantwortet. Laut Shopify-Hilfe nutzt jeder Shop ohne Aufpreis ein CDN, das Cloudflare betreibt, und Bilder laufen über ein eigenes Bild-CDN (Quelle: Shopify Help Center). Bei selbst gehosteten Systemen wie JTL-Shop oder Shopware entscheiden Sie selbst. Wir setzen dort meist auf das Proxy-Modell, weil es Auslieferung und Schutz verbindet — mit den Ausnahmen aus Abschnitt 3. Wie das für JTL-Shop aussieht, beschreibt unsere Seite zum Cloudflare-Schutz für JTL-Shop.
Planen Sie außerdem den Ausstieg mit ein. Wie schnell ein CDN verschwinden kann, zeigt Azure CDN from Edgio. Der Betreiber Edgio hatte ein Gläubigerschutzverfahren nach US-Recht (Chapter 11) eingeleitet, Akamai übernahm im Dezember 2024 Teile des Geschäfts. Microsoft zog die Abschaltung daraufhin vom 4. November 2025 auf den 15. Januar 2025 vor. Wer bis zum 7. Januar 2025 nicht selbst gehandelt hatte, wurde automatisch umgezogen (Quelle: Microsoft Learn, Azure CDN from Edgio retirement FAQ).
Die Lehre daraus ist einfach: Halten Sie Ihre Cache- und Filterregeln schriftlich fest, am besten als Textdatei oder Code, und behalten Sie die DNS-Einträge unter eigener Kontrolle. Dann bleibt ein Wechsel planbar, auch wenn er kurzfristig nötig wird.
8. Was ein CDN kostet
CDN-Preise folgen vier Modellen. Die Tabelle zeigt je ein Beispiel, alle Angaben laut Preisseite des Anbieters, netto in US-Dollar. Preisstand: 25. September 2026. Anbieter ändern Tarife regelmäßig, prüfen Sie vor einer Entscheidung den aktuellen Stand.
| Modell | Beispiel laut Anbieter | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Tarif je Domain | Cloudflare: CDN schon im Free-Plan für 0 USD. Pro kostet 20 USD, Business 200 USD im Monat bei Jahreszahlung (monatlich 25 bzw. 250 USD). | Welche Cache- und Filterregeln Ihre Stufe enthält. |
| Pauschale mit Kontingent | Amazon CloudFront: Pauschalen für 0, 15, 200 oder 1.000 USD im Monat mit festen Kontingenten für Anfragen und Datenmenge. Daneben gibt es nutzungsabhängige Preise. | Eigene Caching-Regeln enthalten diese Pauschalen erst ab der Stufe Business. |
| Nach Datenmenge | bunny.net: 0,01 USD je GB in Europa und Nordamerika, mindestens 1 USD im Monat, keine Gebühr je Anfrage. | Die Rechnung wächst mit Bildgrößen und Besucherzahl. |
| Datenmenge plus Anfragen | Google Cloud CDN: 0,02 bis 0,20 USD je GiB Auslieferung, 0,01 bis 0,04 USD je GiB Cache-Befüllung und 0,0075 USD je 10.000 Abfragen. | Auch das Nachladen vom Origin in den Cache kostet. |
Das CloudFront-Detail in der zweiten Zeile ist für Shops wichtig. Ohne eigene Caching-Regeln lassen sich die Ausnahmen aus Abschnitt 3 nicht sauber setzen. Die günstigste Stufe ist deshalb nicht automatisch die passende.
Was in keiner Preisliste steht, ist die Arbeitszeit: Cache-Regeln, Ausnahmen für Schnittstellen, Tests und ein Ablauf zum Leeren des Caches bei Änderungen. Rechnen Sie diese Einrichtung als eigenen Posten ein, die Pflege danach ebenfalls. Und ein CDN ersetzt kein Hosting — der Shop läuft weiter auf Ihrem Server. Welche Hosting-Art zu welchem Shop passt und wie sich die Kosten dort aufteilen, ordnet unser Webhosting-Vergleich ein.
9. Datenschutz in Kürze
Jedes CDN verarbeitet bei jeder Anfrage die IP-Adresse Ihrer Besucher. Im Proxy-Modell sieht es zusätzlich die entschlüsselten Inhalte, denn nur so kann es zwischenspeichern und filtern. Daraus folgen drei Aufgaben: ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung, ein Abschnitt in der Datenschutzerklärung und bei Anbietern außerhalb der EU eine tragfähige Grundlage für den Drittlandtransfer.
Anbieter mit Sitz in der EU nehmen den Drittlandtransfer aus der Gleichung. Beispiele sind Myra Security in München, Link11 in Frankfurt am Main und bunny.net in Ljubljana, jeweils laut Impressum oder Nutzungsbedingungen. Vertrag und Datenschutzerklärung bleiben trotzdem Pflicht, und die Unterauftragnehmer prüfen Sie auch bei ihnen. Wie das Schritt für Schritt geht, zeigt unser Beitrag Cloudflare und DSGVO am konkreten Fall. Dieser Abschnitt ist eine Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung.
10. In sechs Schritten zum CDN
So führen wir ein CDN in Shop-Projekten ein. Die Reihenfolge ist Absicht, denn jeder Schritt sichert den nächsten ab:
01 — Ausgangswerte messen
Notieren Sie TTFB und LCP aus echten Nutzerdaten, etwa aus dem Core-Web-Vitals-Bericht der Search Console. Ohne Vorher-Wert lässt sich später keine Wirkung belegen.
02 — Header am Server aufräumen
Persönliche Seiten bekommen private oder no-store, statische Dateien lange Fristen mit Versionsnummer im Dateinamen. Das CDN folgt dann den Regeln, die Ihr Server vorgibt.
03 — Ausnahmen festlegen
Warenkorb, Checkout, Kundenkonto, Admin, der Abgleich mit der Warenwirtschaft und die Webhooks der Zahlungsanbieter bleiben außen vor — im Cache und im Bot-Filter.
04 — Vor dem Umschalten testen
Prüfen Sie die Antwort-Header. Der Standard-Header Age nennt das Alter einer zwischengespeicherten Antwort in Sekunden. Dazu kommt ein Statusheader des Anbieters, bei Cloudflare etwa CF-Cache-Status mit HIT, MISS oder BYPASS.
05 — DNS umstellen
Setzen Sie die Gültigkeitsdauer der DNS-Einträge vorher herunter. So lässt sich die Umstellung schnell zurücknehmen, falls etwas hakt.
06 — Nachmessen und Leeren planen
Vergleichen Sie nach einigen Wochen die Nutzerdaten. Legen Sie außerdem fest, wer den Cache leert, wenn eine Datei sofort ersetzt werden muss.
In unseren Projekten steckt die meiste Arbeit in Schritt drei. Jede Schnittstelle, die Ihren Shop ohne Browser aufruft, braucht eine Ausnahme — und eine vollständige Liste liegt selten vor. Schauen Sie deshalb vor dem Umschalten in die Zugriffsprotokolle Ihres Servers: Dort sehen Sie, welche Programme den Shop regelmäßig aufrufen.
- Was ein CDN istein Netz verteilter Server mit Kopien Ihrer Dateien nahe bei den Besuchern
- BeschleunigtBilder, Skripte, Stylesheets und Schriften
- Nie im CacheWarenkorb, Checkout, Kundenkonto, Login, Schnittstellen
- Wichtigste RegelCache-Control: private für alles Persönliche
- Richtwerte (web.dev)TTFB bis 0,8 s, LCP bis 2,5 s
- Wirkt nicht aufINP und CLS
- Kostenab 0 USD im Tarif oder ab 0,01 USD je GB, Stand 25.09.2026
- DatenschutzVertrag, Datenschutzerklärung, bei Nicht-EU-Anbietern Drittland prüfen
11. Fazit: Das CDN ist so gut wie seine Regeln
Ein CDN ist kein Schalter für mehr Tempo, sondern ein gemeinsamer Zwischenspeicher mit klaren Regeln. Es beschleunigt, was für alle gleich ist, entlastet Ihren Server bei Andrang und erlaubt Google ein schnelleres Crawlen. Warenkorb, Checkout und Schnittstellen bleiben Sache Ihres Servers — und damit auch dessen Leistung. Der Wert entsteht deshalb nicht beim Einschalten, sondern bei drei Entscheidungen: welche Header Ihr Server sendet, welche Pfade ausgenommen sind und wer den Cache leert.
Sie möchten wissen, welches Modell zu Ihrem Shop passt und welche Ausnahmen Ihre Schnittstellen brauchen? Dann sehen wir uns das gemeinsam an. Für JTL-Shop gibt es dafür unseren Cloudflare-Schutz mit Einrichtung, für Server und Hosting die Webhosting-Beratung.
12. Häufige Fragen zum CDN
Was versteht man unter einem CDN?
Ein CDN ist ein Netz aus vielen Servern an verteilten Standorten. Es speichert Kopien Ihrer Dateien nahe bei Ihren Besuchern und liefert sie von dort aus. Ihr eigener Server, der Origin, bleibt die Quelle. Er beantwortet nur noch, was das CDN nicht vorrätig hat oder nicht speichern darf.
Ist ein CDN nur ein Cache?
Nein, aber der Cache ist der Kern. Viele CDNs verkürzen zusätzlich den Verbindungsaufbau, weil die Verschlüsselung am nahen Edge-Server beginnt, und liefern oft über moderne Protokolle wie HTTP/3 aus. Anbieter im Proxy-Modell ergänzen Firewall, Bot-Filter und Schutz vor Überlastungsangriffen. Was davon Sie bekommen, hängt vom Anbieter und vom Tarif ab.
Was ist der Unterschied zwischen DNS und CDN?
DNS ist das Adressbuch des Internets: Es übersetzt Ihren Domainnamen in die Adresse eines Servers. Ein CDN liefert danach die Inhalte aus. Beide hängen zusammen, denn beim Proxy-Modell zeigt Ihr DNS-Eintrag auf das CDN statt auf Ihren Server. Deshalb ist das Umstellen der DNS-Einträge meist der eigentliche Schalter.
Welche CDN-Anbieter gibt es?
Grob vier Gruppen: Plattformen, die Auslieferung und Schutz bündeln, etwa Cloudflare, Myra oder Link11. CDNs großer Cloud-Anbieter wie Amazon CloudFront oder Google Cloud CDN. Dienste, die nach Datenmenge abrechnen, etwa bunny.net. Und CDNs, die in Shop-Plattformen schon enthalten sind, wie bei Shopify. Eine Rangliste geben wir bewusst nicht.
Was kostet ein CDN?
Das hängt vom Abrechnungsmodell ab. Cloudflare enthält das CDN schon im Free-Plan für 0 USD. Amazon CloudFront bietet Pauschalen von 0 bis 1.000 USD im Monat. Bei bunny.net kostet ein Gigabyte in Europa 0,01 USD, mindestens 1 USD im Monat. Stand jeweils 25. September 2026. Rechnen Sie zusätzlich die Arbeitszeit für die Cache-Regeln ein.
Brauche ich mit Shopify ein eigenes CDN?
In der Regel nicht. Shopify schreibt in seiner Hilfe, dass jeder Shop ein CDN nutzt, das Cloudflare betreibt, und dass Bilder automatisch über ein Bild-CDN optimiert werden. Die Ladezeit bestimmen bei Shopify laut derselben Hilfeseite vor allem Theme, installierte Apps und eingebundener Code von Drittanbietern.
Macht ein CDN meinen Shop automatisch schneller?
Nur teilweise. Bilder, Skripte und Stylesheets kommen schneller, vor allem bei Besuchern weit weg vom Server. Warenkorb, Checkout und Kundenkonto laufen aber weiter über Ihren Server, weil sie nie im gemeinsamen Cache liegen dürfen. Eine langsame Datenbank oder ein überladenes Theme behebt ein CDN nicht.
Ist ein CDN DSGVO-konform?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Jedes CDN verarbeitet die IP-Adressen Ihrer Besucher. Sie brauchen daher einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung, einen Eintrag in der Datenschutzerklärung und bei Anbietern außerhalb der EU eine Grundlage für den Datentransfer. Wie das am Beispiel Cloudflare aussieht, zeigt unser Datenschutz-Beitrag. Eine Rechtsberatung ersetzt das nicht.
Quellen & weiterführende Informationen
Alle Quellen wurden am 25. September 2026 abgerufen und inhaltlich gegengelesen. Externe Quellen öffnen in einem neuen Tab.
- RFC 9111: HTTP Caching (IETF, Juni 2022) — Unterschied zwischen privatem und gemeinsamem Cache, die Anweisungen private, no-store und s-maxage sowie der Header Age.
- MDN Web Docs: HTTP-Caching — CDNs als verwaltete Caches, der Hinweis, dass ein Cookie eine Antwort nicht privat macht, die Anfragenzusammenführung und Versionsnummern in Dateiadressen.
- web.dev: Optimize Time to First Byte — was ein CDN für die Serverantwortzeit leistet, warum Caching ein langsames Backend verdeckt und wie Tracking-Parameter den Cache umgehen (Stand 28. November 2025).
- web.dev: Time to First Byte (TTFB) — Richtwert von 0,8 Sekunden und die Einordnung, dass TTFB keine Core-Web-Vitals-Kennzahl ist.
- web.dev: Largest Contentful Paint (LCP) — Grenze von 2,5 Sekunden für einen guten Wert am 75. Perzentil.
- Google Search Central Blog: Crawling December — CDNs and crawling — höhere Crawl-Rate bei CDNs, kalter Cache, harte und weiche Blockaden sowie die Empfehlung für den Status 503 (24. Dezember 2024).
- Cloudflare Docs: Default cache behavior — HTML und JSON werden im Standard nicht gespeichert, dazu die Bedingungen für das Nicht-Speichern (Stand 14. September 2026).
- Cloudflare Docs: Cloudflare cache responses — die Werte des Headers CF-Cache-Status wie HIT, MISS und BYPASS (Stand 4. September 2026).
- Wikipedia: Content Delivery Network — Begriff, Point of Presence und Auswahl des passenden Servers nach Auslastung und Verbindung.
- Shopware-Dokumentation: Filesystem und Reverse HTTP cache — Dateien über eine CDN-Adresse ausliefern und die Voraussetzungen für einen HTML-Cache vor dem Shop.
- Shopify Help Center: Improving your online store performance — das von Cloudflare betriebene CDN, das Bild-CDN und die größten Einflüsse auf die Ladezeit.
- Microsoft Learn: Azure CDN from Edgio retirement FAQ — die vorgezogene Abschaltung zum 15. Januar 2025 und die automatische Migration.
- JTL-Forum: Cloudflare und JTL Shop — Problem oder zu empfehlen? — Erfahrungsbericht aus dem Händlerforum zu erzwungenem HTML-Cache, falschem Cookie und fehlerhaftem Warenkorb.
- Preisseiten: Cloudflare, Amazon CloudFront, bunny.net und Google Cloud CDN — alle Preise der Tabelle in Abschnitt 8.
- Sitz der Anbieter: Impressum Myra Security, Impressum Link11 und Nutzungsbedingungen bunny.net.
Hinweis: Dieser Beitrag erklärt allgemeine Technik und ersetzt keine Beratung zu Ihrer konkreten Umgebung. Tarife, Funktionsumfänge und Dokumentationen der Anbieter ändern sich regelmäßig. Maßgeblich ist der jeweils aktuelle Stand beim Anbieter. Stand der Recherche: 25. September 2026.