Leichte Sprache ist eine Form des Deutschen mit festen Regeln für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Pflicht ist sie auf Websites nur für Behörden: § 4 BITV 2.0 verlangt auf der Startseite öffentlicher Stellen des Bundes vier Erläuterungen in Leichter Sprache. Für Onlineshops enthält das BFSG keine solche Pflicht. Es verlangt verständliche Informationen — dafür empfiehlt die Bundesfachstelle Einfache Sprache.
Stand dieses Beitrags: 25. September 2026. Geprüft am Normtext: BITV 2.0 in der Fassung vom 24. Oktober 2023, BFSG in der Fassung vom 6. Mai 2024, BFSGV in der Fassung vom 10. Juli 2026. Die Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (Bundestags-Drucksache 21/5140) ist im parlamentarischen Verfahren und nicht verabschiedet. Der Regierungsentwurf nennt Leichte Sprache nur für Träger öffentlicher Gewalt. Dieser Beitrag ist allgemeine Information und ersetzt keine Rechtsberatung.
1. Standard, Einfach, Leicht: drei Stufen mit Beispiel
Im Alltag werden Leichte und Einfache Sprache oft gleichgesetzt. Fachlich sind es zwei Dinge mit zwei Zielgruppen. Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit beschreibt Leichte Sprache als eine Form der einfachen Sprache, „die auf festgelegten Regeln beruht". Sie richtet sich an Menschen mit kognitiven Einschränkungen. Entwickelt haben sie Menschen mit Lernschwierigkeiten selbst, so das Bundesarbeitsministerium.
Einfache Sprache hat seit Mai 2024 eine eigene Norm: DIN 8581-1 legt Regeln für Sachtexte fest und baut auf DIN ISO 24495-1 auf. Der Einführungstext der Norm ist deutlich: „Zielgruppe Einfacher Sprache sind ausdrücklich nicht Leser oder Leserinnen mit kognitiven Beeinträchtigungen." Die Regeln der Leichten Sprache sind deshalb nicht Teil dieser Norm.
| Stufe | Für wen | Regelwerk | Typische Merkmale |
|---|---|---|---|
| Standardsprache | Alle, die sicher lesen. | Kein eigenes Regelwerk. | Fachwörter, Schachtelsätze und Passiv sind erlaubt. |
| Einfache Sprache | Ein breites Publikum. Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen sind laut DIN 8581-1 ausdrücklich nicht die Zielgruppe. | DIN 8581-1 (Mai 2024) auf Basis von DIN ISO 24495-1. | Regeln für verständliche Sachtexte. Die Norm macht aus Empfehlungen teils feste Anforderungen. |
| Leichte Sprache | Vor allem Menschen mit Lernschwierigkeiten. | Netzwerk Leichte Sprache, DIN SPEC 33429; für Bundesbehörden Anlage 2 der BITV 2.0. | Eine Aussage pro Satz, jeder Satz auf neuer Zeile, lange Wörter getrennt. Menschen aus der Zielgruppe prüfen jeden Text. |
Ein Beispiel aus dem Shop: der Hinweis zum Versand
Standardsprache: „Bestellungen, die montags bis freitags bis 14 Uhr eingehen, werden bei Verfügbarkeit der Ware noch am selben Tag an den Versanddienstleister übergeben."
Einfache Sprache: „Sie bestellen von Montag bis Freitag bis 14 Uhr? Dann geben wir Ihr Paket noch am selben Tag an den Versand. Das gilt für alle Artikel, die auf Lager sind."
Leichte Sprache:
Sie bestellen von Montag bis Freitag.
Und Sie bestellen bis 14 Uhr.
Dann schicken wir das Paket am gleichen Tag los.
Die Ware muss im Lager sein.
Das sehen Sie beim Artikel.
Dort steht: auf Lager.
Was sich geändert hat: Aus einem Satz mit Bedingung und Passiv wurden sechs Sätze mit je einer Aussage. Das Fachwort „Versanddienstleister" ist weg, das Passiv „werden übergeben" wurde zu „wir schicken". Das folgt den Regeln, die Sie in Abschnitt 5 finden. Wichtig: Die drei Fassungen sind von uns formuliert und nicht von einer Prüfgruppe geprüft. Genau das wäre vor einer Veröffentlichung der nächste Schritt — mehr dazu in Abschnitt 8.
2. Wo Leichte Sprache Pflicht ist
Die klarste Pflicht steht in § 4 BITV 2.0. Auf der Startseite einer Website einer öffentlichen Stelle müssen vier Erläuterungen in Deutscher Gebärdensprache und in Leichter Sprache stehen:
- Informationen zu den wesentlichen Inhalten,
- Hinweise zur Navigation,
- eine Erläuterung der wesentlichen Inhalte der Erklärung zur Barrierefreiheit,
- Hinweise auf weitere Angebote in Gebärdensprache und Leichter Sprache.
Wie diese Texte aussehen, regelt Anlage 2 Teil 2 der Verordnung mit 13 Vorgaben. Einige davon: Abkürzungen, Silbentrennung am Zeilenende, Verneinungen sowie Konjunktiv, Passiv und Genitiv sind zu vermeiden. Zusammengesetzte Hauptwörter werden mit Bindestrich getrennt. Die Schrift ist mindestens 120 Prozent groß, jeder Satz beginnt in einer neuen Zeile, der Text steht linksbündig (Quelle: BITV 2.0, § 4 und Anlage 2).
Die BITV 2.0 gilt für öffentliche Stellen des Bundes. Wer das ist, legt § 12 BGG fest: Träger öffentlicher Gewalt sowie bestimmte Einrichtungen und Vereinigungen, die der Bund überwiegend finanziert oder kontrolliert. Dazu kommt § 11 BGG. Danach sollen Behörden Menschen mit geistigen und seelischen Behinderungen Bescheide und Vordrucke auf Verlangen erläutern — reicht eine einfache Erklärung nicht, in Leichter Sprache. Außerdem sollen sie Informationen „vermehrt in Leichter Sprache bereitstellen".
Die Länder haben eigene Gesetze für ihre Behörden und Kommunen. Das Bundesarbeitsministerium weist in seinem Ratgeber darauf hin, dass diese Regeln nicht überall gleich sind, viele aber ebenfalls Leichte Sprache auf Websites verlangen. Für ein Unternehmen wird das alles erst relevant, wenn es Websites für öffentliche Auftraggeber baut oder betreibt. Dann gehört die Startseite in Leichter Sprache zum Lieferumfang.
3. Was das BFSG von Händlern verlangt — und was nicht
Für Onlineshops gilt seit dem 28. Juni 2025 das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Die Frage nach der Leichten Sprache beantwortet die Bundesfachstelle Barrierefreiheit in ihrer FAQ zum Gesetz mit einem klaren „Nein": „Weder die EAA-Richtlinie noch das BFSG noch die dazugehörige Rechtsverordnung enthalten explizit Vorschriften zur Deutschen Gebärdensprache und Leichten Sprache." (Quelle: Bundesfachstelle Barrierefreiheit, FAQ zum BFSG, Frage 20)
Was das Recht stattdessen verlangt, ist Verständlichkeit. § 12 Nummer 2 Buchstabe c BFSGV fordert, dass Informationen zur Funktionsweise einer Dienstleistung „in verständlicher Weise dargestellt" werden. Nummer 3 verlangt Websites, die „wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust" sind. Für die Informationen zur Barrierefreiheit empfiehlt die Bundesfachstelle ausdrücklich Einfache Sprache, „da sie eine gute Verständlichkeit für die meisten Menschen bietet".
Ein Detail, das kaum ein Ratgeber erwähnt: Das BFSG nennt Leichte Sprache sehr wohl — dreimal, in § 21 Absatz 4, § 28 Absatz 4 und § 31 Absatz 2. Jedes Mal richtet sich die Pflicht an die Marktüberwachungsbehörde. Sie soll Verbrauchern ihre Informationen in Leichter Sprache erläutern, wenn eine einfache Erklärung nicht reicht. Aus Sicht der Händler stimmt deshalb, was der BMAS-Ratgeber knapp schreibt: „Im BFSG steht nichts über Leichte Sprache." Genau genommen steht es dort — nur nicht für Sie.
| Regelwerk | Wer ist verpflichtet | Was es zur Sprache verlangt |
|---|---|---|
| § 4 BITV 2.0 mit Anlage 2 | Öffentliche Stellen des Bundes nach § 12 BGG. | Vier Erläuterungen auf der Startseite, in Leichter Sprache und in Gebärdensprache. |
| § 11 BGG | Träger öffentlicher Gewalt. | Bescheide und Vordrucke auf Verlangen erläutern, notfalls in Leichter Sprache. Informationen vermehrt in Leichter Sprache anbieten. |
| Landesrecht | Behörden der Länder und Kommunen. | Eigene Regeln, oft ebenfalls mit Leichter Sprache auf Websites. Die Details sind nicht überall gleich. |
| BFSG mit BFSGV | Unternehmen mit Dienstleistungen für Verbraucher, etwa Onlineshops. | Informationen „in verständlicher Weise" (§ 12 Nr. 2 c BFSGV). Keine Pflicht zu Leichter Sprache. |
| § 17 Abs. 2 BFSGV | Bankdienstleistungen für Verbraucher. | Verständlich, höchstens Sprachniveau B2 des Europäischen Referenzrahmens. |
| Art. 246a § 4 EGBGB | Unternehmer im Fernabsatz. | Pflichtangaben vor der Bestellung „in klarer und verständlicher Weise". |
| BGG-Reform (Entwurf) | Unternehmen: angemessene Vorkehrungen im Einzelfall. | Leichte Sprache nur für Träger öffentlicher Gewalt. Nicht verabschiedet, Stand 25. September 2026. |
Zwei Zeilen verdienen einen zweiten Blick. Die einzige feste Grenze für das Sprachniveau steht in § 17 Absatz 2 BFSGV: Bei Bankdienstleistungen darf der Schwierigkeitsgrad das Niveau B2 nicht überschreiten. Für den Onlinehandel ergänzt § 19 BFSGV Angaben zur Barrierefreiheit der Produkte sowie Zahlungs- und Anmeldefunktionen, aber kein Sprachniveau. Und unabhängig vom BFSG verlangt Artikel 246a § 4 EGBGB, dass Sie die Pflichtangaben vor der Bestellung „in klarer und verständlicher Weise" liefern.
Wer das Gesetz im Ganzen einordnen will, findet das BFSG im Überblick mit Fristen und Checkliste in unserem Grundlagenbeitrag. Wie die Pflichtangaben zur Barrierefreiheit aufgebaut sind, zeigt der Beitrag zu den Informationen zur Barrierefreiheit nach Anlage 3 BFSG. Genau für diesen Text ist Einfache Sprache der passende Maßstab.
4. WCAG und EN 301 549: Auch die Technik fordert sie nicht
Für Websites verweist die Bundesfachstelle auf die EN 301 549 in der Version 3.2.1. Behörden gilt sie über die BITV 2.0, für Websites unter dem BFSG lässt sie sich ebenso nutzen. Abschnitt 9 der Norm übernimmt die WCAG-Kriterien der Stufen A und AA. Unter der Überschrift „Lesbar" verlangt die Norm genau zwei Dinge: die Sprache der Seite und die Sprache einzelner Textteile im Code auszuzeichnen.
Das Kriterium, das der Leichten Sprache am nächsten kommt, heißt WCAG 3.1.5 „Reading Level". Es verlangt eine zusätzliche, leichter lesbare Fassung, wenn ein Text mehr Lesefähigkeit voraussetzt als die untere Sekundarstufe. Das Kriterium gehört zur Stufe AAA. Die EN 301 549 führt es in Tabelle 9.1 nur als Empfehlung: Autoren sollen prüfen, ob sie es anwenden können. Und selbst dieses Niveau ist nicht Leichte Sprache.
Pflicht sind dagegen die Kriterien zur Eingabehilfe: Fehler erkennen, Beschriftungen und Anleitungen, Vorschläge zur Korrektur. Das ist der Teil der Verständlichkeit, der im Shop am meisten zählt — vom Adressfeld bis zur Zahlungsart. Wie Sie Formulare und Fehlermeldungen gestalten, beschreiben die Gestaltungsregeln für barrierefreies Webdesign.
Seit September 2026 liegt die EN 301 549 in der Fassung V4.1.1 vor. Ihr Web-Teil folgt WCAG 2.2 und bringt sechs neue Kriterien der Stufen A und AA, etwa gleichbleibend platzierte Hilfe und eine Anmeldung ohne Rätsel. An der Leichten Sprache ändert das nichts: Das Kriterium 3.1.5 Reading Level bleibt auch in der neuen Fassung eine Empfehlung der Stufe AAA. Was die Fassung für Shops ändert, zeigt unser Beitrag zur EN 301 549 V4.1.1.
5. Die Regelwerke: Netzwerk, DIN SPEC, BITV
Wer nach „Leichte Sprache Regeln" sucht, trifft auf mehrere Quellen. Sie widersprechen sich kaum, unterscheiden sich aber im Rang. Die folgende Übersicht zeigt, wer sie herausgibt und wie verbindlich sie sind.
| Regelwerk | Herausgeber | Stand | Verbindlichkeit |
|---|---|---|---|
| Die Regeln für Leichte Sprache | Netzwerk Leichte Sprache e. V. | Neuauflage 2022. 47 Regeln in sechs Bereichen. | Regelwerk aus der Praxis der Übersetzer und Prüfer. Kein Gesetz. |
| DIN SPEC 33429 „Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache" | DIN, erarbeitet von einem Konsortium im Auftrag des BMAS. | Ausgabe März 2025. 60 Seiten, kostenloser Download. | Technische Regel im PAS-Verfahren. Empfehlungen, keine Pflicht. |
| Ratgeber Leichte Sprache, Heft 1 und 2 | BMAS, geschrieben von Fachleuten des Netzwerks. | Mai 2025. | Leitfaden auf Basis der DIN SPEC, mit einem Kapitel zu KI. |
| Anlage 2 Teil 2 der BITV 2.0 | Verordnung des Bundes. | Fassung vom 24. Oktober 2023. 13 Vorgaben. | Rechtlich bindend, aber nur für öffentliche Stellen des Bundes. |
Das Regelwerk des Netzwerks gliedert seine 47 Regeln in Wörter, Zahlen und Zeichen, Sätze, Texte, Gestaltung und Bilder sowie Prüfen. Die letzte Regel P1 ist die wichtigste: „Lassen Sie den Text immer prüfen." Prüfen sollen Menschen mit Lernschwierigkeiten, denn nur sie können sagen, ob sie den Text verstehen.
Die DIN SPEC 33429 fasst seit März 2025 erstmals einheitliche Empfehlungen zusammen. Erarbeitet hat sie ein Konsortium aus Wissenschaft, öffentlicher Hand, Übersetzern, Prüfern, Gestaltern und Menschen mit Lernschwierigkeiten. Der BMAS-Ratgeber setzt sie in die Praxis um und betont: In der DIN SPEC stehen Empfehlungen — so soll Leichte Sprache sein, nicht so muss sie sein.
Ein Beispiel für den Spielraum: Lange Wörter trennt die BITV 2.0 mit Bindestrich, also Kinder-Zimmer. Der BMAS-Ratgeber nennt zusätzlich den Mediopunkt, also Kinder·zimmer, und nutzt selbst nur den Bindestrich. Für Texte, die den Empfehlungen folgen, empfiehlt die DIN SPEC eine Kennzeichnung. Das Bundesarbeitsministerium stellt dafür ein Icon „Leichte Sprache" lizenzfrei bereit.
6. Für wen Sie schreiben — und die Grenzen
Die erste Zielgruppe sind Menschen mit Lernschwierigkeiten. Das Netzwerk nennt ausdrücklich weitere, etwa Menschen, die nur wenig Deutsch können. Eine belastbare Zahl gibt es für eine verwandte Gruppe: Laut der Studie LEO 2018 der Universität Hamburg lesen und schreiben 12,1 Prozent der Deutsch sprechenden Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren auf niedrigem Niveau. Hochgerechnet sind das rund 6,2 Millionen Menschen (Quelle: LEO 2018, Presseheft).
Die Zahl braucht Einordnung. Geringe Literalität heißt nicht Lernbehinderung. Wer auf dem höchsten dieser drei Niveaus liest, versteht einzelne Sätze, scheitert aber an zusammenhängenden, auch kürzeren Texten. Vielen in dieser Gruppe hilft bereits ein Shop in Einfacher Sprache. Und die Zahlen stammen aus dem Jahr 2018.
Leichte Sprache hat auch Grenzen, und die gehören ehrlich auf den Tisch:
- Sie kürzt. Ein Text in Leichter Sprache bringt die wichtigsten Infos, nicht alle. Für Verträge ersetzt er nicht den verbindlichen Wortlaut.
- Sie kostet Zeit. Übertragung und Prüfung sind zwei Arbeitsschritte, und jede inhaltliche Änderung löst eine neue Prüfung aus.
- Sie weicht vom Suchverhalten ab. Wer „Kinderzimmer" sucht, tippt nicht „Kinder-Zimmer". Leichte Sprache gehört daher auf ergänzende Seiten, nicht auf Seiten, die in der Suche gefunden werden sollen.
7. Wo Leichte Sprache im Shop hilft
Auch ohne Pflicht kann eine Seite in Leichter Sprache viel bewirken — dort, wo Kunden ohne Hilfe einen Ablauf verstehen müssen. Aus unserer Arbeit an Shops ergibt sich eine klare Trennung:
Hier lohnt sich eine Fassung in Leichter Sprache:
- Eine Hilfeseite „So kaufen Sie bei uns ein" — vom Suchen bis zur Bestätigung.
- Kontakt und Hilfe: wie Sie uns erreichen und was danach passiert.
- Die Rückgabe erklärt: wie eine Rücksendung abläuft, als Erläuterung neben der Widerrufsbelehrung.
- Eine Kurzfassung der Informationen zur Barrierefreiheit.
- Hilfe zum Kundenkonto: anmelden, Passwort ändern, Bestellung finden.
Hier lohnt sie sich nicht:
- Produkttexte in großer Zahl: Übertragung und Prüfung jedes Artikels stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen.
- Rechtstexte als Ersatz: AGB, Widerrufsbelehrung und Datenschutzerklärung bleiben im verbindlichen Wortlaut.
- Landingpages für die Suche: Schreibweisen wie Kinder-Zimmer weichen von den Wörtern ab, nach denen gesucht wird.
- Aktionen, die sich jede Woche ändern: Jede Änderung bräuchte eine neue Prüfung.
Technisch ist das wenig Aufwand. Legen Sie die Texte als eigene Seiten im Shopsystem an und verlinken Sie sie aus Kopf oder Fuß mit „Leichte Sprache" und dem Icon. Für die Gestaltung liefert Anlage 2 der BITV 2.0 gute Anhaltspunkte, auch wenn sie für Sie nicht bindend ist: große Schrift, linksbündig, ein Satz pro Zeile, heller, einfarbiger Hintergrund.
Der größere Hebel liegt fast immer woanders: in Einfacher Sprache für den ganzen Bestellablauf. Klare Feldnamen, verständliche Fehlermeldungen und eine Rückgabe-Erklärung ohne Juristendeutsch helfen allen Kunden. Welche Stellen im Shop dabei am häufigsten haken, zeigt unser Beitrag zur Barrierefreiheit im Online-Shop.
8. Leichte Sprache mit KI: nur mit Prüfgruppe
Die Suche nach „Leichte Sprache Übersetzer" und „Leichte Sprache KI" wächst, und KI-Werkzeuge liefern in Sekunden einen Text mit kurzen Sätzen. Der Ratgeber des Bundesarbeitsministeriums vom Mai 2025 widmet dem Thema ein eigenes Kapitel. Sein Urteil ist nüchtern: KI-Programme können Infos „noch nicht allein in Leichte Sprache übersetzen", weil sie zu viele Fehler machen. „Für einen Text in guter Qualität müssen Menschen den Text prüfen." (Quelle: BMAS-Ratgeber Leichte Sprache, Heft 2)
Für Texte, die lange online stehen, etwa auf einer Website, beschreibt der Ratgeber drei Schritte:
- KI-Entwurf: Ein KI-Programm überträgt die Vorlage in Leichte Sprache.
- Fachliche Prüfung: Ein Übersetzer oder eine Übersetzerin prüft, ob alle Infos stimmen, ob etwas fehlt, ob die Regeln eingehalten sind und ob Bilder nötig sind.
- Prüfgruppe: Menschen mit Lernschwierigkeiten prüfen, ob der Text verständlich ist.
Nach diesen drei Schritten ist laut Ratgeber kein Hinweis auf die KI nötig. Nur in einer Ausnahme darf die Prüfgruppe entfallen: bei sehr eiligen, kurzlebigen Infos wie einer Unwetter-Warnung. Dann steht unter dem Text, dass eine KI ihn geschrieben hat und keine Prüfgruppe ihn geprüft hat. Für einen Shop ist dieser Fall selten.
Zwei weitere Hinweise aus dem Ratgeber betreffen die Auswahl des Werkzeugs. Manche KI-Programme speichern Texte oder schicken sie an den Hersteller. Enthält ein Text persönliche Daten, rät der Ratgeber zu einem Programm, das nichts speichert und nichts weitergibt. Und Trainingsdaten können Vorurteile enthalten, die im Ergebnis wieder auftauchen. Die Bundesfachstelle empfiehlt generell Dienstleister, bei denen Menschen mit Lernschwierigkeiten die Texte prüfen. Selbst der Bund plant erst, KI-Werkzeuge für Leichte Sprache durch ein neues Kompetenzzentrum testen zu lassen — so steht es im Regierungsentwurf zur BGG-Reform.
Der Ablauf gleicht damit dem, was für jeden guten KI-Text gilt: Entwurf, Redaktion, Faktencheck, Freigabe. Unseren Redaktionsprozess für KI-Texte haben wir ausführlich beschrieben. Bei Leichter Sprache kommt nur ein Schritt hinzu, der sich nicht abkürzen lässt: die Prüfgruppe. Ob ein KI-Text zusätzlich gekennzeichnet werden muss, ordnet unser Beitrag zur KI-Kennzeichnungspflicht nach Artikel 50 ein.
9. In fünf Schritten zur ersten Seite
Wer im Shop mit Leichter Sprache beginnen will, braucht kein großes Projekt. Diese fünf Schritte führen zu einer ersten geprüften Seite:
| Schritt | Was Sie tun | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1. Seiten auswählen | Wählen Sie drei bis fünf Seiten, die Kunden ohne Hilfe verstehen müssen: Bestellablauf, Kontakt, Rückgabe, Konto. | Eine kurze Liste statt eines Großprojekts. |
| 2. Vorlage glätten | Bringen Sie den Ausgangstext zuerst in Einfache Sprache. Lücken und Widersprüche fallen dabei auf. | Eine saubere Vorlage für die Übertragung. |
| 3. Übertragen | Beauftragen Sie ein Übersetzungsbüro oder lassen Sie einen KI-Entwurf von einer Fachkraft überarbeiten. | Ein Text nach den Regeln. |
| 4. Prüfen lassen | Geben Sie den Text an eine Prüfgruppe. Das Netzwerk Leichte Sprache führt dafür einen Prüfbüro-Finder. | Ein freigegebener Text. |
| 5. Veröffentlichen und pflegen | Eigene Seite, Link „Leichte Sprache" im Kopf oder Fuß, Kennzeichnung mit dem Icon. Jede Änderung am Ablauf löst eine neue Prüfung aus. | Eine auffindbare, aktuelle Fassung. |
Schritt zwei ist der unterschätzte. Wer eine Vorlage erst in Einfache Sprache bringt, entdeckt dabei fast immer Lücken im Ablauf selbst — etwa eine Rückgabe, die in drei Texten dreimal anders beschrieben ist. Diese Arbeit verbessert den Shop auch für alle, die nie eine Seite in Leichter Sprache aufrufen.
- Pflicht füröffentliche Stellen des Bundes (§ 4 BITV 2.0), Länder mit eigenen Regeln
- Pflicht für Händlerkeine; das BFSG verlangt verständliche Informationen
- Empfehlung für ShopsEinfache Sprache (Bundesfachstelle Barrierefreiheit)
- Sprachniveau-GrenzeB2, nur für Bankdienstleistungen (§ 17 Abs. 2 BFSGV)
- WCAG 3.1.5Stufe AAA, von EN 301 549 nicht gefordert
- RegelwerkeNetzwerk Leichte Sprache (2022), DIN SPEC 33429 (März 2025)
- Prüfungdurch Menschen mit Lernschwierigkeiten (Regel P1)
- KInur Entwurf, danach Fachkraft und Prüfgruppe (BMAS, Mai 2025)
- BGG-ReformDrucksache 21/5140, nicht verabschiedet
- Stand25. September 2026
Die Normangaben stammen aus der BITV 2.0 in der Fassung vom 24. Oktober 2023 und der BFSGV in der Fassung vom 10. Juli 2026 — beide Links öffnen in einem neuen Tab. Stand: 25. September 2026, Angaben ohne Gewähr. Alle Quellen finden Sie am Ende des Beitrags.
10. Fazit: Missverständnis ausräumen, Verständlichkeit liefern
Leichte Sprache ist Pflicht — aber für Behörden, nicht für Händler. Das BFSG verlangt von Ihnen verständliche Informationen, und dafür ist Einfache Sprache der Maßstab, den auch die Bundesfachstelle empfiehlt. Wer das weiß, spart sich Übersetzungen, die niemand verlangt, und investiert dort, wo es allen Kunden hilft.
Leichte Sprache bleibt die Kür: wenige, gut gewählte Seiten, von einer Prüfgruppe freigegeben, sauber gekennzeichnet. KI kann den Entwurf beschleunigen, die Prüfung ersetzt sie nicht.
Wenn Sie wissen wollen, wo Ihr Shop steht: Wir prüfen Texte und Umsetzung gegen die Anforderungen der BFSGV und zeigen, welche Seiten eine Fassung in Leichter Sprache wirklich brauchen. Den Einstieg bildet eine WCAG-Analyse mit anschließender Umsetzung. Für den Textteil bauen wir Workflows mit KI-Content und Qualitätskontrolle. Die Prüfung in Leichter Sprache übernehmen Prüferinnen und Prüfer mit Lernschwierigkeiten, nicht wir. Und wir leisten keine Rechtsberatung.
Hinweis: Dieser Beitrag ist allgemeine Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Alle Aussagen zu Pflichten beziehen sich auf den Rechtsstand vom 25. September 2026: BITV 2.0 in der Fassung vom 24. Oktober 2023, BGG in der Fassung vom 23. Mai 2022, BFSG in der Fassung vom 6. Mai 2024 und BFSGV in der Fassung vom 10. Juli 2026. Die BGG-Reform ist ein Entwurf und kein geltendes Recht. Landesrecht haben wir nicht im Einzelnen ausgewertet. Für eine verbindliche Einschätzung ziehen Sie bitte die unten verlinkten amtlichen Quellen oder eine rechtliche Beratung heran.
11. Häufige Fragen zur Leichten Sprache
Was ist Leichte Sprache?
Leichte Sprache ist eine Form des Deutschen mit festen Regeln: kurze Sätze, eine Aussage pro Satz, bekannte Wörter, lange Wörter mit Bindestrich getrennt. Sie richtet sich vor allem an Menschen mit Lernschwierigkeiten. Als fertig gilt ein Text erst, wenn Prüferinnen und Prüfer aus dieser Gruppe ihn gelesen, verstanden und freigegeben haben.
Was ist der Unterschied zwischen Leichter und Einfacher Sprache?
Leichte Sprache folgt einem festen Regelwerk und wird von Menschen mit Lernschwierigkeiten geprüft. Einfache Sprache liegt eine Stufe darüber: klare Sachtexte für ein breites Publikum, geregelt in DIN 8581-1. Diese Norm schließt Leser mit kognitiven Beeinträchtigungen als Zielgruppe ausdrücklich aus. Für die meisten Texte im Shop ist Einfache Sprache der richtige Maßstab.
Ist Leichte Sprache für Onlineshops Pflicht?
Nein. Die Bundesfachstelle Barrierefreiheit stellt klar, dass weder die EU-Richtlinie noch das BFSG noch die BFSGV ausdrücklich Leichte Sprache vorschreiben. Paragraf 12 BFSGV verlangt aber, dass Informationen zur Dienstleistung verständlich dargestellt werden. Für diese Texte empfiehlt die Bundesfachstelle Einfache Sprache. Leichte Sprache bleibt ein freiwilliges Zusatzangebot.
Wer muss Leichte Sprache auf der Website anbieten?
Öffentliche Stellen des Bundes. Paragraf 4 BITV 2.0 verlangt auf ihrer Startseite vier Erläuterungen in Leichter Sprache und in Gebärdensprache: wesentliche Inhalte, Navigation, Kern der Erklärung zur Barrierefreiheit und Hinweise auf weitere Angebote. Viele Länder haben ähnliche Regeln für ihre Behörden. Für Unternehmen wird das relevant, wenn sie solche Websites im Auftrag bauen.
Welche Regeln gelten für Leichte Sprache?
Es gibt drei maßgebliche Quellen. Das Netzwerk Leichte Sprache hat 47 Regeln in der Neuauflage von 2022. Die DIN SPEC 33429 vom März 2025 bündelt erstmals einheitliche Empfehlungen und ist kostenlos. Für Behörden des Bundes ist Anlage 2 der BITV 2.0 verbindlich. Gemeinsam ist allen: kurze Sätze, bekannte Wörter, klare Gestaltung.
Kann KI Texte in Leichte Sprache übersetzen?
KI liefert einen Entwurf, aber keinen fertigen Text. Der Ratgeber des Bundesarbeitsministeriums vom Mai 2025 hält fest, dass KI-Programme Infos noch nicht allein in Leichte Sprache übersetzen können. Für Websites empfiehlt er drei Schritte: KI-Entwurf, Prüfung durch eine Fachkraft, danach Prüfung durch eine Gruppe von Menschen mit Lernschwierigkeiten.
Für wen ist Leichte Sprache gedacht?
Vor allem für Menschen mit Lernschwierigkeiten. Sie hilft aber auch Menschen, die wenig Deutsch können, und Erwachsenen mit geringer Lesefähigkeit. Laut der Studie LEO 2018 lesen und schreiben 12,1 Prozent der Deutsch sprechenden Erwachsenen zwischen 18 und 64 Jahren auf niedrigem Niveau. Viele davon kommen mit Einfacher Sprache gut zurecht.
Was sind die Nachteile der Leichten Sprache?
Leichte Sprache kürzt: Sie bringt die wichtigsten Infos, nicht alle. Für Verträge und Pflichtangaben ersetzt sie deshalb nicht den verbindlichen Text. Dazu kommen Aufwand für Übertragung und Prüfung sowie Schreibweisen wie Kinder-Zimmer, die von üblichen Suchbegriffen abweichen. Sie eignet sich daher als ergänzende Fassung ausgewählter Seiten, nicht als Ersatz.
12. Quellen & offizielle Informationen
Die Angaben in diesem Beitrag stützen sich auf die folgenden Quellen. Alle wurden am 25. September 2026 abgerufen und im Volltext gegengelesen. Externe Quellen öffnen in einem neuen Tab.
- BITV 2.0 — Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung, Volltext — § 4 mit den vier Erläuterungen in Leichter Sprache und Gebärdensprache, Anlage 2 Teil 2 mit den 13 Vorgaben für Leichte Sprache. Fassung vom 24. Oktober 2023.
- § 11 BGG — Verständlichkeit und Leichte Sprache — Erläuterungen auf Verlangen und der Auftrag, Informationen vermehrt in Leichter Sprache bereitzustellen.
- § 12 BGG — Öffentliche Stellen des Bundes — Definition, für wen die BITV 2.0 gilt.
- BFSG — Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, Volltext — § 21 Absatz 4, § 28 Absatz 4 und § 31 Absatz 2 nennen Leichte Sprache als Aufgabe der Marktüberwachungsbehörde.
- BFSGV — Verordnung zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, Volltext — § 12 zur verständlichen Darstellung, § 17 Absatz 2 zum Sprachniveau B2 bei Bankdienstleistungen, § 19 zum elektronischen Geschäftsverkehr, §§ 20 und 21 zu den funktionalen Leistungskriterien.
- Art. 246a § 4 EGBGB — Formale Anforderungen an die Informationspflichten — Pflichtangaben im Fernabsatz „in klarer und verständlicher Weise".
- Bundesfachstelle Barrierefreiheit — FAQ zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz — Frage 20: keine Vorschriften zu Leichter Sprache und Gebärdensprache im BFSG und in der BFSGV.
- Bundesfachstelle Barrierefreiheit — FAQ Informationen zur Barrierefreiheit (Dienstleistungen) — Empfehlung Einfacher Sprache für die Informationen nach Anlage 3 BFSG.
- Bundesfachstelle Barrierefreiheit — Leichte Sprache — Definition, Überblick über Regelwerke und die Empfehlung, Dienstleister mit Prüfung durch Menschen mit Lernschwierigkeiten zu wählen.
- BMAS — Gesetz zur Änderung des Behindertengleichstellungsgesetzes — Umsetzungsstand der BGG-Reform mit Regierungsentwurf vom 11. Februar 2026.
- Deutscher Bundestag — Erste Lesung zur Änderung des Behindertengleichstellungsgesetzes — Drucksache 21/5140, erste Lesung am 7. Mai 2026, Anhörung am 22. Juni 2026.
- Netzwerk Leichte Sprache — Die Regeln für Leichte Sprache (PDF, Neuauflage 2022) — 47 Regeln in sechs Bereichen, darunter Regel P1 zum Prüfen.
- DIN Media — DIN SPEC 33429 (Ausgabe 2025-03) Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache — Ausgabedatum, Umfang und kostenloser Download.
- BMAS — Erstmals einheitliche Empfehlungen für die Deutsche Leichte Sprache — Meldung vom 28. März 2025 zur Entstehung der DIN SPEC 33429.
- DIN Media — DIN 8581-1 (Ausgabe 2024-05) Einfache Sprache — Einführungsbeitrag zur Abgrenzung von Einfacher und Leichter Sprache.
- BMAS — Ratgeber zu den Regeln von Leichter Sprache, Heft 1 — Regeln auf Basis der DIN SPEC 33429, darunter Bindestrich und Mediopunkt. Stand Mai 2025.
- BMAS — Ratgeber zur Arbeit mit Leichter Sprache, Heft 2 — Gesetzeslage aus Sicht des Ministeriums und das Kapitel zu Künstlicher Intelligenz. Stand Mai 2025.
- BMAS — Icon „Leichte Sprache" zum Download — Kennzeichnungsempfehlung der DIN SPEC und lizenzfreies Icon.
- W3C — Understanding Success Criterion 3.1.5: Reading Level — Einstufung als Kriterium der Stufe AAA.
- ETSI — EN 301 549 V3.2.1 (2021-03), PDF — Abschnitt 9.3 zu den Pflichtkriterien und Tabelle 9.1 mit den AAA-Kriterien als Empfehlung.
- Universität Hamburg — LEO 2018, Leben mit geringer Literalität (Presseheft, PDF) — 12,1 Prozent und rund 6,2 Millionen gering literalisierte Erwachsene sowie die Beschreibung der Kompetenzniveaus.
- Netzwerk Leichte Sprache — Prüfbüro-Finder — Liste von Prüfbüros mit Prüfgruppen.